Das Green-Team

Umweltengel statt Ökoschweine: Monika Herbst (34) und Michèle Rothenberg (30) versuchen, endlich ein ökologisch korrektes Leben zu führen.

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Das Seiden-Dilemma

Oekoblogmonika Ist etwas verboten, wird es erst richtig interessant: Zum Beispiel die Schokoladentorte, wenn man gerade auf Diät ist. Oder der exzessive Shopping-Bummel, wenn man als Green-Team bloggt...

Letzteres wurde mir zum Verhängnis. Seit ich mir vorgenommen habe, weniger Klamotten zu kaufen und wenn, dann nur "Öko", surfe ich mit wachsender Begeisterung durch unsere BRIGITTE.de-Modeseiten und drücke sehnsuchtsvoll meine Nase an sämtlichen Schaufenstern platt. Bislang fand ich Mode mäßig spannend, seit meiner selbstauferlegten Beschränkung sind Modetrends für mich plötzlich wahnsinnig interessant. Ich bekomme langsam Angst, dass ich eines Nachts die nächstbeste Boutique ausräume.

Um das zu verhindern, machte ich mich vor einer Weile auf die Suche nach "Organic Fashion". Ich brauche dringend eine neue Jeans. In einem Laden probiere ich einige stylische Öko-Kuyichi-Jeans, nur um festzustellen, dass sie nicht passten. Sie standen alle im Rücken mehrere Zentimeter ab. Ein altes Problem. Eine passende Jeans zu finden, ist schwer genug, wenn man auf die wenigen Öko-Marken beschränkt ist, wird sie fast unerreichbar. 

Trotzdem habe ich den Öko-Klamotten-Laden mit einer Papiertüte in der Hand verlassen. Darin lag ein Seiden-Shirt. Auf dem Heimweg überlegte ich, was an Seide eigentlich ökologisch sein kann und wie sie hergestellt wird. Als hätte sie es geahnt, schrieb Trixi zwei Tage später einen Kommentar zum Thema "Vegetarisch essen", in dem sie darauf hinwies, dass zur Seidengewinnung lebende Seidenraupen in heißes Wasser geworfen werden.

Das wusste ich nicht. Ich rief die Verkäuferin an und fragte sie nach der Herstellung des Öko-Seidenshirts. Sie sagte im Unterschied zu konventioneller Seide seien die Raupen (teilweise) mit Bio-Maulbeerblättern gefüttert worden. Getötet würden die Puppen genauso. 

Im Internet erfahre ich, dass für ein Seidenkleid rund 3000 Puppen getötet werden müssen. Würde man die Seide erst nach dem Schlüpfen verarbeiten, hätten die Puppen den bis zu 3 Kilometer langen Endlos-Seidenfaden durchgebissen.

Angeblich gibt es auch Seide, bei der sich die Puppen durch den Kokon fressen dürfen, bevor die Seide genutzt wird. In der Praxis scheint diese Form der Seidenherstellung zumindest in Deutschland keine große Rolle zu spielen. Weder beim Naturmodeunternehmen Hess Natur noch beim Hersteller von Seiden- und Naturtextilien Christoph Fritzsch GmbH kennt man solche Ware. 

Harriet McConnell, die bei der Christoph Fritzsch GmbH für das Marketing zuständig ist, sagt, dass bei den Puppen elektrische Strömungen, die als Lebenszeichen gelten, kaum messbar sind und man daher davon ausgeht, daß kein Schmerzempfinden existiert. Ist das wirklich so? Der Zoologe Dr. Dieter Mahsberg vom Bio-Zentrum der Uni Würzburg ist sich da nicht so sicher. Er weiß, dass die Puppen auf Außenreize wie Berührungen reagieren. Andererseits sagt er, vermuteten die Biologen, dass ein Schmerzsinn, wie man ihn beim Menschen und sonst bei Tieren kennt, bei den Puppen nicht vorhanden sei, da er biologisch keinen Sinn machen würde. Da sie im Kokon eingesperrt seien, hätten sie keine Möglichkeit zu flüchten, der Schmerzsinn würde deshalb keinen Sinn machen. Ob sie aber tatsächlich Schmerz empfinden können, könne niemand mit Sicherheit sagen.

Die Info reicht mir, um künftig die Finger von Seide zu lassen, egal ob die Raupen mit Bio-Maulbeerblättern oder Nicht-Bio-Maulbeerblättern gefüttert wurden. 

Und was den exzessiven Shopping-Bummel anbelangt: Ich habe es getan! Nachdem ich - bis auf das Seidenshirt - vergeblich in zwei Organic-Fashion-Läden nach einer Jeans und später nach Herbst- und Winterkleidung gesucht habe, bin ich ganz normal durch die Läden gezogen und fündig geworden. Puh, hoffentlich taucht Öko-Kleidung bald in jedem Sortiment auf.









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Kommentare

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Liebe Monika,

jetzt habe ich ein schlechtes Gewissen, dass ich dir die Seide so madig gemacht habe. Fakt ist: die Natur ist grausam. Fressen und gefressen werden ist nun mal der Lauf der Natur. Und ich zähle mich als Mensch auch zu den Tieren (Ich bin halt ein höher entwickeltes Tier.) Seidenraupen haben in der freien Wildbahn auch ihre natürlichen Feinde und werden auch gefressen und von Pilzen befallen. Für mich ist so ein Pilz sinnlos, aber irgendwie fügt er sich dann doch in den Kreislauf der Natur ein. Was ich sagen will: natürlich ist es ekelig, wenn man die Brühe sieht wo diese Puppen kochen. Denn da schwimmen auch die toten Seidenraupen drinnen herum. Wenn man aber sieht, wie die Frauen stolz sind, dass sie diesen wertvollen Faden kunstvoll verarbeiten können und dann wunderbare Kleidung herstellen, dann ist die Seidenherstellung für mich wieder gerechtfertigt. Denn diese Frauen verdienen gutes Geld für ihre Familie damit. Ich habe für mich entschieden, so oft es geht, Ware zu kaufen die fair hergestellt wird. Denn umso besser es den Menschen geht, umso besser wird es den Tieren gehen. Ich glaube nämlich nicht, dass sich Menschen Gedanken um Umweltschutz oder Tierschutz machen, wenn sie ums Überleben kämpfen müssen. Das giilt auch für uns hier in Europa. Aber da hat halt jeder so seine eigene Philosphie. Anmerken möchte ich noch, dass viele Wissenschaftler sich damit beschäftigen bei Pflanzen Empfindungen nachzuweisen. Ist ja auch irgendwie zu verstehen.
Muss ich mir jetzt bei jeder Kartoffel das Geschrei vorstellen als sie ausgegraben wurde?

Du siehst, allen Meinungen und Erkenntnissen rechtgetan ist eine Kunst die niemand kann.

Liebe Grüße - Trixi

Ps.: Ich mag euren Blog sehr, weil man durch eure Gedanken sehr bereichert und angeregt wird nachzudenken wie man es selbst so hält in seinem Leben.

Liebe Trixi,

vielen Dank für deinen Kommentar. Keine Sorge, du hast mir die Seide nicht madig gemacht. Ein fressen und gefressen werden in der Natur finde ich auch gar nicht dramatisch, so ist das eben. Aber die Grenze des "Natürlichen" ist für mich überschritten, wenn ich mir die Tausenden von Seidenraupen vorstelle, die tot in der Brühe schwimmen, nur damit ein Seidenkleid draus entsteht. Und es schadet ja nichts, dieses Wissen im Hinterkopf zu haben, wenn man sich gerade nicht zwischen einem Seidenrock und einem Rock aus einem anderem Material entscheiden kann...

Woher weißt du das mit der Seidenherstellung eigentlich so genau? Deine detailiert-bildliche Beschreibung klingt, als hättest du es mal vor Ort gesehen.

Liebe Grüße,
Monika

Liebe Monika,

danke für deine netten Worte!
Die Herstellung von Seide lernte ich schon während meiner Berufsausbildung. Sie war dann auch noch bei den Prüfungsthemen dabei. Bilder sah ich schon damals, aber sie sind halt nur zweidimensional. Es fehlt die Wärme, der Geruch, der Lärm und das Gefühl.
Dieses Jahr waren wir für längere Zeit in Asien. Für mich ist es unheimlich wichtig Länder nicht nur von der schönen Seite kennen zu lernen, sondern auch so viel wie möglich abseits des "offiziellen Lebens" mitzubekommen. Also muss jedesmal ein "Local Guide" her. Wenn diese Führer dann bemerken, dass man wirklich an ihrem Land und vor allem an den Leuten interessiert ist, sieht man ganz schön viel vom "wirklichen Leben".
Heuer wurde ich, unter anderem, zu ganz kleinen Manufakturen geführt die lokale Produkte herstellen. Auch Seide. War nicht so lustig diese Töpfchen mit den Kokons zu besichtigen. Aber 1. konnte ich gegenüber meinen Kindern auftrumpfen und sie eigenständig durch diese Seidenfabrik führen (Ja, als Mutter muss man schon auch darauf schauen, dass man nicht immer uncool ist ;-) ), 2. sahen die Kinder wie schwer man sich sein Geld verdient, denn sie durften dort auch ein bisschen mithelfen und 3. wurde mir bewusst, wie wichtig diese Manufakturen für diese Frauen sind. Denn anschliessend durften wir so eine Familie in ihrem Haus besuchen und auch andere Frauen kennenlernen. Sicher darf man nicht alles 1:1 glauben was dort erzählt wird, aber trotzdem kan man in so einem Dorf sehr viel beobachten und sich darauf seinen Reim machen.
Das ist auch der Grund warum ich manchmal die Dinge ein bisschen anders bewerte.

Wau, das klingt wirklich spannend. Hätte ich (nach all den Olympia-Berichten darüber) gar nicht gedacht, dass man in China so einen Blick hinter die Kulissen bekommt... Toll!

Bei www.valevida.de gibt es auch moderne Kleidung aus Biobaumwolle und fairem Handel und es gibt nichts aus Seide ;-)

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