Bunte Begegnungen

Karin Tauer (44) schreibt und zeichnet sich als freie Künstlerin und Illustratorin durch ihren bunten Alltag.

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One Way

One way - mein Weg

Wer kennt ihn nicht, den alten Gedanken vom One Way Flug? Nase voll und ab durch die Mitte, doch so einfach ist es leider selten. Die Familie im Hintergrund, die Arbeit im Vordergrund oder auch umgekehrt. Mäuler wollen gestopft und Chefs bedient, Ehemänner gebauchpinselt und Gattinnen beklunkert werden. Oder auch nicht. Die Menschen, die mich umgeben benötigen weder Bauchpinsel noch Brillianten, aber meine Arbeit ist schon lange vor mir aufs deutsche Festland geflohen und ich folge ihr …

… ja, sie haben richtig gelesen! Nach achteinhalb Jahren werde ich zum Jahreswechsel mit beiden Beinen endgültig norddeutschen Boden betreten. Das Hin- und Her hat ein Ende. Die Wege sind zu weit. Wie gerne hätte ich mich freiwillig wie ein Kompass in vier Richtungen gevierteilt. Der Norden für die Kunst, der Süden für die Familie, in der ich groß bin, der Osten für die Familie, in der ich groß wurde und der Westen für mich und meine „zona privada“. Doch das Projekt gelingt mir nicht wie angedacht, es liegen zu viele Kilometer zwischen meinen Himmelsrichtungen auf dem Tauerschen Richtungsanzeiger.

Nach einem gelungenen Hamburger Ausstellungs-Sommer, mit dem Verständnis meiner Familie und dank der Unterstützung aller mir nahe stehenden Menschen bereite ich meinen fliegenden Wechsel vor. Ich ziehe ich den Hut vor den letzten Jahren, die mir die Insel gewärmt, geschenkt und versüßt hat und tausche ihn gegen eine warme Pudelmütze für einen Start in einen klirrkalten Januarwinter nahe der Ostsee. Ein lachendes und ein weinendes Auge wollen beide sehen und gesehen werden, manchmal schiele ich vor Anstrengung, manchmal fühle ich mich als hätte ich ein Veilchen abbekommen. Oft aber klimpere ich auch erleichtert und gut gelaunt mit den Wimpern, fokussiere in Vorfreude manches abgewöhnte deutsche Produkt wie leckere (und nicht überlagerte und dreifach erhitzte!) Lebkuchen und Schokoladen, cremige Joghurts und meine bereits bekannten Favoriten, die Bromhimheidelbeeren. Ich sehne mich nach einem Atelier und einem Arbeitsalltag, in dem wieder fachlicher Austausch mit Kollegen und Kunden stattfindet und einem Leben, in dem sich meine Tochter auf dem Rücken der Pferde immer weiter nach oben strecken kann, um neue Herausforderungen vom Himmel zu pflücken.

Vermissen werde ich sicherlich sehr viel, allem voran das Lachen und die Gelassenheit der Inselmenschen und die Lautstärke, in der hier alle fröhlich schnattern. An die deutsche Frage: „ … und was machen Sie beruflich?“ werde ich mich wieder gewöhnen, mich aber auch gleichzeitig nach dem unbekümmerten kanarischen Miteinander, in dem der Beruf die allerletzte Rolle spielt, sehnen.

So manches werde ich genießen, so manches entbehren, so manches in die Arme nehmen und so manches sein lassen! Mir scheint es allem in allem fast so, als hätte ich als Süddeutsche mit dem „drehenden Roll-R“, das man mir nachsagt, den Umweg über Teneriffa gebraucht, um in den hohen Norden Deutschlands zu gelangen. Damals vor über acht Jahren wäre ich niemals auf die Idee gekommen, dass ich jemals jenseits von Frankfurt existieren könnte, denn dort – aus südlicher Sicht - hörte doch die Erdscheibe bekanntlich auf und man fiel als Südlicht in einen tiefen unbekannten Abgrund. Heute kann ich mir keinen anderen Platz in meinem Heimatland vorstellen, an dem ich sonst leben wollte. Der Norden hat mich im Sommer endgültig an den Angelhaken bekommen und nicht mehr losgelassen.

Auf bald und mit herzlichem Gruß, Karin Tauer


Vier Nachsätze:

Eins: Ich habe versucht, den meisten Menschen in meiner Umgebung, die Neuigkeit bereits persönlich oder per Mail mitzuteilen. Wen ich nicht erreichte, übersah, oder für den ich schlichtweg keine Zeit mehr fand in der turbulenten Phase seit endgültiger Entscheidung Ende September, der möge mir verzeihen und es keinesfalls persönlich nehmen.

Zwei: Daumendrücken, gute Wünsche, das ein oder andere wärmende Wort zum Jahreswechsel und viel Wind unter meinen Flügeln sind jederzeit willkommen!

Drei: Meinen illustrierten Senf werde ich weiterhin an dieser Stelle beitragen, denn mein Leben scheint noch viele „bunte Begegnungen“ bereit zu halten.

Vier: Bewegende Abschiedsgedanken, emotionsgeladene Wortsalven und alles was sich sonst noch dreht, folgen sicherlich noch ausreichend bis Ende dieses Jahres. Ich bin selbst schon sehr gespannt!

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Kommentare

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Veränderungen sind immer mit Unsicherheiten und kleinen Ängsten verbunden. Aber Veränderungen bringen auch schöne Überraschungen. Herausforderungen, Aufgaben, neue Menschen. Nicht zuletzt ein völlig neues Zuhause. Neue Geräusche, neue Gerüche ... im Grunde ist es sehr spannend.
Halt uns auf dem Laufenden, was so alles passiert bis zum Ortswechsel und danach.

Halt die Öhrchen steif!

Lieber Gruß von Rente

Liebe Karin,

zu Punkt 1 zähle ich mich ja nicht, aber für Punkt 2 garantiere ich dir jede Unterstützung zumindest mit den Daumen, der Wind wird dir von alleine wehen. ;-) Auf Punkt 3 freue ich mich mit deiner treuen Lesefans schon heute, und das schließt Punkt 4 gleich mit ein.

Herzliche Grüße aus Oberboihingen (kalt isses in Deutschland)

Wow, das ist ein Riesenschritt! Drücke dir ganz fest die Daumen dabei! Hihi, als Süddeutsche ist für mich Norddeutschland auch ganz weit weg...aber du wirst wissen warum es dich dorthin zieht. Du schreibst, dass du dich nach einem Atelier und fachlichen Austausch sehnst. Hattest du das auf Teneriffa nicht? Wie auch immer, manchmal muss man was ändern und ich bewundere deine Entscheidungskraft dazu! Toi, toi, toi und ich freue mich weiterhin auf die Beiträge in diesem super-Blog!
Un abrazo, Barbara

Liebe Karin, ist Dir klar, dass der Winter hier im Norden lang und dunkel ist? Ich versteh ja deine Gründe, aber sag nicht es hätte dich niemand gewarnt..:))... (dieser tolle Sommer dieses Jahr ist nicht die Regel)
lieben Gruß
Kerstin

Wow! Veraenderungen! Respekt! Dich hat es ja wirklich gepackt, alles Gute dafuer! Energie muss man dir ja nicht senden, um alles zu bewerkstelligen, die hast du eh -- was sagt deine Tochter dazu?

Hey, hallo und herzlich willkommen zurück!
Wir werden versuchen euch den kalten deutschen Winter mit Herzlichkeit, Freundschaft und unser berühmten Berliner Schnautze zu erwärmen.
Das rollende RRRR werden wir noch weiter dringend benötigen, denn ich gedenke mein Spanisch mit deiner Hilfe aufzupolieren und deines nicht einrosten zu lassen :-)
Sagt, wenn ihr was braucht!
Besos Carola y familia

Danke euch sehr für die lieben Kommentare... ich re-kommentiere auch nur ganz kurz:

Wetter: das Wetter ist eine nette Beigabe, aber war nie der Grund für ein Leben auf den Kanaren. Das waren damals persönliche Gründe und die andere Kultur, die mich auf die Insel lockten.

Neues: ja ich freue mich auch alles Neue und habe eben die beiden berühmten Augen dabei. Für meine Tochter ist der Schritt nicht einfach. Sie sieht die eine Seite, meine vor allem beruflichen Gründe vernünftig als Muss, freut sich auf viel Reiterei in Schleswig-Holstein, aber würde aber natürlich viel lieber "zuhause" bleiben bis sie 16 oder 18 ist. Absolut verständlich und wenn es nicht so unmöglich scheinen würde, würde ich allein deswegen auch noch einige Jährchen bleiben.
Letzlich ist sie eine Mischung aus zwei Kulturen und ein Weltmensch, dem Sprachen nur so zufliegen. Ihre Kindheit in Kanarien und Deutschland wird der Startschuss zu einem Leben in vielen Ländern sein. Was ich gelernt habe in meinem Leben ist, dass es wichtig ist immer einen Menschen zu haben, auf den man sich uneingeschränkt verlassen kann, der hinter einem steht ganz gleich was geschieht. Im besten Fall, in unserem Fall, ist es für sie bisher ihre Mami ;-). Egal wo wir sind und waren, egal wer um uns herum an unserem Leben teilhat oder nicht, egal worum es geht - wir sind bisher immer ein gutes Team gewesen.

Ich finde es ganz wunderbar, dass ich auch einige Mails erhalten habe zum Thema ud danke einfach einmal allen fürs Lesen, fürs Mitdenken und für alle lieben Gedanken, die mich wissen lassen, dass die Welt groß und bunt ist und ebenso viele großartige und bunte Menschen beherbergt.

Dicke liebe Grüsse an euch alle, Karin

Geh, wohin Dein Herz Dich trägt
(ist auch ein Buchtitel von Susanna Tamaro)
das fiel mir ein, als ich Deine Zeilen gelesen habe. Und ich konnte es direkt ablesen, als Du soooo innigst über die Begegnung an der Ostsee geschrieben hast. Da hat es Dich getroffen, peng.
Ich habe auch mal so entschieden und es hat mir sehr gut getan.
Ganz abgesehen von den Widrigkeiten, die so eine Sache begleiten können. Aber die hat man auch, wenn man bleibt. Und Winter können bei uns auch schön sein, wenn er nicht ausschließlich aus Matsch, Nebel und Glatteis besteht.

Ich wünsche Dir jedenfalls, dass Du uns weiterhin mit Deinen Geschichten und Bildern erfreust.
Und fürs Umziehen: Virtuell geschickte Kraft für die schweren Sachen.
Marianne

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