Bunte Begegnungen

Karin Tauer (44) schreibt und zeichnet sich als freie Künstlerin und Illustratorin durch ihren bunten Alltag.

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Wo wohnt das Glück?

Wo-wohnt-das-Glück Wenn ich mit meinem Hund einen letzten nächtlichen Streifzug durch das Viertel unternehme, sehe ich mir die erhellten und schon dunklen Fenster an. Ich frage mich, hinter welchen Fenstern wohl das Glück wohnt. Dort, wo ein orangeroter Vorhang im Luftzug flattert oder im Altbau nebenan in dem ein opulenter Kronleuchter den Raum erhellt? …

Ich höre bei meinem Spaziergang sanfte Stimmen, sehe zwei Menschen im gläsernen Wintergarten bei Kerzenschein, höre das Brummen vereinzelter Autos, lausche der Stille der Gärten. Irgendwo weint ein Kind, ein Hund bellt in der Ferne. Was machen all diese Menschen, die noch wach sind, wie fühlen sie sich? Wie viele suchen verzweifelt den Schlaf, wie viele sehen einen letzten Film im Fernsehen, wer ist zufrieden und wer ärgert sich gerade über einen anderen? Die Fenster geben zeigen nicht viel, sie dienen schließlich dem persönlichen Schutz vor eindringendem Lärm, Kälte, Blicken, Stechmücken und Menschen, die sich alles nehmen würden, wenn sie denn könnten. Dennoch erkennt man das ein oder andere Mal ein Quäntchen Glück oder wenn wir nicht gleich so hochstapeln wollen, dann eben Zufriedenheit. Aus dem Haus am Eck fliegen eindeutige Schlafzimmer-Geräusche eines gerade vergnügten Paares in die Luft, hier vermute ich zumindest momentane Entspannung und einen Hauch von Erfüllung. Ein Stück weiter klingen Mozart-Töne klassischer Musik an mein Ohr und verschaffen mir und sicherlich auch dem eigentlichen Hörer eine gewisse Leichtigkeit. Ein griesgrämiger Passant blickt mich böse an, während ich lauschend und staunend durch die Nacht flaniere. Wahrscheinlich würde er sich wohler fühlen, wenn auch ich grimmig dreinblicken würde.


Es riecht aus den Gärten, Kanaldeckeln, von den Bäumen und vor den Häusern. Wie klein die Duftteilchen auch sein mögen, sie erzählen eigenartige Geschichten. Irgendwo war gerade ein Rüde pinkeln, an anderer Stelle schnuppert es nach feuchtem Moos. An der nächsten Kreuzung muss kurz vor uns ein aktiver Raucher gelaufen sein. Seine Schwade hängt noch in der Kurve. Es ist eine ungewöhnlich schwül-warme Nacht nach einem kräftigen Gewitter. Die feuchte Wärme gibt viel mehr Reize für meine Nase preis, als es klares und kühles Wetter tun würde.


Und wo liegt nun das Glück? In der für heute vielleicht letzten Zigarette des Passanten vor mir, ist der geruchsintensive Rüde ein Familienhund, der die Kinder glücklich macht? Schläft unter dem Leuchter mehr Gefühl als hinter dem wehenden Vorhang und ist das überhaupt wichtig?


Nein liebe LeserInnen, es ist vollkommen unwichtig. Weder meine Schritte auf dem Asphalt, noch die Geräusche und Gerüche, auch nicht die Lichter und die Dunkelheit bewegen etwas und haben Relevanz für meine Umwelt. Wichtig ist in diesem Moment nur, mir Gedanken zu machen, dass es andere Menschen gibt und ihnen Glück zu wünschen. Im Kleinen und Großen. Ich spüre eigenes Glück in mir, wenn ich jemanden lachen höre und ich trauere mit, wenn ich jemanden weinen sehe. Eines kann ohne das andere wohl nicht sein – aber das Positive kann sich ausbreiten und irgendwann überwiegen. Vorausgesetzt man gönnt den anderen genau das, was man sich selbst so sehr wünscht – das Glück.


Ihre Karin Tauer


P.S.: Klingt ein wenig wie das Wort zum Sonntag, nun denn, es ist Montag und so widme ich es eben der ganzen Woche ;-)


Illustration: Haus bei Vollmond, Karin Tauer 2010. Tusche auf Buchseite. Mehr Buch-Zeichnungen gibt es hier.

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