Nicht alles ´rose und fiori´
Die Stimmung in Italien ist momentan alles andere als rosig…
Viele brechen auf, die Dableibenden machen es wie die Italiener und versinken in eine Art Resignation: „Che ci possiamo fare…“ (Was können wir schon tun…) Gestern war ich im Autobus Nummer 30 nach Prati, ein als vornehm geltender Stadtteil Roms unterwegs. Eine Freundin von mir zieht nach Barcelona um und wir trafen uns im netten Caffe Sciascia auf einen Abschiedsaperitif. Ein sehr nettes Café mit einer wunderbaren sizilianischen Kaffeerösterei. Der Aperitif des Hauses- Prosecco "ai petali di rose" schmeckt auch köstlich.
Aber ich lenke vom Thema ab, denn auf der Fahrt dorthin wurde ich Zeugin einer unschönen Szene. Das Klima wird immer schlimmer. Ausnahmsweise waren mal Kontrolleure im Bus. Und was für welche. Ein Fahrgast neben mir hatte kein Ticket. Der Kontrolleur fuhr den aus Afrika stammenden Italiener sofort mit dem Du-Wort an und brach einen Streit vom Zaun, obwohl der „Schwarzfahrer“ sofort seinen Ausweis herzeigt und bereit war die Strafe zu bezahlen.
In Italien kam es in den vergangenen Monaten wiederholt zu gewalttätigen Angriffen gegen Immigranten und Obdachlose. Erst am Wochenende passierte neuerlich ein rassistischer Überfall. Drei Jugendliche schlugen „aus Langeweile“ einen indischen Obdachlosen nieder, übergossen ihn mit Benzin und zündeten ihn an. Körper an. Der 35jährige Inder erlitt schwerste Brandverletzungen und schwebt in Lebensgefahr.
Schauplatz Nettuno, vier Uhr morgens: In der Bahnhofshalle des Badeortes südlich von Rom sucht der Inder Singh N. Schutz vor der Kälte. Im Schlaf wird er von drei italienischen Jugendlichen brutal niedergeschlagen, mit Benzin übergossen und angezündet. Motiv der Tat? „Aus Langeweile, wir wollten uns einen Spaß machen, ob Rumäne oder ´Neger´, das war uns egal“, sagten die jungen Männer bei der Festnahme. Einer der Täter ist noch minderjährig
Seit längerem wird künstlich ein Klima des Hasses und der Angst gegen Ausländer geschürt. Für den Bürgermeister von Nettuno ist die Gewalttat das Ergebnis jahrelanger ausländerfeindlicher Botschaften mit klarer Anstiftung zum Ausländerhass in TV- Nachrichtensendungen und Talk-Shows. Der Innenminister von der Lega Nord sieht die öffentliche Sicherheit primäör durch Einwanderer und nicht durch organisierte Mafia-Kriminalität gefährdet.
Die Mitte-Rechtsregierung hat bisher vor allem mit rigiden Maßnahmen in der Ausländerpolitik aufhorchen lassen. Die rechtspopulistische Regierungspartei Lega Nord fordert separate Unterrichtsklassen für Immigrantenkinder an italienischen Grundschulen. Vergangene Woche hat Innenminister Maroni den Bau von zehn neuen „Identifikations- und Abschiebelagern“ angekündigt. Eines davon soll auf der Insel Lampedusa entstehen. Dort kam es zu Protesten von Seiten der Bevölkerung und der Flüchtlinge, die seit Monaten in hoffnungslos überfüllten Lagern unter menschenunwürdigen Bedingungen festgehalten werden. Die Kosten für den Bau der Lager belaufen sich auf Hunderte Millionen Euro. Die Gelder für Integrationsprogramme wurden indessen drastisch gekürzt.