Albatros, Albatros - Reisetag 21
Von den Seen Te Anaos ging es heute morgen wieder an die Küste und zwar nach Dunedin (sprich: "Danieden"). Auf der Hinreise erzählte uns Hans-Werner die Maori-Geschichte von Ru-Ru, der als vierter Sohn der Familie die niedrigste Stellung einnahm und der "Underdog" schlechthin war. Seine Brüder zeichneten sich offensichtlich durch erhebliche - nicht näher definierte - körperliche Vorzüge aus, die der jüngste laut seiner Erzählung nicht hatte. Dafür waren die Älteren wohl nicht die hellsten Kerzen im Leuchter. Die Söhne zogen dann auf Brautschau aus, um die "Schönste der Schönen" zu freien und der jüngste wurde als Kofferträger und Befehlsempfänger mitgenommen. Auf der Insel angekommen, auf der das Objekt der Begierde wohnte, ergab sich das kleine Problem, dass es bei den Maoris unhöflich ist, danach zu fragen, wo jemand wohnt. Durch einen Zufall gelang es Ru-Ru jedoch, die "Adresse" der jungen Frau herauszufinden. Seine naiven Brüder ließen sich dagegen von ihrem jeweiligen Gspusi verklickern, dass diese die gesuchte "Schönste" sei, so dass alle mit der vermeintlich tollsten Frau nach hause kehrten. Und hier konnte der Jüngste auftrumpfen, denn er hatte das Herz der Traumfrau erobert.
Gegen Mittag kamen wir dann in Dunedin (gesprochen: "Danieden") an, wobei die kleine Besonderheit zwischen Schreibweise und Aussprache heute dazu führte, dass der beste Reisebegleiter nach Passieren der Ortseingangstafel erfreut ausrief:
"Ach, wir sind in Dunnedinn". Mit dem Reiseziel "Danieden" hatte er bisher nichts anfangen können....
Dunedin ist übrigens Neusseelands schottischte Stadt. Der Name beruht auf einer gälischen Übersetzung von "Edinburgh" und viele Strassen und Viertel tragen dieselben Namen des schottischen Vorbildes. Sehenswert ist hier besonders die Dunedin Railway Station und wenn man schon einmal da ist, sollte man auf keinen Fall die Haupteingangshalle mit Porzellanfriesen und einem Mosaikboden verpassen.
Von dieser kleinen schottischen Einlage ging die Reise weiter auf die Otago-Peninsula zum Taiaroa Head, auf der sich eine Brutstätte der Albatrosse befindet. Auch wenn diese Vögel als die "Könige von Taiaroa" bezeichnet werden, ist deren Hausbau nicht gerade königlich. Hinsetzen, ein bisschen Pflanzen und Erde um sich häufen und fertig ist die Laube. Das anschliessend gelegte Ei wiegt bis zu 500 g und wird bis zu 11 Wochen bebrütet. Insgesamt dauert es rund 12 Monate ehe die Brut endlich aus dem Haus ist und Mutter und Vater Albatros wieder ein bisschen Zeit für sich haben. Sie machen dann das einfach Vernünftige: Sie verlassen das leere Nest und gönnen sich erst einmal eine einjährige Auszeit auf dem Meer. Mit ein bisschen Glück kann dieser Airbus 180 der Möwenwelt auf dem Taiaroa-Head beobachtet werden und wir hatten Glück!!! Vor der Spitze der Halbinsel segelten die Albatrosse! Albatrosse sind dabei die Meister der Thermik und können auf das Gehampel und Gestrampel, das andere Möwen bieten, nur verächtlich herab blicken. Mit einem einzigen Flügelschlag kommen sie soweit wie die Anderen mit deren 1000 und überhaupt haben sie auch mit dem peinlichen Futtergebettel der puckligen Verwandtschaft nichts am Hut. Leider ist es auch daher keine einfache Angelegenheit ein Foto dieser Thermikkünstler hinzukriegen. Hans-Werner beobachtete daher mit einer gewissen Ironie unser Herumgehampel und sparte auch nicht mit launigen Kommentaren. Anbei mein bestes Ergebnis:
Anschließend ging es zu den Gelbaugenpinguinen (Hoiho) in einer Bucht, deren Namen ich jetzt leider, leider nicht nennen möchte, da es sich laut Hans-Werner noch um einen Geheimtipp handelt. Ich langweile die Leserschaft daher lieber mit ein paar Details zu diesen Vögelchen. Der Gelbaugenpinguin gehört zu den ältesten noch lebenden Pinguinarten und findet sich nur im südlichen Neuseeland. Die Maoiri tauften ihn Hoiho, was so viel wie der "lärmende Rufer" bedeutet. Diese Bezeichnung bezog sich auf die schrillen Rufe, mit denen die Pinguine ihre Partner begrüßen. In Rheinland wäre die Spezies vermutlich in Leverkusen angesiedelt. Hier gab es eine tolle Beobachtung mit einem kleinen Pinguin: Mutter (oder Vater Pinguin, man bevorzugt hier die androgyne Mode) eilte aus dem Meer um Baby Pinguin zu füttern und das hautnah vor einem Teil unserer Gruppe. Und das war doch richtig toll
Neben diesen Pinguinen traf man an der Bucht noch Seelöwen, die sich frivol in die Kamera räkelten und wie üblich schwer beschäftigte Austernfischer.
Nachdem wir uns dann wieder über die Dünen nach oben gekämpft hatten, sagten wir uns "Let's call it a day" und dann ging es nur noch zum Abendessen und zu einem Glas Wein in unser Camp.
Aber Anke, noch für dich:
Hallo Sabine,
ich lese begeistert mit. Wir waren schon zweimal in Neuseeland und sind jeweils auf eigene Faust mit dem Camping-Bus rumgereist. An fast allen Stationen, an denen Ihr ward, waren wir auch und teilweise habe ich Gänsehaut beim Lesen und beim Betrachten der Bilder. Auch das "Danieden" hat mich zum Schmunzeln gebracht - wir haben ewig gebraucht, bis wir kapiert haben, wie man es ausspricht. (Ähnlich wie bei Te Anau, das ja "Ti Änau" gesprochen wird - wie dumm man da teilweise schaut, bis man kapiert hat, um welchen Ort es grad geht - man will es sich gar nicht vorstellen.)
An Dunedin und die vorgelagerte Halbinsel habe ich nur die besten Erinnerungen. Falls Ihr Gelegenheit habt: ab "Portobello" - wunderschön verschlafenes Nest - kommt man zu einem Strand, den man nur durch kurzes Queren von Privatland erreicht. Dieser Strand ist der einsamste, längste und schönste Strand, den ich jemals gesehen habe.
Ansonsten gibt es in dem düsteren Café (Ra hieß es glaube ich) am Octagon-Platz in Dunedin den besten warmen Schokomuffin, den ich gegessen habe.
Viel Spaß noch in "Danieden", ich freue mich schon auf den nächsten lebendigen Bericht.
Grüße unbekannterweise von
Karin aus München
Kommentiert von:Karin | Dienstag, 17. Februar 2009, 20:13 Uhr
Hallo Sabine,
das also ist das Tattoo. Es stimmt, es ist wirklich klein und zart. Das wird Deine Mutter sicherlich auch hübsch finden. Außerdem ist das Motiv tatsächlich fast mystisch. So energie-wirbelig.....
Das Foto vom Albatross hätte ich erst einmal als pupnormale Möwe abgetan. Aber selbst die kleinsten Viecher können ja schon eine Flügelspanne von 2 Metern erreichen, die größeren Arten bis zu 3,50 Meter. Also sind diese Vögel recht imposant und da wird auch sehr deutlich, aus welchem Abstand Du da fotografiert haben mußt. Kompliment.
Welch Glücksfall, dass Dir das überhaupt gelungen ist, so einen Vogel "einzufangen".
Der Seelöwe gefällt mir von der Pose her natürlich super. Fläzig... Der scheint sich saulöwiggut zu fühlen....
Ich hätte Dunedin auch völlig falsch ausgesprochen. Man lernt doch noch immer dazu....
Grüße aus Hamburg
Merjinka
Kommentiert von:Merjinka | Mittwoch, 18. Februar 2009, 1:05 Uhr
Liebe Karin,
die Crux an solchen Rundreisen ist ja, dass man neben dem hauptprogramm so wenig, wenig Zeit hat. Udn daher hat Portobello leider nicht geklappt und da ich heute erst deinen Kommentar lese, sind wir auch schon sehr weit von den Muffins entfernt. Insbesondere der "beste Reisebegleiter von allen" ist fast untroestlich....
Liebe Merjinka,
ich hatte ja verzeifelt versucht, hier ein Fotobearbeitungsprogramm hinzukriegen, um herauszuarbeiten, dass es wirklich ein Albatros ist. Naja, ich werde zuhause mal nachbessern.
Wie immer an Euch ganz viele Gruesse nach Deutschland (das bedrohlich nah rueckt....)
die Sabine
Kommentiert von:Sabine | Donnerstag, 19. Februar 2009, 7:38 Uhr
Liebe Sabine,
ich lache hier gerade. Das mit dem Albatross auf dem Bild liegt doch nicht an Dir.... Irgendwie sieht der Geier halt aus wie eine überdimensionierte Möwe... Das ist sein eigene Schuld, nicht Deine... Überhaupt gehören die Albatrosse zu den Röhrennasen. Wer hätte gedacht, dass es so was gibt?
Die letzte Woche ist nun angebrochen. Wie schnell die Zeit mal wieder vergeht.... Aber durch so ein Reiseprogramm eingebunden, hat man gar nicht so viel Zeit darüber nachzudenken und die Eindrücke werden erst später, zu Hause, verarbeitet...
Ich hatte doch eine Irlandrundreise gewonnen, auch traumhaft, aber man fährt von hier nach da und sofort wieder weiter. Was bleibt sind zauberhafte Erinnerungen an Landschaften und kurze Begnungen mit Menschen, mit denen man noch gerne etwas Zeit geteilt hätte.
Und dann kommt der große Wunsch, das Gesehene zu vertiefen. Weil man ja letztendlich alles nur gestreift hat. Man ist quasi erschlagen von Eindrücken....
Man bräuchte zur Vertiefung noch viel mehr von diesen Gewinnen, gelle?
HHeimat hat heute wieder einen grauen Himmel, wenn auch in einem freundlichen Grau gehalten. Der Schnee ist fast überall wieder weg. Aber es ist so schön zu bemerken, dass die Tage deutlich länger werden...
Liebe Grüße
Merjinka
Kommentiert von:Merjinka | Donnerstag, 19. Februar 2009, 9:31 Uhr