Reisetagebuch Neuseeland

Sabine Bongenberg (41) hat auf BRIGITTE.de eine Reise nach Neuseeland gewonnen. Im Blog berichtet sie von ihren Erlebnissen.

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Es wallet und brauset und brodelt und zischt - Reisetag Nr. 08

Der heutige Tag stand im Zeichen der vulkanischen Aktivitäten und damit war zuerst Waimangu angesagt. Waimangu ist weltweit das einzige hydrothermale System, dessen Anfang von Bodenaktivitäten auf den Tag genau bestimmt werden kann: Der 10. Juni 1986.

An diesem Tag erschütterte eine Reihe von Explosionen den Krater und seitdem ist nichts mehr wie es vorher war. Hier wanderten wir zwischen blubbernden Quellen und Dampfwolken und wenn es mal nicht blubbert oder fisselt, veranstalten die Zikaden ihr ohrenbetäubendes Konzert.

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Von da aus ging es dann weiter zum "Wai-O-Tapi" was nach der Maori-Sprache so viel wie "Heiliges Wasser" bedeutet. Hier handelt es sich offensichtlich um einen bevorzugten Aufenthaltsort des Antichristen. Man kann von daher nicht nur sein Zuhause (Devils Home), sondern auch seine Schreibgeräte (Devils Inkpot - offensichtlich hält auch Luzifer nicht viel von der modernen Kommunikation) und sein Badezimmer mit eingelassenem Bad (Devils Bath) begutachten. Im Rahmen der Bündelung von Kräften und der Effektivität sollte die katholische Kirche hier einmal den großen Exorzismus durchführen und diverse Probleme wären ein für allemal gelöst. Unbeschreiblich sind hier allerdings die Schwefel-Dämpfe, die permanent über dem Tal hängen und die im harmlosen Fall an die Silvester-Knallerei auf der Domplatte erinnern. Im extremen Fall tragen sie sicherlich zur Reinigung des Körpers und der Seele bei. Und da ja im Prinzip jede Seele eines Menschen, der das - sagen wir mal -elfte Lebensjahr (die Zahl habe ich nur genommen, weil sie einen Umlaut spart) abgeschlossen hat, einer gewissen Reinigung bedarf, kann das ja grundsätzlich nicht schaden.

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Matthias und ich erwanderten mit dem Rest der Truppe einmal das Gebiet, was einem bequemen Spaziergang von rund 1 Stunde entspricht.

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Im Anschluss daran gab es eine weitere Besichtigung in Wairaki. Hier wurden wir zuerst mit einem Film über die segensreiche Entwicklung der geothermischen Kraftwerke informiert. Schon während ich "geothermisch" schreibe, überfällt mich hier eine bleierne Müdigkeit und so war es auch bei diesem Filmchen. Man kann mich gerne ignorant nennen, aber Elektrizität interessiert mich nicht, hat mich nie interessiert und wird es auch nie tun. Und überhaupt ist das auch egal, denn wenn es morgen keine mehr gibt, kann ich sowieso keine eigene machen. Selbst wenn ich das Prinzip verstehen würde. Und dann müssen wir ohnehin zurück an das Waschbrett.

Der Auftakt ließ also das Schlimmste vermuten, aber dann kam doch die wundersame Wendung. Ein junger (ansehnlicher) Maori-Guide führte uns über das Gelände und erklärte einerseits die Sitten und Bräuche der Maori im Hinblick auf die verschiedenen Quellen, aber andererseits auch diverse Einzelheiten über das damalige dörfliche Leben. Dabei wurde ein Dorf besichtigt und das Ganze sehr interessant und anschaulich untermalt. So lernten wir z.B., dass es so wie heute für die einzelnen Berufsgruppen verschiedene Gebäude gab. Schuster, Weber und Tätowierer waren jeweils getrennt untergebracht und das hat sich ja im Einzelhandel durchaus durchgesetzt. Ein weiteres Haus diente der "Freude"; allerdings war diese "Freude" darauf zurückzuführen, dass man sich hier begegnete, unterhielt, einen zwitscherte etc. Man könnte sagen ein Vorläufer der Disse oder des Single-Clubs. Interessante Einzelheiten wurden auch zur besonderen kulinarischen Verwendung von getöteten Feinden bzw. sogar von Verstorbenen an sich erläutert. Ich denke aber, diese Informationen kann ich ruhig einmal für mich behalten. Und man kann sie ja ohnehin nicht nachkochen, denn schließlich ist ja Kannibalismus - wie auch schon Willie Wonka erkannte - nun wirklich in den meisten Gesellschaften nicht gerne gesehen. Nach der Besichtigung gab es eine nette kleine Kaffee- oder Teerunde, bei der die Großmutter des Guides unsere Fragen zu den Maoris beantwortete. Ich hatte ja vor dieser Runde ein bisschen Bedenken, weil so etwas gerne in einem peinlichen Schweigen ausarten kann. Aber die Gastgeberin war eine zauberhafte alte Dame, der man die 75 weiß Gott nicht ansah, und die in kerzengerader Haltung und mit anmutigen Gesten unsere Fragen beantwortete.

Jetzt sind wir in der Lodge und zwar im hiesigen "Skotel" und kann schon sagen, dass das eine ziemliche Bruchbude ist, auch wenn sie anfangs mal nett anzusehen ist. Auf einem der beiden Waschmaschinen und einem der beiden Trockner hängt der Zettel "Sorry, out of Order". Von einem der beiden Internet-Anschlüsse hängt ein gleichlautender Zettel. Was mag wohl am Spa hängen? Falsch - das ist nur wegen Reservierung geschlossen. Aber am Fön im Bad hängt exakt wieder dieser Wortlaut.

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Kommentare

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Hallo Sabine,
ich habe mir grad´den Nachmittag mit deinen Reiseberichten versüsst.
Freue mich, das es dir offensichtlich, bis auf ein paar klassische Touristenneppstationen, gefällt. Bin schon gespannt, wenn wir dann wieder eine Fotoabend machen.
Hoffe, es geht dir , euch weiterhin gut und ihr habt Spaß. Der Kannibalismus scheint dich ja sehr anzusprechen. Nicht, dass es doch noch unerklärliche Verluste zu melden gibt;-)
Lieben Gruß
Anke

Hi Anke,
da die Verpflegung bisher noch ganz gut ist, gibt es in der Form noch keine Verluste zu verzeichen.
Bis dann erstmal
viele Gruesse auch an Torsten
die Sabine

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