Bunte Begegnungen

Karin Tauer (44) schreibt und zeichnet sich als freie Künstlerin und Illustratorin durch ihren bunten Alltag.

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Wenn der Barranco zum Wasserfall wird...

Kanaldeckel auf Felsen ... dann hat dies Seltenheitswert in Puerto de la Cruz und bedeutet nichts Gutes.

Innerlich durchnässt und zutiefst beeindruckt erzähle ich aus dem gestrigen Tag. Nach heftigem Regen, also ganz als würde jemand einen Eimer in Universumsgröße über uns auskippen, kam ich mit meinen Nachbarn und Freunden nach Hause. Wir waren unterwegs durch Aquaplaning und angeschwemmtes Gerölll, zwischen hochgelupften Kanaldeckeln und braunem Wasser, das jeden erdenklichen Weg nahm...

… Der bereits bekannte und vielbesagte Hund Mokka musste mal dringend in der gerade anbrechenden Regenpause raus. Kurz nachdem ich zuhause ankam, rief unser Obernachbar aufgeregt nach unten: „kommt schnell hoch und seht euch das an!“. Wir flitzten nach oben und sahen das, was nicht denkbar war. Der eben noch zum Hundegassi genutzte Barranco, also der Bergeinschnitt, eine Art kleine Schlucht, war voll mit ungefähr drei Metern hohem reißendem, braunem Wasser. Wie um uns die Gewalt und Kraft des Wassers zu belegen, hing auch noch etwas oberhalb ein mitgerissenes rotes Auto im Strom fest. Ein ohrenbetäubender Lärm ging von dem etwa in Luftlinie fünfzig Meter entferntem Neu-Fluss aus. Wir malten uns aus wie es wohl gerade unten am Strand aussehen würde, von dem wir von unserem Haus aus nur eine braune halbrunde Fläche in das ansonsten tiefe Blau eintreten sahen.


Ganz langsam dämmerte mir mein Glück, das mich und meine Mokka wohl nur wenige Minuten von der Wassermasse trennte und ich war schockiert, wie schnell alles hätte vorbei sein können. Ich glaube aus Berichten und Filmen zu wissen, dass so eine Wassermenge plötzlich und tosend anrollt.

Der Barranco führte vor ziemlich genau einundvierzig Jahren das letzte Mal Wassermassen hinunter ans Meer. Die Anwohner hatten dort mit den Jahren Parkplätze sowie Zugänge zu ihren Häusern eingerichtet und Gärten angelegt. Generationen von Hühnern wurden hier großgezogen und gefüttert, die übrigens an diesem Nachmittag alle oben am Hang saßen und nicht unten herumliefen. Unzählige Pflanzen und Gräser wuchsen hier auf Schritt und Tritt und nicht zuletzt ist die Zone natürlicher Abenteuerspielplatz, Spaziermeile für Hundebesitzer und Nährboden für Ziegenherden. Unten am Stadtstrand wurden die großen Freiflächen als Parkplatz genutzt und am Ausgang des Barrancos zierte eine angelegte Kakteenlandschaft die Touristenmeile. Bis gestern.


Heute morgen um fünf regnete es noch einmal kräftig und dann war der Spuk vorbei. Bei meiner Hunderunde am Morgen sah ich einige mitgerissene Autos, beziehungsweise das was davon über war, herumliegen. Den Strand unten in der Stadt, an dem der gebündelte Regenguss ins Salzwasser traf, wollte ich gar nicht mehr sehen. Personen sind nicht zu Schaden gekommen, wir haben wohl fleißige Schutzengel gehabt hier. Einige wenige Schulen bleiben geschlossen, ein Einkaufscenter an einem anderen Barranco der Stadt wurde gestern vorsichtshalber evakuiert und die Region kam mit Schrecken und Sachschaden davon.


Seltsam mitten in so einer Sache zu stecken. Die innere Bestürzung, die so etwas auslöst, kann ich nicht beschreiben. In den Stunden, in denen das Wasser donnert und man im Dunkeln nur Scheinwerfer der Anwohner darüber tanzen sieht, spürt man wie klein man wirklich ist und wie schnell sich alles auflösen kann. Jetzt scheint die Sonne und die Insel erstrahlt in zartem Morgendunst, die Barranco-Hühner picken fleißig im frischen Schlamm und alles scheint auf den ersten Blick normal. Auf ein neues.

Sabine---rotes-Auto

 

Mehr Informationen in der deutschen Inselzeitung Kanaren Express


Illustration Titel: Kanaldeckel Karin Tauer am 17.11.2009.

Foto: Sabine Virgin, Kanaren Express, 17.11.2009





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Kommentare

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Da bin ich aber froh, dass niemand zu Schaden gekommen ist! Ich nehme an, Dir steckt der Schrecken tief in den Knochen. Die Aufräumarbeiten werden wahrscheinlich aufwändig, aber im Grunde ist es doch sehr glimpflich ausgegangen.

Nachdem es gestern nachmittag nochmal heftig geregnet hat und die Kanaldeckel tanzen ließ, sieht es heute doch wieder freundlicher aus.

Gerade eben habe ich vor der Tür einen Mitarbeiter des Wasserwerks getroffen und nachgefragt, wie lange wir wohl noch braune Brühe aus dem Wasserhahn zapfen würden. Er meinte heute und morgen würde nochmal "durchgespült" werden und auf meine Frage, ob das was jetzt aus der Leitung käme zumindest zum Duschen verwendet werden könne, zuckte er nur mit mitleidsvollen mit Blick mit den Schultern. Na gut, dann eben nicht. Katzenwäsche aus der Gießkanne ist auch mal etwas anderes.

Wünsche allen deutschen Lesern und Leserinnen Duschvergnügen pur und einen wunderbaren Tag! Karin Tauer

Hola Karin,

da hast Du so kurz vor Schluss auf Tenerife echt noch mal Schwein gehabt!

Hier in Catalunya sind diese Riadas relativ häufig, vor allem im Herbst, und es werden Warnungen gegeben, die noch trockenen Flussbetten zu räumen. Trotz allem landen jedes Jahr wieder Autos im Meer (im günstigen Fall ohne Insassen). Vor einigen Jahren ist sogar mal ein älterer Herr in der Innenstadt von Barcelona auf der Strasse ertrunken. Der Sturzregen hatte die Strasse in einen etwa 30 cm tiefen, aber reissenden Fluss verwandelt und der Mann war gestürzt.

Wann geht es denn nun endgültig in den Norden?

Saludos

Mamita

Ins neue Jahr rutsche ich schon in Deutschland. Bin sehr gespannt!

Ja, ich hab riesen Glück gehabt, wenn man bedenkt dass die Barrancos alle mit Gärten angelegt sind und zum Parken dienen, ist es wie ein Wunder, dass niemandem etwas passiert ist. Ich war sicher nicht die einzige, die da irgendwo noch rumspazierte. ...

Aber nun scheint wieder die Sonne, das Wasser aus den Leitungen wird wieder heller und die Aufräumarbeiten sind in vollem Gange.

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