Reisetagebuch Neuseeland

Sabine Bongenberg (41) hat auf BRIGITTE.de eine Reise nach Neuseeland gewonnen. Im Blog berichtet sie von ihren Erlebnissen.

mehr zur Autorin / zum Autor
« Die Milford-Sounds - der 19. Tag .:Start:. Albatros, Albatros - Reisetag 21 »

Over the Hill and far away - Reisetag Nr. 20

Am Morgen verteilte sich die Gruppe insgesamt, denn ein Teil machte eine kombinierte Boots- und Schiffahrt auf dem Doubtfull-Sound, der seinen Namen daher trägt, dass Cook beweifelte, ob er hier im Leben noch einmal rauskam. Ich denke, viele Touristen in der Kölner Innenstadt wissen, wie sich der Mann gefühlt haben muss.

Matthias und ich hatten allerdings noch die Faxen dicke von Touri-Veranstaltungen, bei denen man den ganzen Tag nur irgendwo im Bus herum sitzt (vgl. Bericht 05. Reisetag). Wir entschieden uns daher lieber für die Wanderung über den Keplers-Track.  Dieser Track umfasst insgesamt eine rund 60 km lange Rundstrecke, die in 3 - 4 Tagen begangen werden kann. Man kann aber auch einfach einen kleinen Abschnitt ablaufen (und dann wieder die Füße hochlegen). 
(Nachtrag: Den Mitreisenden hat aber auch die Fahrt über den Sound sehr gut gefallen, so dass dieser Trip also sicherlich auch lohnenswert ist.)

Hans-Werner fuhr uns (Jutta, Matthias und mich)  daher heute morgen mit dem Bus bis an den Startpunkt, der sich ca. 5 km südwestlich von Te Anau befindet. Dort ging es dann los und wir wanderten erst einmal rund 1 1/2 Stunden bis zur Brod Bay. Grundsätzlich ist das eine sehr schöne Bucht, aber leider gefällt sie den Sandfliegen auch sehr gut.

Bild 003 An einen ruhigen Aufenthalt war hier also nicht zu denken. Jutta und Hans-Werner gingen dann zum Bus zurück und Matthias und ich machten uns dann an den Aufstieg zur Luxmoore Hut. Spätestens da wurde mir klar, warum Hans-Werner nur den ersten Abschnitt mitgegangen war, denn ab diesem Punkt ging es stetig und steil bergauf. Für bepackte Wanderer wird dabei eine Gehzeit von rund 4,5 Stunden ausgewiesen, aber da Matthias und ich nur unser kleines Daypack transportieren mussten und ohnehin recht zügig unterwegs waren, konnten wir den Aufstieg in rund der Hälfte der Zeit schaffen. Der Weg durch den Wald allein ist aber dabei schon eine tolle Sache, denn er wechselt von lichten Buchenwäldern, in denen am Boden das Farn wuchert bis hin zu "Geisterwäldern", mit Moosfäden, die von den dürren Asten der Bäume flattern.









Ich kann für meinen Teil sagen, dass ich nicht undankbar war, als wir endlich die Baumgrenze erreichten und damit endlich die Aussicht auf den Lake Te Anau, den Lake Manapouri und die umgebenden Berge genießen konnten.

Bild 005 
Wir suchten uns dann eine halbwegs windgeschützte Ecke, den hier war es richtig kalt, gönnten uns ein Picknick
Bild 010
und machten uns anschließend an den Abstieg.

Hans-Werner hatte uns zwar gewarnt, dass man beim Aufstieg daran denken sollte, dass man das ja auch alles wieder zurück gehen muss, aber dennoch zog sich der Rückweg zum Lager wieder unendlich. Immerhin kann man sich die Zeit mit Diskussionen über drängende Themen vertreiben. So zum Beispiel über den Kiwi, der ja nur nachtaktiv ist. Matthias meinte, ihn würde das ja wahnsinnig stressen, immer nur bei Dunkelheit unterwegs zu sein. Ich gab dagegen zu bedenken, dass er sich vielleicht von so ekligen Sachen ernährt, dass er ganz froh ist, wenn er sie nicht bei Tageslicht sehen muss. Und mit derartigen Themen überwindet man dann auch die längste Strecke. Immerhin kamen wir gegen 4 Uhr hier wieder an, Matthias spendierte uns eine eiskalte Cola (das kann so etwas Schönes sein) und lässt sich jetzt noch einmal in der Sonne braten. Und ich musste mal wieder ein bisschen an diesem Tagebuch friemeln....Heute abend wird dann einmal selbst gekocht - es gibt Goulasch mit Nudeln aus der Cuisine de la 'Ans-Wernäär - und so hatten wir dann sogar einmal hier einen Low-Budget-Tag.

...so dachte ich, als ich gestern noch an diesen Zeilen bastelte. Als ich aber in das Camp zurück kam, hatten andere Mitreisende Matthias von einem Besuch in der Glühwürmchen Höhle von Te Anau berichtet und begeistert. Und da mussten wir nochmal los, um die Glühwürmchen zu besuchen.

Bei diesen Glühwürmchen (Arachnocampa lumisoa) handelt es sich eigentlich um Pilzmückenlarven, die mit bis zu 70 Fangfäden, die 20 bis 150 mm lang werden können, nach Beute angeln. Das Licht der Würmchen lockt Insekten an, die an den Fäden, die mit einer klebrigen Substanz versehen sind, hängenbleiben und durch einen chemischen Stoff gelähmt werden. Flugs holt der Wurm die Leine ein und schon ist das Nachtmahl gerettet. Man kann die Würmchen in einer Höhle beobachten und das interessante ist dabei auch, dass sie unterschiedliche Lichtstärken ausstrahlen. Hier gilt als Faustregel: Je hungriger je stärker. Auf unseren Stefan und auf menschliche Verhältnisse übertragen, könnte er - falls er ein Glühwürmchen wäre - allein das Müngersdorfer Stadion (Heimstätte des 01. FC Köln) ausleuchten. Bei Matthias wäre aber auch im Hinblick auf "Pavlovas" sicherlich nicht eine nicht unerhebliche Lux-Stärke von der Hand zu weisen....
Bild 002

Zu der Höhle startet man in Te Anau und fährt mit dem Katamaran an das andere Ufer. Der Spaß kostet 60 NZ$, wobei sich hier bestimmt die Geister daran scheiden, ob es das wert ist oder nicht. Ich fand es für meine Verhältnisse aber sehr schön und stimmungsvoll. Leider darf man hier nicht photographieren, da man die Würmchen bei der Planung und Ausführung ihrer boshaften Tat nicht stören darf. Aber ich denke, die vielen dunkel- und mittelblauen kalten Lichtpunkte an einer nachtschwarzen Höhlendecke kann man sich auch so vorstellen.....

Abschließend bleibt noch festzuhalten, dass Matthias mir am nächsten Morgen erzählte, dass er von Alpträumen über Fangarme und gierige Würmer heimgesucht wurde....Vielleicht sollten wir uns abends allenfalls kuschlige Häschen, Lämmchen und Kätzchen ansehen, damit derartige Heimsuchungen zukünftig unterbunden werden.


 

TrackBack

TrackBack Adresse für diesen Eintrag:
http://www.typepad.com/services/trackback/6a00d834515c7969e201116864c371970c

Folgende Weblogs beziehen sich auf Over the Hill and far away - Reisetag Nr. 20:

Kommentare

Feed Sie können der Diskussion in diesem Betrag folgen in dem Sie die den Kommentarfeed abonnieren.

Liebe Grüße aus dem schönen aber kalten (Sandmücken-freien) Kärnten!
Kaum zu glauben daß schon der 20. Reisetag angebrochen ist!!
Super Beschreibung - tolle Bilder .... da kann Frau ja schon ein bißchen neidisch werden -trotz lustiger Faschingsveranstaltungen und einem bestimmt tollen Umzug am Samstag in Villach -der Faschings/Karnevalshochburg Österreichs!!
Wünsche euch noch eine tolle Woche und werde die Reiseberichte wie immer mit Cappucchino und einem Baby-Berliner genießen!!!

Hallo Sabine,


Fangfäden von Glühwürmchenlarven....nee nich... ( öööhm,wollte ich nicht mal wieder mit dem Besen anne Decke und da auch irgendwelche Fäden abfegen???) Muß man immer mit der Nase drauf gestoßen werden?

Und schon wieder Sandmücken... Die Viecher scheinen Euch ja zu lieben...

Matthias schaut auf jedem Foto immer so ernst. Kann er auch mal lächelnd Zähne zeigen? Er hat doch welche, oder? Ich meine, nun hat er doch schon so eine nette Begleitung - da sollte er doch wenigstens
e i n m a l richtig lachen...


Ich hatte gestern noch 'nen kleinen Unfall. Der Chirurg hat echt mit dem Kopf geschüttelt. Aufm Soffa lag vom Sockenstricken eine meiner Stricknadeln, ökologisch in Bambus gehalten. Komme vom Klo, hau mich auf das Sofa und da schiebt sich eine der Nadeln in meine A - Backe mit ganz viel Knurbschschsch....

So hing ich dann an der Nadel... Habe sie nach längerer Überlegung auch selbst wieder rausgezogen.

Und nun sitze ich das Ergebnis (Bluterguß) auf einer Backe ab....

Also ährlisch, in Neuseeland wär mir dat ja nu nich passiert....

Und nun warten der Doc und ich ab, ob sich das von alleine gibt oder nicht... So kommt man dann auch zu einer Tetanus-Auffrischung.... Eingetragen in einen nigelnagelneuen Impfpass, auf der Seite Säuglinge und Kleinkinder.... Nun ja....

So ist das Leben...

HH ansonsten feucht und kalt. Der Schnee schmilzt und die schmutzigen Reste bedecken die Erde.

Viel Spaß weiterhin am anderen Ende der Erde. Es geht an das letzte Viertel der Reise und ich wünsche ein fröhliches Genießen....


Merjinka


Liebe Sabine,
wollte Deinen nächsten Beitrag "Albatros, Albatros!" lesen. Leider war da, so untypisch für Dich, nur "Des Fisches Nachtgesang: o o o" Da war nichts zu lesen.
Muss ein technischer Fehler gewesen sein. Danke auf jeden Fall für Deine erfrischenden Beiträge, die wundervollen Fotos und die persönlichen Farbtupfer. Auch die Kommentare Deiner Freunde finde ich toll. Selten so gelacht. Entschuldigung, auch über den Stricknadelunfall von Merjinka. Gute Besserung! Man erfährt nicht nur viel über das exotische Neuseeland, sondern auch viel über den rheinischen Humor. Noch schöne Tage in Neuseeland!
Viele Grüße von Vera

Liebe Sabine,
wollte Deinen nächsten Beitrag "Albatros, Albatros!" lesen. Leider war da, so untypisch für Dich, nur "Des Fisches Nachtgesang: o o o" Da war nichts zu lesen.
Muss ein technischer Fehler gewesen sein. Danke auf jeden Fall für Deine erfrischenden Beiträge, die wundervollen Fotos und die persönlichen Farbtupfer. Auch die Kommentare Deiner Freunde finde ich toll. Selten so gelacht. Entschuldigung, auch über den Stricknadelunfall von Merjinka. Gute Besserung! Man erfährt nicht nur viel über das exotische Neuseeland, sondern auch viel über den rheinischen Humor. Noch schöne Tage in Neuseeland!
Viele Grüße von Vera

Dieser Beitrag ist für Kommentare geschlossen.