Vorbild Japan
Aus meinem kleinen Solarradio ist inzwischen eine ausgewachsene Stereoanlage geworden, die sich in unserem Wohnzimmer mächtig breit macht. Den Energieverbrauch möchte ich lieber nicht wissen. Aber die Anlage hat zumindest einen richtigen An- und Ausschaltknopf, also immerhin keine Stand-By-Verschwendung...
Nach dem ganzen hin und her mit Solarradio, ja oder nein? und Wie finde ich ein energiesparendes normales Radio? sah mein Freund seine Stunde gekommen. Er hatte genug von den entbehrungsreichen Jahren ohne Stereoanlage und ohne vernünftige Klangqualität beim Musikhören. Und so ersetzte er mein zurückgeschicktes Solarradio kurzerhand mit einer Stereoanlage. Ich hatte genug von der langen Suche nach einem energiesparenden Radio. Mir fehlte definitiv die Energie, um ernsthaft gegen den Kauf zu protestieren. So steht jetzt eben die Stereoanlage im Wohnzimmer und die Dockingstation des MP3-Players in der Küche (das Netzteil, das ich im Sommer bestellt hatte, ist tatsächlich irgendwann angekommen).
Wieviel Strom das Teil verbraucht? Ich habe keine Ahnung. Bislang verschließe ich die Augen vor der Realtität. Aber mein Strommessgerät ist bereits im Einsatz und gibt mir zumindest das beruhigende Gefühl, dass Radios offensichtlich tatsächlich das kleinere Übel in Sachen Stromverbrauch sind. Nächste Woche erzähle ich mehr ...
Ein Gutes hatte das ganze Radio-Desaster übrigens. Ich habe herausgefunden, dass unsere Regierung durchaus aktiv ist, um uns das Energiesparen bei Elektrogeräten zu erleichtern und die Hersteller mehr in die Pflicht zu nehmen. Wenn nur die EU nicht so eine Bremse wäre.
Ich habe im Umweltministerium nachgefragt, warum man die Energieverbrauchskennzeichnung von Kühlschränken nicht einfach auf Radios & Co. ausweiten kann. Der nette Pressesprecher hat folgendes erzählt: Ziel der Regierung sei es, auf EU-Ebene das japanische "Top-Runner-Modell" zu übernehmen. In Japan gebe es das Programm bereits seit knapp zehn Jahren und der Energieverbrauch sei damit stark gesenkt worden: bei Computern zum Beispiel um 83 Prozent in acht Jahren, bei CD-Anlagen um 78 Prozent. Das Modell klingt einfach und clever: "Das beste am Markt befindliche Produkt gibt im Hinblick auf die Verbrauchswerte den Standard vor, der von den anderen Produkten dieser Produktgruppe innerhalb einer bestimmten Frist erreicht werden muss. Produkte, die dies nicht schaffen, dürfen nach Ablauf der Frist nicht mehr auf den Markt gebracht werden."
Wann wir mit so einem Gesetz rechnen können, will der Vertreter des Umweltministeriums lieber nicht prognostizieren. Tja, wollen wir hoffen, dass in Brüssel nicht mehr zu lange verhandelt wird...
(Und wer nicht gerade ein energiesparendes Radio sucht, sondern einen Fernseher, eine Espressomaschine oder ein anderes Elektrogerät bekommt in der Zwischenzeit auf dieser Seite gute Tipps: http://www.test.de/themen/umwelt-energie/spargeraete/)
Ich hoffe, dass das japanische "Top-Runner-Modell" auch bald für Autos eingeführt wird. Dann sind endlich die Tage der "Kindertöter" auf deutschen Straßen gezählt.
Zur Erklärung:
Kindertöter sind die großen, schweren, teuren, meist deutschen Autos, die von der Form oft einem Geländewagen ähneln, allerdings in der Regel keine anderen Umgebungen als Waschstraße und Teer kennen lernen. Kindertöter haben oft vorne ein Chrom-Gestänge, damit kleinere Unfälle nicht dem Lack schaden können.
Kleine Unfälle oder Unfälle mit Kleinen... Crashtests haben erwiesen, dass Unfälle mit diesen hohen Fahrzeugen für Kinder meist tötlich ausgehen. Natürlich nicht für die Kinder, die hinten so in den Römer Security Plus-Kinderschalensitz geschnallt sind, dass sie mit etwas Mühe noch den Kopf wenden können. Sondern für die anderen Kinder, die zum Beispiel ihrem Ball nachrennen, der auf die Straße hopst. Dabei werden die Kleinen in der Kopfgegend getroffen, was die Unfälle für sie auch bei niedrigen Geschwindigkeiten oft tödlich macht.
Diese Fahrzeuge sorgen neben der unmittelbaren auch noch für die mittelbare Kindstötung. Durch übermäßigen Kohlendioxid-Ausstoß und gefräßigen Sprit-Konsum sorgen sie besonders intensiv für die Erderwärmung und die Reduktion der Öl-Reserven, womit eben die Kinder zu kämpfen haben werden, die nicht am Kopf getroffen wurden.
Vier von fünf Kindertötern sind als Firmenwagen angemeldet, womit die Kindstötung sogar staatlich subventioniert wird.
Kommentiert von:Raubtigger | Sonntag, 30. November 2008, 23:07 Uhr