Hunnenkönig und Prinzessin
Schnee wohin man sieht und dazu am
Samstag nachmittag strahlender Sonnenschein. Rund um Lübecks
Stadtkern ist es recht wässrig – sprich diverse Teiche und Kanäle
laden an den Uferwegen zu Spaziergängen ein. Viele Kinder stürmen
mit Schlitten die kleinen Hügel der parkähnlichen Anlagen und
ebenso viele Hundebesitzer nutzen das Wintertraumwetter um sich und
ihre Vierbeiner zu lüften. Natürlich mache ich es Ihnen nach –
seit einem mehr als einem Jahr Hundebesitzerin und seit gut einer
Woche Lübeck-Einwohnerin – und treffe Edda und Ruga....
… Kennen Sie eigentlich die Bestellung beim Universum? Heute bevor ich die meine kleine Ferienwohnung verließ, schickte ich den Wunsch nach einer netten Begegnung in den Himmel. Und ich bekam sie. Mein Flughund Mokka läuft freudig und tapfer neben mir durch den Schnee, allerdings noch an der Leine. Fast jeder Weg ist neu für uns und da sie bei Übermuts- und Freudenanfällen mal recht schnell um die Ecke flitzt, traue ich dem Braten noch nicht so recht. Nach einigen Hundeschnüffeleien und der einen oder anderen Spielrunde treffen wir heute einen kleinen dunkelbraunen Hübschhund mit ganz wuschigem Fell. Mokka findet Ruga, der nach einem Hunnenkönig benannt ist, auf Anhieb sympathisch und ich komme mit seiner Besitzerin Edda ins Gespräch. Wir lassen die beiden auf einem großen Sportplatz toben und stapfen nebeneinander durch den weißen Schnee. Dabei erzählen wir von den Hunden, meinem Umzug in diese Stadt, Edda von ihrem Umzug nach Lübeck vor zwanzig Jahren, von Kindern, den Ausstellungen und ruckzuck haben wir eine gemeinsame halbe Stunde und eine gute Strecke zurückgelegt. An der Mühlentorbrücke trennen sich unsere Wege, ihrer führt in die Stadt, meiner auf die andere Seite. Doch bevor wir uns auf Wiedersehen sagen, stellen wir uns einander mit Handschlag vor und daher weiß ich auch, dass Edda Edda ist. Wir sehen uns sicherlich bald wieder an einem der Uferwege und ich freue mich schon heute auf ein weiteres Gespräch – schließlich laufen wir beide mit unseren Hunden dort fast täglich entlang. Zumindest vermute ich das auch von mir.
Auf dem Rückweg von der Brücke nach Hause erinnere ich mich an ein Gespräch vor wenigen Tagen mit einer anderen Dame, die einen Hund hatte, der Mokka in sehr vielem ähnlich war. Sie nannte mir seine reine Rasse und ich erinnere mich nicht mehr richtig an den Namen. Er war kurz und sie betonte er schriebe sich mit „K“ und nicht mit „C“. Zuhause angekommen wühle ich gleich im Netz nach Hunderassen mit „K“ und zack – einige Mokkas sehen mich an!!!! Sie nennen sich Kromfohrländer (das war nicht der Name, den mir die Dame nannte) und sind eine der jüngsten deutschen Hunderassen. Seit 1955 anerkannt. Ich kann keinen Unterschied zu meinem Hund sehen und frage mich, wie um Universums Willen denn mein neu entdeckter Rassehund an einer Mülltonne in Teneriffa ausgesetzt werden konnte. Von wem und warum nur? Dass man mit unerwünschten Hunden dort so verfährt, ist bekannt und meine Freundin die ihn auflas, ist im Tierschutz sehr engagiert. Sie kennt „die“ Stellen, an denen die Tiere „vergessen“ werden, sie kann ausgesetzte von verloren gegangenen Hunden sehr gut unterscheiden. Den Deutschen auf der Insel werden als bekannte Tierfreunde die Hunde und Katzen sogar teilweise über den Zaun der Grundstücke geworfen. Das ist billiger und bequemer als der Gang in die sowieso überfüllten Tierheime. Und ein besseres Schicksal als manch überzähliges Haustier hat.
Nun passt meine kleine Prinzessin mit unbekanntem Stammbaum so gesehen also sehr gut zum Hunnenkönig. Sollten Sie ab und an unter Einsamkeit oder Bewegunsmangel leiden, dann schaffen Sie sich einen Hund an und ziehen Sie eine hundeliebende Stadt wie Lübeck. Hier gibt es ausgewiesene Hundewege, an denen ohne Leine gelaufen werden darf und sogar zwei Hundestrände an der Ostsee für den Sommer. Ich habe gelesen, der eine sei sogar mit Holzsteg ins Wasser ausgestattet. In meinem derzeitigen Wohnviertel auf Zeit lebt nahezu in jedem Haus auch ein Hund und fast überall sind die Vierbeiner willkommene Gäste. In einem Eiscafe in der Fußgängerzone gab es für Mokka sogar nen etxra Keks und zusätzliche Streicheleinheiten tankt sie inzwischen an einigen Straßenecken und von einer Hausbewohnerin aus dem zweiten Stock, bei der es außerdem ne Menge Leckerlis abzustauben gilt.
Das Schöne an der Leidenschaft „Hund“ in Lübeck oder vielleicht auch in ganz Deutschland hat eine sehr angenehme Nebenwirkungen: am anderen Ende der Leine hängt meistens ein recht freundlicher Mensch. Und irgendwie sind dann die Zweibeiner beim „Gassigehen“ auf einmal alle gleich – ohne Statussymbol wie Auto oder Pelz, in Freizeitkleidung und einfach nur Mensch mit Hund.
Illustration: "Katzenhund" von Karin Tauer, www.zebrafisch.com, 2007
Hallo Neu-Lübeckerin ;-)
Ihr scheint euch schon ganz gut aklimatisiert zu haben in Lübeck. Und wenn Du Dich wunderst, warum Dein Hund die Kälte abkann, dann schau mal in den Link rein - schätze, du kennst die Seite bestimmt schon.
http://www.hundund.de/rassen/kromfohrlaender/
Weiterhin tolle Begegnungen mit und ohne Hund - ich sollte mir vielleicht auch einen Vierbeiner zulegen grübel grübel.
Liebe Grüße
Sylvia
Kommentiert von:sylvia | Mittwoch, 6. Januar 2010, 21:53 Uhr
Gute Idee Sylvia,
dann such dir am besten einen gestreiften Bienenhund, hihi.
Ich bin gerade am Entwurf meiner nächsten Blogreihe hier: "die feinen Unterschiede" zwischen der Insel und hier ---- da könnte ich dann schreiben: Auf Teneriffa findet man getupfte Hunde, in Tübingen gestreifte ;-)
Grüsse dich ganz herzlich, Karin
Kommentiert von:Karin Tauer | Mittwoch, 6. Januar 2010, 22:30 Uhr
gute Idee, dieser Hund müsste dann aussehen wie ein Zebra in mini? Oder ein Zebrafisch an Land? oder eine geklonte Biene auf vier Beinen? sehr schwierig - breites Grinsen
Gruß Sylvia
Kommentiert von:sylvia | Donnerstag, 7. Januar 2010, 13:46 Uhr
Hätte ich keine Katzen, dann bestimmt einen Hund. Der könnte mich dann beim Joggen begleiten ... unter anderem.
Frostige aber liebe Grüße vom ebenfalls kalten Ammersee in den hohen Norden - Renate
Kommentiert von:Renate | Donnerstag, 7. Januar 2010, 21:55 Uhr
Liebe Karin - endlich die Bestaetigung, wir wussten es doch gleich, dass Mokka was ganz Besonderes ist - und wir dachten erst es sei ne Tinerfenia, hoert sich aber doch auch ganz gut an!
Ich freue mich, dass es euch trotz der Kaelte gut geht. Meine suesse Lilly ist ja auch inzwischen in Deutschland und laut Pflegefamilie kaempft sie noch schwer mit dem Schnee!
Melde dich mal wieder - ich weiss, du hast alle Haende voll zu tun!
Alles Gute und ganz liebe Gruesse
Andrea
Kommentiert von:Andrea | Donnerstag, 14. Januar 2010, 13:59 Uhr