"Mach et, Otze" - Reisetag Nr. 17 und 18
"Mach et, Otze" - (Def.) Aufforderung an Jemanden, eine bestimmte Handlung auszuführen. Bekannter Ausspruch von Erich Rutemöller an den Spieler Frank Ordenewitz (Otze). Frank Ordenewitz hatte am 7. Mai 1991 im DFB-Pokal-Halbfinale zwischen dem 1. FC Köln und dem MSV Duisburg Rutemöller in der Halbzeitpause angekündigt, eine rote Karte provozieren zu wollen. Denn er wäre durch eine gelbe Karte (die zweite gelbe Karte im laufenden Wettbewerb) aus der ersten Halbzeit für das Pokalfinale gesperrt gewesen. Nach dem damaligen Regelwerk hätte Ordenewitz aber eine Rot-Sperre in der Bundesliga absitzen können, dann wäre er für das Finale spielberechtigt gewesen. In der Tat holte sich Ordenewitz wenige Minuten vor Ende der Partie seine rote Karte durch Wegschlagen des Balles ab. Ordenewitz erklärte später, dass durch die Aufforderung des Trainers ("Mach et, Otze") diese Provokation abgesegnet wurde.
Die Erklärung zu diesem Einstieg liefere ich später nach....
Am Morgen des 17. Reisetages hatten wir wieder einen frühen Start, denn pünktlich um 8.15 Uhr wurden wir am "Queenstown Rafting-Office" abgeholt. Hier geht das relativ problemlos: Man bucht am Vortag, erscheint am Nächsten und ein mit Benzinstift gemalter Buchstabe gilt dann als Fahrticket. Hier könnten sich die KVB (Kölner Verkehrsbetriebe) noch ein paar Anregungen zur Vereinfachung des Ticketverfahrens abholen (hier übrigens: Hallo Beate, herzlliche Grüße!!!!). Das Rafting auf dem Shotover-River selbst betrachtete ich dabei schon ein bisschen mit gemischten Gefühlen, denn der Tag startete kalt und grau (was sich im Verlauf nicht ändern sollte) und es regnete.
Nach einer kurzen Busfahrt ging es dann zur Einkleidung. Und das lief dann so ab, wie ich schätze, dass es bei der Bundeswehr abgeht: Kurze Einweisung, Ausgabe Neopren-Anzug, Abstrippen der Zivilklamotten und Einstieg in den Neopren-Dress, der im Prinzip ganz gut saß, aber doch schon ein bisschen für Atemnot sorgte. Dann fix die Treppe hoch, Ausgabe Schwimmweste, Ausgabe Regenüberzug, Ausgabe Schutzhelm und wieder ab in den Bus. Mit der alten Kiste, die genau wie ich unter Atembeschwerden zu leiden schien, ging es dann über einen halsbrecherischen Pass zum Ausgangspunkt der Tour.
Unser Busguide erklärte dann die weiteren - größtenteils versicherungstechnischen - Einzelheiten zum Rafting und sparte dabei auch nicht mit Witzen über die jeweiligen Nationen. Nachvollziehbar fand ich dabei die Einzelheit, dass unsere niederländischen Nachbarn jeweils in Panik geraten, wenn bekannt wird, dass man sich zwischendurch auf rund 800 Höhenmetern befindet. Ich hatte bei der Fahrt das Vergnügen am Fenster zu sitzen. Was man da sah, sorgte schon ein bisschen für Besorgnis, denn der Abgrund war schon sehr, sehr nah. Unser Guide erklärte dann auch freimütig, dass es hier seinerzeit Leitplanken gegeben habe. Da aber immer wieder Fahrzeuge an sie heran geschrammt seien, habe man sie aus Kostengründen entfernt.
Im Tal und damit am Rafting-Ausgangsort angekommen, gab es eine neue Einweisung zum Thema Paddeln, Mann-(oder Frau)-über-Bord-Manöver und alles was sonst so vorkommen kann, aber tunlichst nicht sollte. Und endlich ging es dann mit sechs Mann und unserem Guide Sally in das Gummiboot und auf den Fluss. Sally arbeitete uns dann auch in die verschiedenen Kommandos (vorwärts, rückwärts, gut festhalten) etc. ein, wobei allerdings das Kommando "inside" nicht ganz einfach war. Hier musst man sich nämlich mit dem dicken Neopren-Hintern irgendwie in die Reihen quetschen, was aber nur unvollkommen gelang (An dieser Stelle muss ich dann auch hinzufügen, dass ich sonst über ganz bestimmt kein ausladendes Gesäß verfüge. Böse Zungen haben vielmehr schon behauptet, ich hätte es mal irgendwo liegen gelassen oder es wäre geklaut worden....).
Die Fahrt über den Fluss verlief dann anfangs auch recht ruhig, aber dann kamen doch endlich die "white waters", was man spätestens daran merkte, dass Sally noch einmal den Sitz der Helme und die Festigkeit der Schwimmwesten prüfte. Und dann ging es rund, auf und nieder und mit ordentlich Wasser in das Boot, aber immerhin es ging keiner über Bord und gekentert sind wir auch nicht. Besonders die letzte Information ist dabei besonders hervorzuheben, denn wenn ich mit Matthias Boot fahre, sind wir eigentlich noch immer gekentert. Nach zwei Stunden Fahrt kamen wir dann wieder am Start an und das war auch nicht schlecht so, denn mittlerweile stand das Wasser ca. 10 cm hoch im Boot und es war Sch....-Kalt!
Der Rest des Nachmittags gehörte dann eher zu den Entspannteren. Matthias musste noch ein bisschen seinen Kram lernen und ich schrieb ein paar Briefe. Das Ende vom Lied war natürlich, dass ich den Rest des Tages mehr oder weniger vor mich hingähnte, denn mir fehlten meine Busnickerchen. So wird man doch ein Opfer seiner Urlaubsgewohnheiten. Der Abend war dann auch unspektakulär: Wir gingen beim Mexikaner essen, erzählten noch ein bisschen mit den anderen, ehe ich dann mangels Mittagsschläfchen todmüde ins Bett fiel.
Am nächsten Tag wurden wir dann immerhin von Sonnenstrahlen begrüßt, allerdings wehte ein richtig kalter Wind, der die Temperaturen auf maximal 10 Grad Celsius steigen ließ. Matthias und ich hatten eigentlich mit dem "Ben Lomond Summit Track" (Wanderung auf den rund 1.748 m hohen "Saddle" des Ben Lomond) geliebäugelt, entschieden aber nach einem kurzen Blick auf den Gipfel , dass es "eigentlich doch viel zu kalt" sei, um dort hoch zu fahren und zum Sattel zu wandern. Wir wählten daher lieber den Wanderweg rund um den Lake Wakatipu nach Frankton. Das ist eine sehr schöne, ebene Strecke, die rund um den See führt und die man in rund 1 1/2 Stunden bewältigt hat.
Hier findet man u.A. auch sehr interessante Hinweisschilder, die offensichtlich vor dicken Personen warnen, die im öffentlichen Straßenland herum liegen.
In Frankton selbst versuchten wir dann ein Cafe oder ein Restaurant zu finden. Aber der Ort selber ist ein Nest (oder wie Matthias muffelte "ein Kaff"), in dem man dank der vielen Ferienwohnungen entweder Urlaub macht oder - dank der ebenfalls vorhandenen Krankenhäuser - krank feiert. Irgendetwas dazwischen schien es nicht zu geben. Wir fanden dann zwar endlich - nach längerem Fussmarsch mit dem grummelnden Matthias - ein Cafe, aber bis dahin hatte sich mein bester Reisebegleiter von allen schon eine Kiste Erdbeeren gekauft (er war heute auf Diät) und daher hatte sich das dann auch mit dem Zwischensnack.
Wir fuhren dann nach Queenstown zurück und hier hatte ich dann den Programmpunkt, der die Überschrift rechtfertigt, denn jetzt galt das Motto "Mach et, Sabine": Matthias und ich waren seit Tagen um den Tattoo-Laden ("The white Tiger" Kontakt: 021 558 048, Inhaber: Greg Burt) herum gestrichen ohne so richtig zu Potte zu kommen. Beim ersten Besuch trauten wir uns nicht herein, was auch einem Etablissement mit dem Namen "White Tiger" und den (hüstel) kräftigen, "exotisch" aussehenden Männern die hinter und vor der Theke herum lungerten, nicht ganz ungewöhnlich sein dürfte. Bei den nächsten Vorsprachen hatte das Ding geschlossen, aber heute mittag hatte es dann auf. Nachdem wir uns durch die gängigen Muster gewühlt hatten, erkundigten wir uns schüchtern nach "Maori-Patterns" und bekamen dafür einen Katalog mit handgezeichneten und wirklich schönen Sachen vorgelegt. Und das Beste war, ich bekam dann auch für ein kleines Ornament einen Termin für heute.
Wir gingen dann zur Überbrückung der Wartezeit noch ein Glas trinken. Während dieser Zeit lernte Matthias ein bisschen und ich vertrieb mir die Zeit mit nervösen Toilettengängen (Anspannungen schlagen bei mir immer auf die Verdauung). Um 15.30 Uhr war es dann soweit und nachdem wir einmal wieder um den Block geschickt wurden ("We are a wee bit late') und dann noch einmal im Laden herum gestanden hatten, ging es dann los. Für die, die Tattoos unmöglich finden: Es ist ein relativ kleines, zartes Zeichen. Für die, die Tattoos toll finden: Es ist ein relativ kleines, zartes Zeichen. Für die, die wissen möchten, ob es weh tut: Es ist, als ob jemand relativ hart kratzt und an meinen Weichteilen (Bauch oder Nieren) möchte ich es nicht erleben. Für die, die wissen wollen, wo es sitzt: Auf dem oberen Rücken. Für alle, die meine Mutter kennen: Bitte diesen Punkt lieber nicht erwähnen. Danke.
(Nachtrag: Sofern jemand mit einer Tätowierung liebäugelt, aber in Queenstown keine Zeit findet: Es gibt in Christchurch noch einmal die Möglichkeit dazu. Eine der mir bekannten Örtlichkeiten liegt in der High Street und die genaueren Details zur Adresse liefere ich nach, sobald ich die Visitenkarte wieder finde...
nämlich Zealand Tattoo, 158 High Street, Öffnungszeiten 10.30 - 18.00 Uhr www.zealandtattoo.co.nz)
Und das war dann denke ich schon der Höhepunkt des heutigen Tages. Matthias und ich haben dann noch ein Glas auf den frischen Stich getrunken, gehen gleich noch nett essen und dann geht es morgen los und zwar Richtung Milford-Sound.
Liebe Sabine,
sportlich, sportlich, das mit der Rafting-Tour..... Ich glaub, ich waere seekrank geworden bei dem Geschaukel auf dem wilden sprudelndem Wasser....
Ohne Leitplanken geht es also auch, wuerde mich selbst auch gar nicht stoeren, denn ich wuerde da eh mit geschlossenen Augen sitzen, wuerde man mir den Festerplatz zuteilen.... So gesehen (oder eben auch nicht) ist das dann ja nicht weiter schlimm...
Glueckwunsch zum kleinen zarten Tattoo... Deine Mutter wird Dir ja wohl hoffentlich nicht im Ruecken sitzen???
Hier schneit es seit heute Nacht. Kalt ist es also auch... Brrr... Gestern war sooo ein schoener Sonnentag un nu is mal wieda so' n Tach, wo et oppn Jeist jeht....
Weiterhin viel Spass...
Merjinka
Kommentiert von:Merjinka | Freitag, 13. Februar 2009, 11:42 Uhr
Hallo Sabine,
manomanno ich bin -und mit mir der gesamte K 39 - ganz schön stolz auf Dich. Wer hätte bei den drögen Kommentaren im Staatsrecht geahnt, welche Prosa in Dir steckt. Ehrlich, Deine Schreibe hat Anspruch darauf, dass dies nicht nur hier auftaucht. Macht mal was daraus Ihr Lübbes, Heines und Bertelsmänner der Welt! Sonst ist Sabine aber ganz ganz fix im Eigenverlag draußen. Lass es Dir gut gehen und ich freue mich schon auf ein morgendliches gequarze bei dem Du mir alles das erzählst, was erst im siebten Band veröffentlicht wird.
Alles Liebe Thomas
Kommentiert von:Thomas Weil | Samstag, 14. Februar 2009, 14:36 Uhr
Hallo Thomas,
ja, dein Kommentar macht mich ...raeusper...jetzt doch ein bisschen stolz. Dann bis bald wieder beim morgendlichen Gequarze und ich fuerchte, das komnmt doch fixer als gedacht....
Ein dreifaches Koelle-Allaaf
die Sabine
Kommentiert von:Sabine | Sonntag, 15. Februar 2009, 5:49 Uhr
Hi Merjinka,
ach, so schlimm mit Muttern ist das nicht. Aber wenn sie das mitkriegt, regt sie sich doch wieder auf. Vermute ich zumindest. Und so lange man das vermeiden kann....
Mit Gruss
Sabine
Kommentiert von:Sabine | Sonntag, 15. Februar 2009, 5:51 Uhr