Mein Leben mit MS

Vor einigen Jahren bekam Birgit Bauer die Diagnose Multiple Sklerose. Im Blog berichtet sie, wie die Krankheit ihren Alltag verändert.

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Sowas ...

Gestern saß ich am Vormittag gemütlich in meinem Büro. Ich habe ein besonders schönes Zimmer in unserem Haus als Arbeitsraum ausgewählt, in dem ich mich sehr wohl fühle. Dunkles Holz, weicher Teppich, ein Hauch Violett, ein schöner Sessel und meine Schneiderbüste sind meine Wohlfühlwelt. Dazu meine Vorhänge in cremefarben mit kleinen Bienchen in schillerndem Golddunkelgrün und einige Pflanzen und ich bin glücklich. Mozart plätscherte gemütlich sein Klarinettenkonzert aus meiner Stereoanlage und draußen hörte ich neue Geräusche ...

Ein freches Trillern. Gut gelauntes Pfeifen. Sogar Herr Muzz, der mittlerweile gut mopelige Redaktionskater, der gerade auf seinem roten Samtkissen über neue Geschichten nachdachte, drehte seine Ohren in Richtung des fröhlichen Gezwitschers.

Verblüfft schauten wir uns an. Der dicke Kater und ich. Einvernehmlich stellten wir fest, dass es sich nicht um die Intonisierung von Twitter handelte, sondern um richtige, gefiederte Tiere, die man langläufig als Vögel bezeichnet. Sie saßen auf dem Balkongländer und sahen mir bei der Arbeit zu. Immer wieder drehten sie übermütig ihre Runden und schienen sich zu freuen. Die kleine Vogelfamilie hatte richtig Spaß. Und ich bekam Frühlingsgefühle. Der Kater übrigens nicht. Der verlor schnell das Interesse, nachdem er festgestellt hatte, dass das mit der Jagd uninteressant war. Er machte wieder einen Katerkringel und sinnierte weiter in den trüben Wintertag, der trotz des Nebelgraus so einen Hauch Frühling mit sich brachte.

Als ich am Nachmittag eine Nase frische Luft einfing, roch sie auch anders. Das Winteraroma war entwichen. Da war kein Hauch von Kaminfeuer und kein Hauch dieser Leere, die man riechen kann, wenn der Winter sich voll entfaltet. Winter riecht nämlich nicht richtig. Der Frühling schon. Er riecht nach Erwachen, nach Leben und nach Rebellion. Ich liebe diesen Duft, er zeigt, dass es nicht mehr weit ist, bis die Natur wieder erwacht wie Dornröschen. Geküßt vom Prinzen Frühling zieht sie sich ihr schönstes Kleid an und verwöhnt die Sinne!

Und dann, heute Morgen: Sowas! Das war  mein erster Kommentar als ich aus dem Fenster blickte. Es war weiß. Schneeweiß. Die Welt war wieder leise geworden und es wirkt, als hätte sie sich noch einmal umgedreht.

Ja, ich weiß, es ist erst Ende Januar und es liegen noch einige Wochen Grau vor uns, bevor wir frisches Grün vor die Linse bekommen. Dennoch, es riecht auch heute anders, so frisch und mit einem Hauch Frühling. Und vielleicht sollten wir uns davon anstecken lassen und den Wintermief und alles was damit zu tun hat, langsam vor die Türe befördern?

Mir juckts schon gewaltig, ich habe Lust auf Frühling, auf Lachen und auf Umtriebigkeit. Ich will Ausmisten, umräumen und habe beschlossen, dem Tag heute frech und frühlingsfrisch ins Gesicht zu grinsen, ihm ein Gedicht zu schreiben und mich zu freuen! Das verkürzt die Wartezeit und macht Spaß! Jedenfalls mehr, als im Wintertrübsal zu versinken, wie manch frustrierter Zeitgenosse, der einem derzeit vom Winter genervt über den Weg läuft!

Frühlingsfrische Montagsgrüße

Birgit

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