Vielen Dank für die vielen Kommentare auf meinen letzten Eintrag. Dabei ist eine Diskussion über das Thema Sprache ausgebrochen. In den Kommentaren dazu ist alles gesagt. Ich habe dem nix mehr hinzuzufügen. Ich muss aber auch sagen, dass ich mich damit vor allem in der ersten Zeit in Italien beschäftigte, die Zwischentöne zu bemerken, die Akzente etc. Ich hatte aber auch in Palermo einen schwierigen Einstieg- wo rund um mich hauptsächlich sizilianisch gesprochen wurde. Für eine Italienisch Anfängerin ein ziemlich aussichtsloses Unterfangen...
Mehr beschäftigt mich momentan das Thema, warum man ins Ausland geht, das Thema Heimat und vor allem die Heimatsuche. Dieses Suchen nach Dazugehören, sich verstanden fühlen, ja geborgen fühlen. Denn ich denke, jemand der sich komplett wohl fühlt in D/A/CH oder wo auch immer, der geht nicht weg. Sondern es ist schon eine Suche nach "mehr", die einem, die mich angetrieben hat...Nur was ist dieses mehr...?
Eine Frage, die mich sehr beschäftigt. Und es ist schön zu lesen, wenn jemand im Ausland das Umfeld gefunden hat, wo er sich angenommen und geborgen fühlt. Ich hatte das kurzfristig in Sizilien (trotz Sprachbarrieren) und ja es war wunderbar! Da ich das später in der Form nicht mehr gespürt habe, hat sich für mich die Frage gestellt, ob Heimat nicht auch etwas ist, was man in sich finden muss. Denn so habe ich mal irgendwo gelesen, findest du sie in dir nicht, findest du sie auf der ganzen Welt nicht, auch an den exotischsten Orten nicht.
Das ist das eine. Gleichzeitig weiss ich aber auch, dass Orte für mich eine große Rolle spielen und große Auswirkung auf meine Stimmung haben. Wien zum Beispiel hat etwas sehr Melancholisches, oft auch Bedrückendes und nur dort springt mich eine Traurigkeit an, wie ich sie nur in Wien kenne. Über Rom kann man vieles sagen, anstrengend, chaotisch ja, aber sicher nicht, dass die Stadt etwas Depressives hat. Bis auf die Gegend um den Vatikan- dort herrschten schwere Energien.
Ich habe mal mit einer Psychoanalytikerin gesprochen, was es bedeutet, dass man im eigenen Land nicht leben, nicht glücklich sein kann, immer das Anderswo braucht, sucht.
Also vom Psychoanalytischen ist das der verlorene Vater - nicht nur im Sinne von tot, abwesend, sondern auch im übertragenen Sinn, also der emotional abwesende Vater - den man sucht und mit dem man sich in der eigenen Welt nicht konfrontieren kann/will, weil das zu schmerzhaft wäre.
Das klingt heavy. Können es nicht einfach ganz "banale" Gründe sein- auch "Oberflächliches" wie schönes Wetter, Mode, tolle Sprache, gutes Essen, usw. Stil-Dinge, die einem woanders mehr entsprechen und deswegen will man fort. Oder die Suche nach anderen Lebensmodellen, Lebensentwürfen. Es würde mich sehr interessieren, liebe Leserinnnen, was Sie darüber denken und was für Sie persönlich die Gründe waren/sind, warum es sie ins Ausland zieht.