Mein Leben mit MS

Vor einigen Jahren bekam Birgit Bauer die Diagnose Multiple Sklerose. Im Blog berichtet sie, wie die Krankheit ihren Alltag verändert.

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Ich nehme das Leben, wie es kommt!

Diesen Satz habe ich vor einigen Jahren in mein Leben geholt und angenommen.

Annehmen hat etwas damit zu tun, dass man etwas zuerst aktzeptiert und dann damit lebt. Es annimmt und ins Leben integriert.

Etwas, das gar nicht so einfach ist und heute treibt mich dieser Satz ein wenig um. Ich habe mir nämlich gründlich den Magen verdorben und heute geht mir mein Leitsatz etwas auf die Nerven, weil ich eigentlich sehr umtriebig wäre. Schlicht, ich kann die Revolution in meinem Bauch nicht wirklich akzeptieren. Aber sie ist auch ein zeitlich begrenzter Zustand und daher nicht ganz so heftig.

Als ich damals zum ersten Mal mit Fräulein Trulla auf dem Sofa hockte, war das anders. Ich wußte, ich muss. Und dieses "Müssen" war schwer zu verkraften. Zu wissen, dass ich da ein Lebenlang irgendwie mit ihr zurechtkommen musste, war mir suspekt und ich glaubte es nicht. Ich ignorierte das und wachte erst auf, als ich schnell erneut auf die Schnauze fiel und ganz deutlich zu spüren bekam, wo meine Grenzen sind. Meine MS - Grenzen wohlgemerkt. Die sind nämlich enger gesteckt als meine eigenen Grenzen. :-)

Irgendwann begann ich zu verstehen, dass ich Fräulein Trulla aber annehmen musste. Die kann man nämlich nicht umtauschen. Man kauft sie als Sonderposten zum Sonderpreis und somit auch ohne Kassenbon. Und blöderweise stellt man, weil man so aufgelöst ist, erst nach der üblichen Einspruchsfrist fest, dass man umtauschen möchte. Was aber dann nicht mehr geht! ;-) Also hat man das Elend da und muss irgendwie damit zurechtkommen. Eine nicht ganz einfache Aufgabe.

Zermürbt vom ewigen MS - Hin und Her beschloss ich irgendwann, das Leben so zu nehmen, wie es eben kam. Ändern kann und konnte ich es sowieso nicht.

Ein Prozeß, der mich Kraft kostete und Zeit brauchte. Als ich heute las, dass jemand seine Krankheit und die damit verbundenen körperlichen Einschränkungen nicht aktzeptieren kann und ständig in Gedanken um diese Diagnose kreist und in dieser Krankheitsspirale festsitzt, kam mir mein Satz noch einmal in den Sinn. Ich konnte diese Gedanken wirklich zu gut verstehen. Sie quälen einen und sind schädlich für eine richtige Einschätzung.

Die Alternativen, die man in solchen Fällen hat, sind relativ übersichtlich. Man kann sich ständig nur um diesen Fixpunkt "MS" oder heute in meinem Fall "verdorbener Magen" drehen und sich so in etwas hineinsteigern, was nicht gut tut oder man kann annehmen, den Tag leben, ihn sich selbst trotzdem so angenehm wie möglich gestalten und versuchen, neue Sichtweisen zu gewinnen, die gut tun und die einen selbst in den Mittelpunkt stellen, nicht die Krankheit.

Diese Gedanken wiederum stimmen mich eigentlich fröhlich, denn ich stellte fest, dass ich ganz bewusst die MS ezur Randsache erklärte. Natürlich zu einer nicht unwichtigen Randsache, aber ich kreise gedanklich nicht ständig um diese Sache herum. Ich lebe damit. Und manchmal kann es schon passieren, dass ich gar nicht an sie denke und sie links liegen lasse. Weil es wichtigere Dinge zu tun gibt, die das Leben im Gepäck hat und die mehr Aufmerksamkeit erfordern. Die Entwicklung bis hierher hat einige Zeit in Anspruch genommen, aber irgendwie scheine ich es im Griff zu haben.

Also kann ich mich trotz dieses fiesen Grummelns mit meinem Satz fast wieder anfreunden, denn ich nehms einfach wie es kommt, hol mir eine Flasche Cola oder so und mache das, was mir gut tut und was mich heute eben nicht belastet.

Die mit dem Magen, der sich anfühlt, als hätte er eine Tonne Brausepulver intus!

Birgit :-)))

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