Forum Romanum

Die Journalistin Irene Mayer (36) berichtet aus Rom - von Cappuccino, Kirche und Korruption.

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Die anderen Savianos

Roberto Saviano, Autor des Romans „Gomorra“, ist nicht der einzige auf den es die Camorra abgesehen hat. Viele „ganz normale“ Bürger in sind im Visier der organisierten Kriminalität. Besonders in Kampanien, wo die  Mafia die Gesetze bestimmt…

Ich hatte noch nie Angst auf einer Recherchereise. Aber bei einem Ausflug in die Nähe von Neapel, ins Reich der „Casalesi“ - mächtigster Camorra-Clan Kampaniens und einer der mächtigsten Mafia-Clans der Welt - war mir doch sehr mulmig.  Pietro Russo steht vor verbrannten Matratzen, inmitten der Trümmer seiner Fabrik in Santa Maria Capua Vetere. Das Unternehmen wurde im vergangenen Frühjahr von der Camorra, der organisierten Kriminalität der süditalienischen Region Kampanien, in Brand gesteckt. Der 42-jährige Geschäftsmann hat den Zorn der „Casalesi“ auf sich gezogen. Er weigerte sich trotz wiederholter Drohungen, Schutzgeld zu zahlen.


Russo steht nicht im medialen Rampenlicht wie der international bekannt gewordene Bestseller-Autor Roberto Saviano. Zahlreiche Personen in Süditalien, darunter Richter, Staatsanwälte, Polizisten, Kaufleute und Bauunternehmer beweisen täglich Zivilcourage. Sie riskieren mit ihrer Rebellion gegen das organisierte Verbrechen ihr Leben. Sie müssen rund um die Uhr mit Polizeischutz leben. Viele von ihnen kämpfen um ihre finanzielle Existenz, einige haben ihr soziales Umfeld, Freunde und Familie verloren.
Vincenzo Schiavone, Chef der Klinik Pineta Grande in Castel Volturno, hat bisher noch jeden Versuch der Camorra, in den Krankenhausbetrieb einzudringen, zur Anzeige gebracht. „Manchmal spekuliere ich mit dem Gedanken, alles hinzuschmeißen und Kampanien zu verlassen“, gesteht Schiavone. Im September wurden in Castel Volturno sechs Afrikaner nach einer ausgebliebenen Schutzgeldzahlung von der Mafia erschossen.

„Pass gut auf!“

Der Bürgermeister des Ortes, Francesco Nuzzo, sagte damals: „Es ist klar, dass die Camorra hinter diesen Massakern steckt, in der Region bestimmt die Mafia über die Gesetze und geht dabei in aller Stille vor.“ Wenige Tage später tauchten zwei Männer auf und schüchterten ihn ein, er möge künftig „aufpassen, sehr gut aufpassen!“
Handgreiflich wurde ein Boss, der den Juwelier Pietro Celiento mitten auf einer belebten Piazza seiner Heimatstadt Marcianise vor Dutzenden Zeugen ohrfeigte. Celientos Vergehen: Er verweigerte die Schutzgeldzahlung und erstattete Anzeige gegen die Mafiosi.
Als die Journalistin Rosaria Capacchione kürzlich in die Redaktion kam, fand sie wüste Drohungen, die auf die Eingangsmauer ihres Büros geschmiert waren. Seit 1985 verfolgt die Gerichtsreporterin der Tageszeitung Il Mattino Camorra-Prozesse und informiert über die Machenschaften der Casalesi.
Für ihre Arbeit handelte sie sich Drohbriefe und Anrufe der Bosse ein, die die mediale Öffentlichkeit um jeden Preis vermeiden wollen. Ehemalige Mafiosi, die nun mit der Justiz zusammenarbeiten, berichteten, dass es die Camorra seit Langem auf Rosaria Capacchione abgesehen hat. Die Pläne, sie vor dem Redaktionsgebäude in Caserta zu erschießen, seien laut Kronzeugen nur deshalb noch nicht umgesetzt worden, weil es wichtigere Dinge zu erledigen gab.

„Früher oder später wird mein Leben zu Ende sein. In der Zwischenzeit widme ich mich meiner Arbeit“, sagt Capacchione fatalistisch, als ich sie nach vielen vergeblichen Versuchen endlich ans Telefon bekomme. „Ich habe Angst um meine Familie, die der Gefahr am meisten ausgesetzt ist und gar nichts dafür kann. Aber niemand von ihnen hat je zu mir gesagt, ´Rosaria halt den Mund.“ Die Politiker müssten, so Capacchione, endlich die Gefahr erkennen, und „nicht nur mich, die ´Starjournalistin, sondern alle Bürger schützen“. Das sei nur möglich, indem sie kriminelle Wirtschaft verfolgen und eine transparente Wirtschaft fördern.
In der Provinz Caserta werden riesige Geldmengen aus Drogen- und Giftmüllhandel umgesetzt. Valerio Taglione von der Anti-Mafia-Organisation Libera bereitet für morgen, den 10. Dezember einen Friedensmarsch in Caserta vor. „Die Erziehung zur Legalität muss früh beginnen, deswegen beziehen wir in unsere Aktivitäten bewusst Schüler und Jugendliche mit ein.“ Libera kämpft dafür, dass sich in Caserta „eine Kultur der Legalität“ etabliert. „Die Zeichen stehen gut“, sagt Taglione optimistisch.

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Kommentare

Die Recherche-Reise, denke ich, war wohl eher in die nördliche Region von Neapel und nicht südlich ...

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