Fräulein Trullas Kommentar zur Woche!
Denn die Bauer fährt eine fiese Taktik und eigentlich hätte ich es wissen müssen, als ich meine beste Bluse mit volkstümlichem Charakter anzog und meinen Lodenrock aus dem Koffer holte und aufbügelte, um endlich einmal "ordentlich feiern" zu gehen, wie die Bauer es formuliert hat ...
Werte Leserinnen und Leser,
ich gebe zu, diese Woche war ich ein wenig tätig. Die Bauer war müde, wollte schlafen und das Leben erlaubte es ihr nicht. Und ich habe das bewirkt. Dann kam dazu, dass ich mich in ihrer rechten Hand einnistete. Es war schön. Zuerst konnte sie einige Tage nicht richtig greifen und seit zwei Tagen hat sie ein eiskaltes rechtes Händchen. Das gefällt ihr nicht.
Aber die Bauer wäre nicht die Bauer, würde sie nicht gegensteuern. Zuerst machte sie viele Pausen, was mir nicht gefiel, denn entspannt geht das Leben eben für sie besser. Nein, sie schleifte mich noch auf dieses Fest. Das nennt sich "Gillamoos" und die Bauer sagt, man muss dort hin gehen. Weil man als pflichtbewusster Bürger die Pflicht hat, mitzufeiern, wenn die ganze Stadt in den Ausnahmezustand gerät.
Mit dem Wort "pflichtbewusst" traf mich meine Gastgeberin und nachdem ich auch pflichtbewusst handle und bei der Bauer lebe, muss ich mich den hiesigen, niederbayrischen Gebräuchen und dem Landleben anschließen.
Ich bügelte also meine beste Bluse auf, die schöne, mit den kleinen Stickereien und den hübschen Rüschchen am Stehkrägelchen und die Bauer verpasste mir noch einen Trachtenhut mit einer roten Feder. Das wäre jetzt Mode.
Und? Was ist Mode? Gar nichts! Ich fiel mit meinem Hut auf, konnte ihn aber nicht abnehmen, da sonst meine ziemlich zerdrückten Wasserwellen zum Vorschein gekommen wären. Und als ich das kleine Bier, das ich auf Anraten der Bauer bestellt hatte, kam, erschrak ich mich doch. Diese Bayern trinken manchmal aus Literkrügen und erzählen mir, das wäre das kleinste Bier, das es gibt.
Zugegeben, ich war ziemlich pikiert, auch dass man kein Besteck reichte, sondern diverse Lebensmittel in diesem großen Zelt mit den Händen gegessen hat und ich nicht wirklich berücksichtigt wurde. Als ich einen etwas bequemeren Sitzplatz haben wollte, anstatt der harten Bank und nach einem Tischtuch verlangte, bekam ich eine rüde Absage.
"Extrawürstl gibts nicht", war die Auskunft und als ich einen Versuch wagte, das große Trinkgefäß anzuheben, kippte ich mir den Inhalt ganz untrullahaft fast über den besten Rock in meinem Koffer.
Professor von Trülli vom Institut für höhere Fräulein Trullas in Trullstadt hat mir das nie gezeigt!
Und jetzt geht es mir schlecht, das Bier habe ich nicht vertragen, habe einen allergischen Schock und der Mann, der im adretten Anzug hinten links in diesem großen Campingzelt saß und mich so nett angesehen hat, ist verschwunden, ohne das ich Kontakt aufnehmen konnte.
Jetzt bin ich ganz allein und muss wieder auf dieses Fest oder auf die Bank vors Haus und wirklich in Not. Wieso feiern die Leute in diesem Ort dieses Fest? Warum feiert die Bauer überhaupt gerne und wieso scheint es ihr überhaupt nichts auszumachen, so dermaßen rustikal, ja fast steinzeithaft zu feiern? Weshalb versteht es sich nicht von selbst, dass wir Fräuleins von Welt nun einmal gerne eine saubere Tischdecke, Silberbesteck und kleine Trinkgefäße bevorzugen und gewöhnt sind?
Ich frage mich ernsthaft, warum ich immer wieder auf die Schmeicheleien der Bauer hereinfalle und dann doch alleine nach Hause gehen muss, um mit dem Kater auf der Hausbank zu sitzen und beobachtet zu werden von diesem ekligen Vierbeiner. Das entspricht nicht den Standards, die ich gewöhnt bin und ich bin wirklich verzweifelt, zumal ich weiß, dass dieser Zustand noch bis einschließlich Montag dauern wird ... Igitt!
Verzweifelte Grüße
Ihr Fräulein Trulla
Liebes Fräulein Trulla,
ich rate zum Rückzug! Diese Feste sind nichts für sesshafte Dämchen wie Sie. Suchen Sie sich einen ruhigen Platz, am besten weit, weit weg. Ich sende gerne regelmässig Postkarten bis hinter den Mond, falls Sie das wünschen! Es grüßt der Zebrafisch der Blognachbarin Karin.
Kommentiert von:Karin Tauer | Dienstag, 7. September 2010, 23:43 Uhr