Bunte Begegnungen

Karin Tauer (44) schreibt und zeichnet sich als freie Künstlerin und Illustratorin durch ihren bunten Alltag.

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Vom Barthaar und anderen Lösbarkeiten

Barthaar-und-andere-Lösbarkeiten … ein ungeschminkter Brief an eine alte Freundin.

Meine liebe Kati,

bemerkenswert, wie wir uns verändern, und wie wir doch die "Alten" bleiben. Da stehen wir nun mit unseren weißen Haaren, runden Bäuch(l)e(i)n, gesunkenen Busen und aparten Falten, die nicht nur das Gesicht zieren, mit beiden Beinen im Leben. Auf dem linken, mit dem wir so oft aufstehen, immer noch im fraulichen Gefecht der Eitelkeiten, auf dem rechten bereits in wichtigeren Bereichen des Lebens, die das Aussehen bereits auf den ersten Blick belächeln. ...

...

Aber sag mir, liebe Kati, verbringst du auch immer mehr Zeit im Badezimmer? Versteckst du dich vor deiner nervenden Familie vor dem Spiegel oder steigen mit jedem Jahr die täglichen Minuten zur Schönheitspflege an, weil wir immer länger glätten, zupfen, cremen müssen? Nun das mag so verschieden ausfallen, wie wir auch verschiedene Typen sind. Da gibt es die Getigerten unter uns, die in hautengen Wildtierdesigns und rosa Lippenstift ihr Haar toupieren.; die Opulenten, die in wallenden Gewändern mit goldenen Riemchen an den Schuhen selbstbewußt durch das Leben flanieren; die Stonewashed-Steinharten, die Zeit ihres Lebens nie etwas anderes zum blauen Jeans-Klassiker tragen werden als das weiße Hemd und braune Lederschuhe; die Kostümstrengen, die mit straff gekämmtem Haar und aufgebügeltem Kragen unter ihrer eigenen Dezenz* erkalten; selbstverständlich dürfen die Barbie-Vertreterinnen nicht fehlen – inzwischen über fünfzig und mit diversen Eingriffen versehen, um ihrem Plastik-Ideal möglichst ähnlich zu sein; die Außerirdischen, die sich von allem Äußerlichen nicht beeindrucken lassen, am liebsten quadratisch – praktisch - gut tragen und die Waltons als ultimatives Familienunternehmen betrachten; die Modesüchtigen, die immer dem letzten Trend hinterherhechten und zu guter Letzt die Unabhängigen, die ihren unverwechselbaren Stil zu ihrem eigenen Kult machen und mehr Zeit im Nicht-Sein-Wollen-wie-Andere verbringen, als damit zu sein, wie sie sind.

Wir haben alle etwas gemeinsam: im Bad vor dem Spiegel betrachten wir mit einem Gefühl aus Verärgerung und Verwunderung unsere neuen Bekannten – die Barthaare. Unvermittelt tauchen sie auf, sprießen aufgrund hormoneller Veränderungen aus den Poren – starre Einzelgänger mitten auf dem Kinn und an anderen mehr oder weniger möglichen Körperstellen. Die Pinzette muss her und erobert sich noch vor dem Lady-Shave und dem Massage-Handschuhe gegen Fettpölsterchen den ersten Platz im Gerangel um Notwendigkeiten.

Der kleine runde Handspiegelklassiker mit der Lupenseite zeigt statt eines lupenreinen Abbildes ein Hautbild aus kleinen Anhöhen und Kratern, was wiederum leicht zum Ärgernis wird. Aber auch zwischen den tiefsten Furchen finden wir unser Barthaar, reden ihm gut zu und wünschen uns so sehr, es möge nach dem schmerzhaften Ausriss nie wieder nachwachsen. Was bleibt ist ein roter verdächtiger kleiner Fleck. Doch mit der getönten Abdeckcreme ist auch dieser bald wieder weg.

Wie gut, dass wir Frauen für alles die passende Creme haben: die leichte Tagescreme, Handcreme, Fußcreme, Zahncreme, Haartönungscreme, Sonnencreme, Creme fürs Dekoltée, den Schildkrötenhals und die roten Äderchen auf den Wangen, Nachtcreme, Fettcreme, Feuchtigkeitscreme und Enthaarungscreme. Mit letzterer könnten wir wiederum dem vereinzelten Baarthaar beikommen – ganz ohne Pinzette.

Ich sende dir, meine Liebe, einen herzlichen Gruß, ungeschminkt und hormonell verändert aus den ersten Jahren meiner Wechseljahre. Wir haben die Pubertät überstanden, unsere Frau gestanden und wechseln langsam in ein neues Zeitalter … Im Wachstum liegt die Veränderung. Wie wahr.

 Deine immer treue Freundin, K.

*Dezenz = dezente Maske, die Strenge und Zielsicherheit vermitteln soll.

Die Geschichte der Barthaare ist wohl global fraulich, weder besonders spanisch, noch speziell deutsch...ich hoffe, Sie verzeihen mir zwischendrin vollkommen unkanarische Themen - auch eine Bloggerin braucht ab und an "Ausreißer". 

Illustration: Karin Tauer, www.zebrafisch.com, bearbeitetes Postkartenmotiv aus dem KT-Dawanda-Shop

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Folgende Weblogs beziehen sich auf Vom Barthaar und anderen Lösbarkeiten:

Kommentare

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Liebe Karin,

willkommen im Club. Ein Tipp von einer die in dem Zeitalter angekommen ist, verbanne den Kosmetikspiegel mit der Vergrößerungsseite. Das ändert zwar nichts an den hormonellen Veränderungen aber wenn Du dann noch Glück hast, ohne Brille nicht mehr sooooo gut die einzelnen Härchen zu sehen, dann lebt es sich auch ganz gut mit, genau wie zu den Wir-Stehen-Unsere-Frau-Zeiten. Übrigens hören diese mit der Barthaargeburt auch nicht auf, es sei denn wir ließen es zu.

Es grüßt Dich mit dem globalen Problemchen aller Club-Mädels vom nächtlichen Deutschland nach Teneriffa

Sylvia

Liebe Karin,

Gegen all diese kleinen optischen Widrigkeiten gibt es ein sowohl einfaches als auch preiswertes Mittel:

Vaseline!!!!

Jawohl, Vaseline!

Man braucht sie nur grosszügig aufzutragen ...

...auf den Badezimmerspiegel ;o)

@Mamita

witzige Idee

schmunzelnde Grüße

Sylvia

Ihr beiden seid herrlich! Danke für die tollen Ideen !!! Karin

Je mehr Barthaare sprießen, desto weniger arbeitet das Gedächtnis. Eigentlich sind es keine feinen Haare mehr, sondern eher Borsten. Kleiner Tipp: Wenn man sie nicht mehr richtig sehen kann, so kann man sie mit dem Finger erfühlen und dann auf gut Glück auszupfen. In jedem Alter gibt's Veränderungen, da wird's nie langweilig!
Lass dich überraschen,
Edith

@edith

heißt das im Umkehrschluss - Männer mit Bart haben gar keine Erinnerung mehr??? Das erklärt vergessene Hochzeitstage, sonstige Termine usw. grübel grübel und augenzwinkern

Interessante These. Schönen Abend noch. Sylvia


@ Sylvia
Hihi, könnte sein! Vielleicht ist das auch der Grund, warum sie nicht multitaskingfähig sind...
Lieben Gruß,
Edith

@Edith

tja, also Augen auf bei Männerschau - glatt rasiert lässt auf Intelligenz hoffen! ?

Ich werde es mal analysieren und das Ergebnis hier kundtun.

Lieben Gruß zurück

Sylvia

@ Karin

wie ist Deine Meinung dazu?

@Edith:

das mit den gefühlten Borsten und auf gut Glück ausreissen ist gefährlich. Wennnnnn mannnnn das vrdmmmte Ding nicht errrrwischt... und es wieder und wieder versucht... hat man am Ende ein echtes Gemetzel im Gesicht verursacht. Aber langweilig wird es wirklich nicht. Und wenn an der Front gerade mal nix zu finden ist, kann man sich tastend auf die Suche nach den borstigen weissen Haaren, pardon, Silberfäden begeben ;oD

Die diversen Amnesien der Männer sollten wir aus der ganzen Überlegung rauslassen, denn deren Haarlosigkeit im Gesicht ist meistens seit jungen Jahren sekundär durch Rasieren verursacht. Spriessen tut es trotzdem immer. Und zu Lösungen, die das Problem im wahrsten Sinn des Wortes an der Wurzel packen, neigen die Herren der Schöpfung ja eher selten. Tut ja weh.

Macht Spass mit Euch!

Mamita

Hola Mamita

es gibt da einen Spruch "wenn der Verstand wächst, müssen die Haare weichen" Eigentrostworte der Glatzenträger. smile

Einen schönen Nachmittag und wir lesen uns wieder - bestimmt.

Gruß Sylvia

Ich freu mich schon auf gelegentliche Frozzeleien ;o)

Eine letzte Überlegung meinerseits zu diesem haarigen Thema: Es kommt ja immer drauf an, wo die Pracht spriesst. Die deutsche Sprache geht ein wenig leichtfertig damit um, indem für uns alles "Haare" sind, die erst durch erklärende Zusätze definiert und damit willkommen oder gefürchtet sind. Im Spanischen wird ohne wenn und aber zwischen dem höchst unwillkommenem und als unhygienisch verschrienen "vello" und dem "cabello" unterschieden. Obgleich der "vello" unter normalen Umständen wesentlich häufiger einer ausgiebigen Reinigung unterzogen wird, als der "cabello", dem man und frau dann auch noch gern mit klebrigen und damit Dreck fixierenden Substanzen zu Leibe rückt.

Eine wundervolle Abhandlung zum Thema Haarpracht und der damit zusammenhängenden Metaphorik findet sich übrigens in "Asterix der Gallier".

Ich hoffe, niemand findet jetzt ein Haar in der Suppe...

Mamita

Lieber ein Haar in der Suppe als Haare auf den Zähnen ;-)

Mädels, ihr werdet es nicht glauben: heute mittag war ich unterwegs mit dem Auto und an einer Straßenecke lehnte glatt ein Canario so um die 50. Und nun das ist nun wirklich wahr - ich schwöre es bei meinem ersten Barthaar! - er hatte sein Hemd sperrangelweit offen und KÄMMTE seine grauschwarze Brustmatte mit einem Kamm von oben nach unten durch. Brrrrrrr.....
..... das war für mich die gelebte Antwort auf meine Sprachlosigkeit zu Sylvias obiger Kommentar-Frage "@ Karin - wie ist Deine Meinung dazu?" beim Thema Männerschau und Intelligenz.

Huaaaa! Sin compejos! wie es ein low cost Whisky Marke und eine bestimmte spanische Partei vor einigen Jahren proklamierte!
Hat er die Pracht auch mit Frisiercreme fixiert? Am Rücken konnte er das bestimmt nicht selber machen.

Da tut sich doch vielleicht eine Marktlücke auf, der Stielkamm für Männer! Ich stelle ihn mir als eine Kreuzung zwischen Badebürste und Harke vor, vielleicht mit ergonomisch gebogenem Griff um von oben nach unten kämmen zu können ohne über die Schulter arbeiten zu müssen. Man wird ja schliesslich nicht jünger :o)

Und von unsereiner wird erwartet sich einer Heisswachsbehandlung an den delikatesten Stellen zu unterziehen. Ha! Frauenpower!

Silvia, vielleicht sind Haare auf den Zähnen doch nicht so schlecht! Die wachsen einem übrigens auch mit vorrückendem Alter, habe ich den Eindruck. Vorsichtig zurückschneiden!

Viele liebe Grüsse

Mamita

Ooooh Mamita,

Deine Fantasie - königlich.

Herzliche Grüße aus dem Schwabenland gepaart mit Frauenpower

Sylvia

Ich habe noch was: Gerade bei Aussortieren meiner Mails fand ich folgendes Zitat mitten im Text:

"Ich weigere mich Kinnhaare zu akzeptieren. Das sind lediglich verirrte Augenbrauen..." von Janette Barber

;-)

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