Bunte Begegnungen

Karin Tauer (44) schreibt und zeichnet sich als freie Künstlerin und Illustratorin durch ihren bunten Alltag.

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Arzt ist nicht gleich Medico

20 Arzt 1 Irgendwo zwickt es, anderswo tut es wirklich weh. Cholesterinspiegel und Herzkranzgefäß, Bluthochdruck und Arthrose - da wären wir bei beliebten deutschen Themen in meiner Wohnstadt Puerto de la Cruz. Die Deutschen lieben ihre Krankheiten und ist es denn ein Wunder? Die überwiegende Zahl meiner Landsmänner und -frauen hier in der Stadt  sind üblicherweise im Rentenalter, entfliehen dem rheumatischen Winter ihrer Heimat. Sie haben Zeit, kümmern sich liebevoll um ausgesetzte Katzen und Hunde, beklagen das Wetter und pflegen ihre Zipperlein. Aber wie ist es, wenn sie wirklich zum Arzt gehen müssen?

Wenn der Schuh drückt, der soziale Anschluss fehlt oder es einfach weh tut, geht man in Deutschland zum Arzt. Auf der Insel auch, aber trotzdem ist da etwas anders – denn der spanische Arzt im „Centro de Salud“ (=Gesundheitszentrum – wie schön, dass es nicht Krankenzentrum heißt) spricht spanisch. Von dieser Hürde sind allerdings nur die normalen Kassenpatienten betroffen. Die Versorgung hier ist technisch und medizinisch durchaus versiert, die Organisation etwas gewöhnungsbedürftig. Alles was der Allgemein- und Kinderarzt oder die diensthabende Hebamme nicht lösen können, muss weiter überwiesen werden. Die Wartelisten für eine solche Facharztbehandlung bei chronischen Erkrankungen übertreffen meist die Aufenthaltsdauer der deutschen Überwinterer – sind also quasi erledigt. Akute Fälle werden aber korrekt und sorgfältig auf europäischem Niveau versorgt. Also keine Angst.

Wer kann, sucht bevorzugt einen deutschsprachigen Arzt oder eine private Klinik auf. Bei großen Eingriffen sollte die Kostenübernahme hier besser im voraus geklärt werden, sonst kann es passieren, dass der Patient die Behandlungskosten, wie bei kleineren Rechnungen üblich, erst einmal komplett auslegen muss, bevor er diese von seiner heimatlichen Krankenversicherung erstattet bekommt. Vom deutschen Hausarzt über deutsche Physiotherapie, vom deutschen Facharzt  bis zum deutschen Zahnarzt ist jede Branche fachlich versiert abgedeckt.

So genannte Residente, die wirklich das ganze Jahr über hier fest leben, gibt es zwar immer mehr, aber irgendwie sind wir trotzdem Exoten. In Spanien gemeldet, arbeitend und Steuer zahlend, gehöre ich wie die meisten Inselbewohner auch der gesetzlichen Krankenversicherung an. Freie Arztwahl gibt es für den Kassenpatienten in Spanien nicht. Will man selbst entscheiden und in Eigenregie den passenden Mediziner auswählen, bezahlt man dies auch aus eigener Tasche. Private Zusatzversicherungen, die ein wenig mehr Eigenbestimmung versprechen, da man zumindest aus einem Ärztekatalog auswählen kann und seinen Termin selbst vereinbart, gibt es prinzipiell nur auf die gesetzliche Basisversicherung aufgestockt. Um diese kommt einfach keiner herum.

Die seltenen Arztbesuche habe ich bisher lieber aus privatem Geldbeutel bezahlt und mir viele Stunden Warterei gespart. Aber als übersetzende Begleiterin für Freunde war ich ab und an in diversen Kliniken mit dabei. Das kuriert von ganz alleine und bestärkt mich darin, lieber gesund und geistesgegenwärtig mein Leben zu verbringen. Natürlich weiß ich, es könnte auch einmal anders sein – aber ganz ehrlich: wenn sie inmitten der Zipperlein-Riege den Altersdurchschnitt in meinem Alter immer noch senken und all diese Krankheiten, von denen so gerne erzählt wird, nicht haben, ist das mehr wert als jeder Lottogewinn. 

Nun höre ich aber auch immer wieder bei meinen Deutschland-Aufenthalten interessante Dinge über neue Vorsorgeuntersuchungen, Trends und Patientenalltag.  Und immer wieder beglückwünsche ich mich in diesen Augenblicken, hier so wunderbar hinter dem europäischen Mond zu leben. Meine Falten gehören mir und ich begrüße sie jeden Morgen ohne psychische Probleme. Keiner sagt mir, dass meine Zähne zu schief, meine Haare zu grau sind, ob sich das Verhältnis meines BMI und IQ auf mein PMS auswirkt und ob meine Impfungen regelmäßig aufgefrischt werden müssen. Venendiagnostik und Blutbild, Rheumaschub und Migräne, Mammographie und Grippevirus, dritte Zähne und Bandscheibenvorfall sei Dank – sie haben bisher immer nur an meine Tür geklopft, wenn keiner zuhause war.

Bleiben auch Sie gesund! Es grüßt sie herzlich, Ihre Karin Tauer.

Illustration Karin Tauer. Buchillustration für ZECH Verlag, Teneriffa

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Kommentare

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Danke Karin, bleib auch Du gesund. Zu diesem Thema fällt mir ein, früher war ich arbeitsmäßig so verantwortungsbewusst, dass ich mich möglichst selber kuriert habe, trotz Pflichtversicherung bei der Krankenkasse, heute bin ich privat versichert und gehe auch nicht zum Doktor. Möge mir der liebe Gott noch lange große Wehwechen von mir fern halten und für die Seele habe ich ja zum Glück Dich, Maria und noch ein paar nette Ansprechseelen. Ansonsten baue ich auf meine Portion Humor,das Leben zu ertragen und über unliebsame Alterserscheinungen in Form von Zipperlein zu lachen und selber zu kurieren.

Gesunde und honigsüße Grüße vom Neckar nach Teneriffa

Sylvia

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