Papa allein zu Haus

Harald Seitz (38) macht Elternzeit - und kümmert sich um den Haushalt sowie Sohn Scott und Tochter Mette.

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Papa geht in die Verlängerung

"Ich mache mir das Leben schön" war einer der guten Vorsätze 2008 bei BRIGITTE online. Da reihe ich mich doch gerne ein. Ist zwar schon etwas fortgeschritten, das Jahr, aber zum schön machen ists ja nie zu spät: Ich verlängere meine Elternzeit und (abgesegnet von der Redaktion, Danke!) auch diesen Blog. Oder ist es umgekehrt? Mach ich nur deswegen ein paar Monate mehr Elternzeit, um ganz egoistisch weiterhin schreiben zu können? Naja. Diese Frage soll sich dann jeder und jede selbst beantworten. In jedem Falle macht es großen Spaß weiterhin über Garderobenmarken für Mette, auswärtige Wickelerlebnisse oder singend-brummende Väter zu berichten.

Mette_mit_schere Eigentlich sollte meine Elternzeit Ende Februar auslaufen. Zum Einen kam mir aber bis jetzt das letzte halbe Jahr viel, viel zu kurz vor und zum Anderen sehe ich es gar nicht ein, dem Elterngeld von der Schippe zu springen. Schließlich haben wir noch Anspruch darauf bis Ende Juli. Und das wird ausgenutzt! Ich fange also erst wieder am 1. August an zu arbeiten. Die unproblematische Verlängerung habe ich natürlich auch meinen sehr verständnisvollen Kolleginnen und meiner Chefin zu verdanken. Die unterstützen mich wirklich in allen Belangen und finden unsere Entscheidung toll. Allerdings mit der Auflage, möglichst oft mit Mette vorbei zu kommen. Zum Baby-Spotting. Könnter haben!

Insgesamt werde ich dann also 11 Monate Mutti sein. Sorry liebe mitstreitende Väter. Ich versaue wirklich den Schnitt. Ab August geht es dann also wieder los und beide Elternteile werden wieder arbeiten gehen. Da Mettes Interesse an unseren beiden Jobs noch recht marginal ausgeprägt ist und sie allein zu Haus noch nicht wirklich gut über die Runden kommt, suchen wir natürlich einen gut behüteten Platz in professioneller Erzieherinnen-Umgebung. Und wir waren gar nicht faul. Mette war schon vor der Geburt (damals noch namenlos) für einen U3-Tagesstättenplatz der Saison 2008/2009 angemeldet. Heißt: ab August. Clever, gell?

Diese Woche folgte aber die Ernüchterung. Wir bekamen von unserem Wunschkindergarten in der Nähe eine Absage. Insgesamt wurden 8 Kinder unter drei Jahren angenommen und 62 (!) stehen auf der Warteliste. Selbst als Geschwisterkind in Scotts katholischem Kindergarten hat Mette keine Chance, denn ab Sommer 2008 wird kein Kind unter zwei Jahren betreut. Das ist offenbar auch eine konfessionsübergreifende Folge des Kinderbildungsgesetzes. Vielen Dank!

Da fällt mir wirklich nichts mehr zu ein. Ich denke, wir sollen nach dem Kinderkriegen so schnell wie möglich wieder in den Beruf einsteigen. War das nicht der jahrelange Tenor aus Bundestag und Bundesrat? Elterngeld also für ein Jahr und Betreuung ab zwei Jahren. Und dazwischen? Da wünscht man sich doch Menschen in Entscheidungspositionen, die mal über Regelungen aus einem Guss nachdenken.

Da trifft es sich doch, dass der SPIEGEL diese Woche titelte "Wie viel Mutter braucht das Kind" und es dazu am Sonntag einen "Talk" bei Anne Will geben wird. Meine Wenigkeit ist eingeladen auf dem Gästesofa (als "Betroffener") mitzudiskutieren. Nur so viel vorab: Wegen mir kann jeder machen, was er will, aber die reale Wahlmöglichkeit ist die Voraussetzung für freies Handeln.

...ich werde berichten...

Liebe Grüße aus der Elternzeit

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Folgende Weblogs beziehen sich auf Papa geht in die Verlängerung:

Kommentare

Das ist ja spannend. Das werde ich mir auf jeden Fall angucken. Toi, toi, toi. Ich hoffe, du "schlägst" dich gut. Es ist wirklich unglaublich, was da politisch gerade mal wieder so daneben geplant wird.

Und sooooo eine süße Tochter. Gut gemacht! Werde am Sonntag auch mal reinschauen. Viel Glück.

Lieber Harald, ich hatte gerade ein Gespräch mit meiner neuen Kollegin, Evi. Wir kamen da relativ schnell auch auf Vereinbarkeit von Familie un Beruf. Da sie aus Belgien kommt, konnte sie mir die belgische Sicht der Dinger erklären: Frau kriegt Kind und geht nach 3 Monaten wieder arbeiten. Sie wird 1) Nicht von der Gesellschaft verteufelt, 2) Kann problemlos wieder einsteigen, 3) kriegt sofort einen KOSTENLOSEN Platz für das Kleinkind von ACHT UHR MORGENS BIS FÜNF UHR NACHMITTAGS. Hallelulja! Du kannst Dir sicherlich Ihren Blick vorstellen, als ich ihr sagte, dass 1) Nicht kostenlos, 2) Nicht Einfach, 3) Mütter die das Machen = Bäh. Belgien mag keine funktionierende Regierung haben, aber hier ein Leuchtturm des "Vereinbarkeitvorbilds". Teile das doch mal bitte der Republik über alle Wellenlängen [sic!] mit. Bis Morgen, Neven

Hallo Neven, frag Evi doch bitte mal, wie in Belgien ein Frau angeschaut wird, die 3 Monate nach der Geburt nicht wieder voll berufstätig sein will, sondern ihren Kleinstkind 1-2 Jahre versorgen möchte!

Na Alice, da hast du dich aber mal wieder geärgert, dass nicht alle solche Muttertiere sein wollen wie du. Dann wird das auch noch positiv hingestellt. Da muss man doch sofort mal 'nen markigen Spruch loslassen. Was geht denn über deine Ansichten zur Kinderbetreuung durch Mutti! Nichts, nicht mal die Ansichten von ein paar Millionen Belgiern. Weißt du, solange Frauen untereinander so gehässig sind, wird sich nie etwas verändern. Lass doch jedem seinen Lebensplan. Eine(r) ist gern zu Hause bei den Kindern, die andere nicht. Weil es die Umstände so nötig machen, oder einfach aus Überzeugung. Es sollten aber die Voraussetzungen für alle diese individuellen Lebenspläne vorhanden sein. Dann erst wird es normal, dass jeder für sich und für sein Leben mit Kindern entscheidet und es keine fiesen Sprüche mehr gibt, über Rabenmütter und Karrierefrauen oder Muttertiere, die sich vom Partner aushalten lassen und außer ihren Seifenopern aus der ganztägig dudelnden Fernsehunterhaltung und den Spielplatzgesprächen mit Gleichgesinnten über Kinderkacke keinen Horizont mehr haben.

Racyruna,
wer im glashaus sitzt sollte nicht mit steinen werfen. du bist verbal keinen deut besser als alice. wärest du nicht-gehässig würdest du alice sein lassen wie sie ist und nichts von "...kinderkacke keinen horizont mehr" erzählen.
das ist doch alles schade.

Ich sitze auch etwas ratlos vor diesem Gemeckere, das man eigentlich weder Mann noch Frau zutrauen sollte. Jeder sollte doch die Kacke machen, die er machen möchte, der eine Arbeitskacke, der andere Kinderkacke. Solange jeder dann und da kacken kann, wo er/sie will.

@Alice: Verstehe mich nicht falsch: Ich propagiere weder die eine noch die andere Lösung als "Überlösung". Aber, was in Frankreich, Belgien oder Skandinavien praktiziert wird, ist auch nicht Mütter zu "Rabenmüttern" zu erziehen, sondern ihnen die WAHLFREIHEIT zu geben. Und diese Wahlfreiheit haben wir in Deutschland nicht - Mütter sind gezwungen ihr Kind 1-2 Jahr grosszuziehen, es sei denn Sie haben Glück, oder genug Kleingeld, um sich eine Nanny zu leisten.

Warum denken Mütter und Väter nicht zuerst an ihre Kinder ?..ist es schlecht, oder etwas Besonderes, wenn Vater oder Mutter die ersten 2 Jahre bei dem Kleinkind zu Hause ist ?

Ich denke, die Gesellschaft richtet sich leider zuerst nach wirtschaftlichen Faktoren.

Ich kann die Lobeshymnen auf Belgien(und Frankreich, aber da kenne ich mich nicht aus) nicht mehr hören. Hat sich denn mal jemand angesehen, wie die Krippen und Kindergärten da aussehen? Wie gross die Gruppen sind? Wie das Spielzeug aussieht und nach welchen Prinzipien die Kinder da erzogen werden? Und ich spreche jetzt nicht von privaten Einrichtungen, sondern normalen, wie sie mein Kind besucht hat.
Das ist für Deutsche oft nicht vorstellbar und nach den in Deutschland sehr hohen Standards(Hozspielzeug, viel Platz, individuelle Förderung, gesundes Essen....keine Videos im Kindergarten, um nur einiges zu nennen) oft schwer zu akzeptieren, wie es da gemacht wird.
Es ist natürlich nicht alles schlecht, das ist es nie, aber auf jeden Fall sehr anders.
Und wenn man für jedes Kind Ganztagsbetreuung mit Essen bietet für wenig Geld, dann ist eben auch nicht so viel Geld für vieles da.
Babara

Hallo Herr Seitz,
ich habe Sie grad bei Anne Will gesehen. Gottlob hat man Sie eingeladen! Endlich mal ein Positivbeispiel!
Mette und Scott können echt stolz auf Ihren Papa sein!

Ja, ich hab`s auch gesehen. Super. Solche Männer braucht das Land! Der Herr neben dir sah ziemlich "alt" aus. Hoffentlich ein Auslaufmodell.

@ Joddy: Deiner Theorie nach müssten ja die Kinder von HartzIV - Empfängern besonders glückliche kleine Menschen sein, sind doch Vater und Mutter den ganzen lieben langen Tag zu Hause. Und das oft weit länger als 2 Jahre.
Könnte die etwas anders aussehende Wirklichkeit etwas damit zu tun haben, dass unzufriedene und gelangweilte Eltern nicht gerade ein Garant für glücklichen Nachwuchs sind?

Habs auch gesehen. Fand ich sehr interessant.

Überhaupt hat mir die Sendung gestern mit so vielen Frauen gut gefallen, es war eine sehr anregende Stimmung. Die Frauen ließen sich ausreden... es war fair...

Gestern las ich von einer Studie, die herausfand, dass Kinder aus Krabbelgruppen später überdurchschnittlich oft das Gymnasium besuchen. (Na, da habe ich schon wieder etwas falsch gemacht bei meinen Kindern ;-) ).

Aber jetzt mal ganz ernst: Es ist widerlich und beschämend wie Menschen auf Menschen mit anderem Lebensmodell hinhacken oder verbal Schläge austeilen.
Kinder und Kindererziehung ist eine Aufgabe sowohl von Eltern als auch vom Staat (somit von uns allen). Selbst in der Steinzeit erkannte man schon, dass man als IchAG nicht überlebensfähig ist. Somit sind alle gefordert - Eltern, Verwandtschaft, Umfeld und Politik.

@re< Katrin
1. Vater ODER Mutter
2.Harz IV Empfänger mit Kindern sind meistens unfreiwillig zu Hause.
3.ich fragte, ob es schlecht, oder etwas Besonderes sei, wenn Vater ODER Mutter in den ersten 2 Jahren zu Hause bleiben, wenn sie sich das erlauben könnten.

@ Joddy: Schlecht ist daran grundsätzlich nichts, was aber nicht heißt, dass andere Lösungen es wären.
Nur gibt es nunmal Berufe, die erlauben keine 2-3jährige Auszeit.
Und was macht der Zuhausegebliebene, wenn der Partner früh verstirbt, arbeitsunfähig wird oder (wahrscheinlicher) sich neu orientiert (Stichtwort neues Unterhaltsrecht)? Wer dann aus dem eigenen Beruf draußen ist, hat unter Umständen ein größeres Problem.
Mag nach worst case - Szenario klingen, sind aber Fälle, die ich im persönlichen Umfeld erlebt habe und um die ich wahrlich keinen beneide, auch und vor allem die Kinder nicht!

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