"Ich möchte ein Eisberg sein" - Tag Nr. 15 der Fox Glacier
Schon in der Nacht wurde ich nicht nur davon wach, dass ich meine Mückenstiche kratzen musste, sondern vielmehr auch durch das sanfte "Patta-Patta" des Regens auf dem Hüttendach. Und damit war dann schon klar, dass es im Hinblick auf die Gletschertour Schwierigkeiten geben würde.
Und in der Tat, so kam es dann auch. Hans-Werner vertagte die Tour erstmal auf 12.00 Uhr, da man bei dem dichten Regen, hinter dem sich alle Berge versteckten, nichts erkennen konnte. Da sich bei mir mittlerweile ein riesengroßer Postkarten-Rückstau gebildet hatte (jaaa, die Dinger wollen auch noch erledigt werden), kam mir das einmal gar nicht ungelegen. Nach der üblichen Morgen-Routine (Frühstück, Spülen, Verdauungs-Bulletin) widmete ich mich daher der Pflege meiner persönlichen Kontakte und konnte sogar den gesamten Rückstand abarbeiten! Immerhin, um 11.30 Uhr hatte sich die Lage dann soweit geklärt, dass wir starten konnten.
Wir fuhren dann zum Chalet Lookout Walk und begannen hier unseren (kurzen) Aufstieg zu dem Aufstiegspunkt und zum Beginn der Tour präsentierte sich der Gletscher dann auch noch so:
Da aber auch ein Gletscher wankelmütig sein kann, besann er sich während unseres Aufstiegs dann doch anders, und als wir oben ankamen, bot sich dann leider nur noch der folgende Ausblick:
Dennoch lohnt sich der Aufstieg auch bei diesem Wetter unbedingt, denn man wandert dabei durch einen dichten Regenwald, der durch seine bemoosten Bäume zusätzlich geheimnisvoll und gruselig wirkt. Und ausserdem - wenn einem schon so nichts vor die Linse kommt - kann man mal an Portraits herum experimentieren.
Oder auch mal wieder ein bisschen Heimat-Kolorit pflegen:
Vom selben Parkplatz aus kann man auch bis an den Fuss des Fox-Glaciers wandern. Aber auch hier bot sich keine wesentlich verbesserte Sicht.
Wir packten uns daher wieder in den Bus und fuhren an den Lake Mathesen. Dieser See ist dadurch entstanden, dass sich hier vor rund 14.000 Jahren ein Eisberg in seine Bestandteile auflöste. Hier kann man einen Rundwanderweg um den See machen, der wegen seines Spiegelbildes der umliegenden Berge berühmt ist. Dieser Weg war mit einer Dauer von rund 1.5 Stunden ausgewiesen, was mittlerweile keiner mehr Ernst nahm, da man in der Regel mit maximal 75% der angegebenen Zeit hinkommt. Hier war dann aber doch erschreckend, dass wir tatsächlich knapp im Zeitlimit blieben und uns im Gegenteil noch ziemlich viel Mühe geben mussten, um diesen Rahmen überhaupt zu packen. Hans-Werner stellte zu diesem Punkt nur ganz cool fest, dass er den Weg mit einer anderen Gruppe "schon mal in einer Stunde geschafft habe." Aha.
Grundsätzlich wäre damit der Programmteil des 15. Tages beendet gewesen, aber unser Guide wollte uns dann doch noch etwas Sonne bieten und daher fuhren wir an den Gillespie-Beach an der Westküste. Hier konnte man im rauhen Wind am Strand entlang wandern, wo man im steinigen Bereich des anschliessenden Galway-Beaches dann doch noch auf Pelzrobben stoßen konnte. Man kann den Tieren dabei tatsächlich sehr nahe kommen. In einem besonderen Fall hatte das aber auch fast den Nebeneffekt, dass unsere Omma-Jutta fast von einer Robbe umgewobbelt wurde.
Wenn man stundenlang über den Strand streicht, vergisst man leider fast immer eines: Man muss auch wieder zurück! Und diesmal mussten wir gegen den Wind wandern und die Strecke kam uns doch auf einmal wesentlich länger als auf dem Hinweg vor. Zusammengefasst dauerte es gefühlte 10 Stunden, ehe wir wieder den Eingang zu unserem Parkplatz erreichten und noch ein bisschen länger, ehe sich die gesamte Truppe wieder einfand.
Hier stellte sich dann der restliche Verlauf des Abends zur Disposition: Variante A) Rückfahrt nach Fox und Möglichkeit wenigstens noch einen Happen zu Abend zu essen Variante B) Abwarten des Sonnenuntergangs am Strand. In Anbetracht dessen, dass die Sonne für meinen Geschmack dann doch noch relativ hoch am Himmel stand und ich 1. Hunger und 2. keinen Bock mehr hatte, hatte ich mich - ebenso wie Matthias - schnell entschieden, doch wurden wir leider von der Sunset-Fraktion überstimmt. Das könnte auch an dem Gerücht gelegen haben, dass es bis zum Sonnenuntergang vielleicht noch 15 Minuten dauern sollte... Als der Planet dann nach einer geschlagenen Stunde (Hab' ich es nicht gesagt) endlich, endlich, endlich im Meer versank, waren meine Finger schon so steif gefroren, dass ich so gerade noch den Auslöser betätigen konnte. Bis dahin hatten Matthias und ich wie die frierenden Hühnchen die Zeit auf einem Stück Treibholz verbracht und uns die Zeit mit unsinnigen Unterhaltungen vertrieben. Da wir nach dem Sunset erst spät zuhause waren, gab es auch kein Abendesssen mehr und so knuspern wir derzeit ein paar Chips, die Martina hat springen lassen, zwitschern unseren restlichen Wein weg und das war das Abendessen. Aber Gottseidank haben wir wenigstens noch Zigaretten.
Liebe Sabine,
na, welch schoene Bilder... Dabei: ich glaube, das Nebelbild steht ueberhaupt auf dem Kopf. Da bin ich mir sogar ziemlich sicher.... erkenne ich auf den 1. Blick....
Ein schoener Rücken kann auch entzuecken, oder wie war das??? Soon bisken wat Koelle oppm Ruecken....
Und die Robbe sieht ja ganz vorwitzig aus...
Der Strand mit dem kontrastreichen gelblichen Himmel sieht fantastisch aus. Schade nur, dass da Dein Magen so bei knurrte...
...und es so kalt war. Na, hier in HH war der Himmel heute eher grau - und ab und zu kommt da so ein weisses Zeugs von oben runter, an der Alster waren 4 °. Komme gerade aus der City und jetzt muss ich mir auch erst einmal etwas Warmes machen...
Liebe Gruesse
Merjinka
Kommentiert von:Merjinka | Mittwoch, 11. Februar 2009, 18:35 Uhr
Hallo Sabine,
deine Berichte werden auch im hohen Norden in Skandinavien mit Interesse gelesen. Ich selbst war vor zwei Jahren mit meinem Freund in NZ auf Tour, zuerst eine Woche mit einem Campervan auf der Nordinsel (davor waren wir in Neu-Kaledonien) und anschliessend eine Woche auf einem Kongress in Dunedin. Es war alles ganz toll und auf die Südinsel möchte ich noch gerne hin, denn dort habe ich leider nicht vieles sehen können. Ich wünsche dir weiterhin viele schöne Erlebnisse und bin gespannt auf deine weiteren Berichte. Ich hoffe du siehst auch wie ich Albatrosse fliegen!
Viele Grüsse von Maja aus Finnland
Kommentiert von:maja | Mittwoch, 11. Februar 2009, 23:08 Uhr
Hallo Maja,
das Wetter des heutigen Tages erinnerte dann einige Reisemitglieder dann auch an den letzten Urlaub in Norwegen. Aber die Suedinsel lohnt sich wirklich noch sehr. Obwohl ich muss eigentlich sagen, bisher fand ich Paya und Russel mit am schoensten...
Aber auf die Albatrosse hoffe ich auch wirklich noch!
...und hallo Merjinka,
ich komme gerade vom Raften zurueck und bin auch ein bisschen tief gekuehlt. Aber hier kann man immerhin noch in Flip-Flops laufen. Ich habe aber von den heftigen Schneefaellen in London gelesen. Und ein Freund smste mir, dass es in Koeln auch wieder geschneit hat. Wir haben uns hier so fix an den Sommer gewoehnt, man kann sich das schon gar nicht mehr anders vorstellen....
Dann ganz viele Gruesse in den Norden und in den noerdlichen Norden :-)
die Sabine
Kommentiert von:Sabine Bongenberg | Donnerstag, 12. Februar 2009, 1:18 Uhr
Hallo Sabine,
da brauch ich dann ja nicht sooo neidisch zu sein, da Ihr am Lake Matheson kein perfektes Spiegelfoto vom Mount Cook machen konntet!
Als wir vor 14 Jahren morgens um 7 Uhr 30 um den See gescheucht wurden (Wikinger-Reisen fing schon immer den frühen Wurm, wie das Sprichwort doch sagt), meinte unser Reiseleiter, bis wir hinten am Lookout seien, würde es aufklaren - weit gefehlt, die Regentropfen verhinderten jegliches Spiegeln.
Als wir vor 4 Jahren nochmal dort waren, wollte mein Mann so lange dort sitzen bleiben, bis er das perfekte Foto hat - so lange hätte unser Sohn aber nie und nimmer ausgehalten (aber es hat immerhin die Sonne geschienen, auch wenn sich Wolken dazwischen gemogelt haben und aller guten Dinge sind ja bekanntlich 3...)
Viele Grüße
Suse
Kommentiert von:Suse aus Dresden | Freitag, 6. März 2009, 16:35 Uhr