Mein Leben mit MS

Vor einigen Jahren bekam Birgit Bauer die Diagnose Multiple Sklerose. Im Blog berichtet sie, wie die Krankheit ihren Alltag verändert.

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Wieder da ...

Ja, ich gebe es zu, es war in den letzten Wochen nicht wirklich so toll. Ich war versunken in Grippenviren, Infusionen und meiner Schramme, die sich in mein Herz gegraben hatte.

Abschied, Loslassen und Erkenntnisse beeinflussten mich etwas negativ und knickten mein Selbstbewusstsein. Der Abschied ist noch da und wird noch eine Weile bleiben, wie ich vor einigen Wochen schrieb, ist eine meiner engsten Freundinnen davon betroffen und ich fühle sehr mit ihr und versuche, für sie da zu sein. Das nur am Rande denn: Ich hatte heute das erste Mal das Gefühl wirklich wieder da zu sein. Mir wieder selbst vertrauen zu können, ist die Erkenntnis des Tages. Das finde ich genial! Ich bin begeistert.

Ein Bekannter sagte einmal über mich, dass ich, wenn ich still und nachdenklich werde, Anlauf nehme. Anlauf aufs Leben. In den letzten Wochen war das der Fall. Kortisoninfusionen haben meine komplette Kraft verschlungen, die MS hat mir die Energie abgezogen und mich zu einem kleine Bündel in der Sofakuhle gemacht. Es war eine Zeit voller Gefühle. Voller Aufs und Abs und Richtungsänderungen und Stürmen, die mich zuerst verwirrten, dann traurig machten und dann dafür sorgten, dass ich mich in mir verkroch und eben ja, Anlauf nahm.

Ich interessierte mich nicht mehr fürs Motorradfahren und zweifelte. Die Zweifel nagten wie kleine Hamster an mir und in vielen Bereichen. Und ich war gefühlsbetont ohne Ende.

Aber was sich geändert hat ist das Gefühl in mir, es sagt, dass ich wieder da bin. So richtig. Etwas hat sich verändert. Seit Montag, seit einem sehr wichtigen Termin für mich, der mir zeigte, dass ich mehr auf Lager haben kann als blöde Zweifel, verändern sich die Perspektiven. Positiv. Ich fühle mich wieder an wie ich mich normal anfühle. Ich bin wieder ich. Die olle Nudel, die mit Trulla tanzt und deren Löckchen durcheinander wuschelt und ihr im Geiste Zettel mit "Ich bin orthopädisch wertvoll" auf den Rücken klebt und frech grinst. Die, die sich vernetzt, Spaß hat und neue Dinge erlebt. Die, die das Leben spannend findet, oft über sich selbst lacht und genießt.

Der Knaller ist, dass die Bikerbraut wieder erwacht ist und ich mächtig Lust auf Bikes habe und nach und nach verstehe, dass ich nicht schuld war, dass ich so derbe in den Straßendreck gefallen bin, sondern dass schlicht und einfach die MS der Auslöser für meinen Fall war. Sie hat im falschen Moment zugeschlagen und hätte mir richtig schaden können, hätte ich nicht richtig reagiert. Heute habe ich erkannt, dass die Hamster des Zweifels nicht angebracht waren und dass ich mir wieder vertrauen kann und immer vertrauen konnte, denn ich kanns. Wie viele andere Dinge, die jetzt trotz andauerndem Schub immer noch gut klappen.

Ein Gefühl, das ich die letzten Woche arg vermisste. Jetzt bin ich froh, es wieder zu haben!

Wollt ich einfach so erzählen! Ach ja, Fräulein Trulla hockt schon wieder in der Sofakuhle und ist völlig verkrampft. :-)))))))))))

Aufsteherundanlaufnehmergrüße

Birgit

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Liebe Birgit, Zweifel gehören zum Leben. Und ist es nicht schön, wenn wir erkennen, daß es auch noch andere Gefühle gibt - das wir mehr sind als unser Zweifel?
Hab eine gute Zeit - Evelyn

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