Das andere Italien
Es gibt wieder ein bisschen Hoffnung: Mobilisiert von der Opposition machten am Wochenende rund zwei Millionen Menschen auf einer Riesen-Demo in Rom ihrem Ärger über Berlusconi Luft ...
Salva Italia“, „Rette Italien“ – mit diesem Slogan rief die Demokratische Partei von Walter Veltroni zu einer „kolossalen Demonstration“ auf. Tausende Busse, 50 Züge sowie zwei Fähren aus Sardinien waren im Einsatz, um die Demonstrationsteilnehmer aus allen Teilen des Landes in die Hauptstadt zu bringen. Für die Mitte-Links-Opposition von Veltroni, die nach Berlusconis Wahlsieg im April fast von der Bildfläche verschwunden ist, bot sich die Chance für einen Neuanfang. Die Leute wollen, sich von der Regierung und nicht eingelösten Versprechen nicht länger auf den Arm nehmen lassen.
Gründe für Proteste gibt es genug: Von drastischen Einsparungen bei Schulen und Universitäten über strenge Immigrations- und Asylpolitik sowie Gehaltskürzungen bis zu mangelnder Unterstützung für den ökonomisch schwachen Süden.
Auf dem Gelände des Circus Maximus herrschte Volksfeststimmung. Das Orchestra di Piazza Vittorio spielte auf. Mit auf der Bühne waren neben Musikern zahlreiche Vertreter der Zivilgesellschaft: ein Antimafia-Bürgermeister aus Sizilien, ein Immigranten-Sprecher, eine Volksschullehrerin, ein Student und ein Polizist. Der Chef des größten italienischen Gewerkschaftsbundes warnte vor steigenden Lebenskosten bei immer niedriger werdenden Gehältern und Pensionen.
„Gehälter sinken, Steuern nicht“-Transparente reihten sich neben „Wir sind Saviano“-Spruchbänder. Für den von der Camorra bedrohten neapolitanischen Autor wurden Solidaritätsunterschriften gesammelt.
Italiens Theaterrevolutionär Dario Fo hat gemeinsam mit fünf weiteren Nobelpreisträgern zu einer Solidaritätsaktion für Autor Roberto Saviano aufgerufen. Laut Plänen der Camorra, dem Organisierten Verbrechen der süditalienischen Region Kampanien, soll der 29-jährige Schriftsteller noch vor Weihnachten mit einer Autobombe in die Luft gesprengt werden. „Der Staat muss alles tun, um Saviano zu schützen und die Camorra zu besiegen“, so der Appell. Fast 300.000 Personen, haben mittlerweile diese Petition für Saviano unterzeichnet.
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Der Autor aus Neapel hat etwas getan, was vor ihm noch niemand gewagt hatte: Er nannte Clan-Mitglieder beim Namen und lieferte Beweise für ihre kriminellen Geschäfte. Vor allem aber nahm er der Camorra, die im Gegensatz zur sizilianischen Mafia Cosa Nostra nicht als „Staat im Staat“ agierte, ihre Anonymität. Und das verzeiht das Organisierte Verbrechen nicht.
Saviano lebt seit 2006, nach Erscheinen seines mittlerweile in 43 Sprachen übersetzten Bestsellers „Gomorrha“, im Untergrund. Er steht unter Polizeischutz und muss jede Nacht den Schlafplatz wechseln. Kürzlich äußerte ein zermürbter Saviano seinen Wunsch, Italien endgültig zu verlassen, um wieder ein normales Leben führen zu können.
...wir hatten ihn neulich an board...ihn und seine "schutztruppe"...gran bella persona...
Kommentiert von:Allegra | Dienstag, 28. Oktober 2008, 9:43 Uhr
..der vorletzte Absatz ist doppelt und.. waren es nun 100.000 oder 300.000?... auf jeden Fall viele. Frag mich nur, ob das die Camorra wirklich interessiert... In jedem Fall freut es mich zu sehen, dass Italiener wenigstens auf die Straße gehen und Züge organisieren. Leider hat das bis jetzt immer wenig gebracht, aber trotzdem: wenigstens wird immer mal wieder gezeigt, dass nicht alle mit der aktuellen Situation einverstanden sind.
Kommentiert von:susanne | Dienstag, 28. Oktober 2008, 14:42 Uhr
JA, darin sind sie wirklich großartig diese Italiener, dass sie sich bewegen oder bewegen lassen und um ihren Standpunkt zu vertreten aus allen Ecken Italiens nach Rom kommen. Das kann manchmal ganz schön weit sein. Am Donnerstag, den 30.Oktober gab es ja noch eine riesigere Demo gegen die Streichungen im Bildungsbereich. Es sollen nach offiziellen Angaben 800.000, nach Stimmen der Veranstalter über 1 Million Menschen gewesen sein. Es war jedenfalls überwältigend diese Menschenmassen zu sehen, die sich in einem stundenlangen, scheinbar unendlichen Zug, der gar kein Zug mehr war, weil nicht alle durch die engen Straßen der Altstadt passsten und auch alle Nebenstraßen ausfüllten, durch die Altstadt bewegten.
Ich hoffe nur für sie alle, für mich, für uns, dass die sogenannte Opposition sich genauso zusammenrafft wie diese vielen Menschen. Manchmal habe ich das Gefühl, dass Veltroni & Co die Spielregeln nicht so recht verstanden haben, in einem ein Spiel, dass man nur als Mannschaft gewinnen kann indem man vereint GEGEN den Gegner spielt, ohne Eigentore zu schießen oder den anderen aus lauter Höflichkeit und Menschenfreundlichkeit Bälle zuzuspielen und bei ihren Fauls ein Auge zuzudrücken.
Kommentiert von:silke | Dienstag, 4. November 2008, 8:56 Uhr
... ehrlich gesagt finde ich ja die Politiker alle gleich. Ob in in DE oder hier in IT. Alles Sprueche aber nichts dahinter. Hat jemals einer von ihnen gewusst wie es ist mit wirklich nur ein paar Kroeten auszukommen? Da gibt es doch nun wirklich keine Unterschiede, ob Berlusco oder Veltroni oder wie sie auch alle heissen.
Ich gehe nicht mehr waehlen... letztendlich verbessert sich doch nichts.
Klar die Faust in der Tasche machen ist auch nicht die Loesung. Man sollte auf die Strasse gehen...
Wenn ich bedenke wie die Menschen in der DDR es geschafft haben, sicher mit Unterstuetzung, aber... aber sie sind kontinuierlich jeden Montag in die Kirche. Hut ab!
Aber solange das Volk Berlusco waehlt bzw. er zur Wahl zugelassen wird, auch wenn er soviel auf dem Kerbholz hat... wird es schoen so weitergehen.
CHE CI POSSO FARE????? Smettere avere la divisa in testa.
Se siete meno convenzionale in testa e più curiosi, sarebbe meglio x questo mondo.
Ciao :)
Kommentiert von:Jule H. | Donnerstag, 9. Juli 2009, 16:09 Uhr