Wer warten kann ...
... hat mehr vom Leben. So heißt das Buch von John Selby, der den entspannten Weg zu mehr Gelassenheit verspricht und das ich gerade lese. Und es hilft. Denn ich bin ein ungeduldiger Mensch und finde nichts schlimmer, als Unpünktlichkeit.
Der beste Mann der Welt, nämlich meiner, ist da überhaupt nicht kompatibel. Er kommt immer zu Verabredungen, aber immer mit Zuschlag. Das heißt, 20 bis 30 Minuten Verspätung muss man einkalkulieren, dann erscheint seine Herzblättrigkeit und versprüht Freude und Frohsinn gegen den leicht aufkommenden Unmut.
Für mich hieß das bisher, dass ich Verabredungen so bestimmte, dass ER den Termin mindestens 40 Minuten vor der eigentlich vereinbarten Zeit bekam. So stellte ich sicher, dass wir immer pünktlich waren. Das ist die einfache Übung.
Schwieriger wurde es bisher immer, wenn ich mit dem Essen wartete. Denn wenn ich pünktlich war, verplauderte er sich oder war so beschäftigt, dass er nicht auf die Uhrzeit achtete. Was für mich immer hieß, dass ich telefonierte. Hinter ihm her und ihn eher verärgert an die Essenszeiten erinnerte und ihm erklärte, dass ich Gemüse ungerne in Matschform servierte und keine Vorliebe für tot gekochtes Essen hege. Meist enden die Diskussionen darum in völlig unkonstruktiven Streitgesprächen, die nichts mit Gelassenheit zu tun haben. Bisher.
Bis Herr Selby kam. Der erklärte mir nämlich, (er tuts immer noch! :-) ) dass es nicht wirklich sinnvoll ist, Wartezeiten mit Wut und Ärger zu verbringen. Es wäre besser, so der Mann, gelassen warten zu können. Ha, dachte ich, als ob ich das nicht schon vorher gewusst hätte! Mach das mal so einfach.
Aber was Herr Selby mir dann erklärte fand ich interessant: Nämlich wie man Wartezeiten so überbrückt, dass sie angenehme Pausen werden, die entspannend sein können. Und wie man Zweifel und Ängste vor Diagnosen oder Prüfungsergebnissen im Zaum hält und warum das Leben besser klappt, wenn man sich mit dem eigenen Verhalten vor der Supermarktkasse beschäftigt. Gelassen werden und das Leben so wie es ist, annehmen. Das geht nicht immer, das gibt sogar der Autor zu und gibt noch Tipps für die heftigen Wartephasen, vor denen einem wirklich graut. Wartezimmerphasen sozusagen.
Warum also nicht probieren? Zuerst in einfachen Situationen. Ich fand den Gedanken schön, gelassen warten zu können. Mich in der Wartezeit mit angenehmen Übungen zu entspannen und gestärkt aus einer Zwangspause, die man in eine kurze Erholungsphase umwandelte, herauszugehen, fand ich verlockend.
Gut, ich habs probiert. Mit dem Ergebnis, dass ich tatsächlich entspannter bin. Neuerdings schaffe ich kleine Meditationsübungen um mich locker zu machen und bin danach tatsächlich kreativer und aufgeweckter. Ich nutze die Wartezeiten, um unverkrampften Umgang mit Warten zu lernen und freue mich, denn es gelingt mir immer besser.
Ich kann also die Taktik echt empfehlen, wer nicht warten kann, sollte John Selby lesen, denn seine Tipps helfen wirklich.
Meine neueste Methode gegen Staufrust auf der Autobahn nach München, auf der es von Baustellen nur so wimmelt: das Klarinettenkonzert, das Klavierkonzert Nr. 21 und eine kleine Nachtmusik von Wolfgang Amadeus Mozart lassen einen in Kombination mit einer Atemübung unheimlich ruhig durch sämtliche Staus schweben und entspannt und fröhlich ankommen.
Wie überbrücken Sie Wartephasen? Unfreiwillige Zeiträume, in denen Sie zum Stillstand gezwungen werden, wenn sich die Frau vor Ihnen in der Metzgerei nicht entscheiden kann, ob sie Filet oder Schnitzel nimmt. Was machen Sie damit? Ärgern oder Entspannen?
Neugierig und voll gelassen, hab gerade geübt!
Birgit
Es mag paradox klingen, aber mir faellt Warten leichter, wenn ich von vornherein weiss, dass die Wartezeit sehr lang sein wird. Dann kann ich mich gemuetlich in ein Buch versenken, und gut ist. Wenn es allerdings so ist, dass man nicht weiss, WANN man aufgerufen wird/drankommt, dann faellt es mir schwer, mich zu entspannen. Weil ich eben jeden Moment aus meiner gemuetlichen Gedankenwelt herausgerissen werden koennte. Und so Sachen wie mit der Frau an der Theke... uaaaah, das geht bei mir ueberhaupt nicht. Bei so was aergere ich mich, und fange an, sarkastische Bemerkungen loszulassen. Ueberhaupt ist Hintenanstellen nicht so mein Ding. Ja, ich gebe es zu. Ich bin ein Draengler.
Hier in NY sieht man ja viele Leute, die in der U-Bahn ein Buch lesen, um die Fahrtzeit besser herumzubekommen. Ich kann das nicht. Denn ich will mir nicht vorschreiben lassen, dass ich JETZT das Buch wegstecken muss, nur weil ich an meiner Haltestelle angekommen bin. Da bin ich sehr eigen.
Kommentiert von:hsm | Montag, 16. November 2009, 23:23 Uhr
In das Buch muss ich unbedingt reinschauen! Ich bin extrem ungeduldig und mich treibt es zur Weißglut, wenn ich warten muss. Gefühlt warte ich die Hälfte meines Lebens und kann mich dann in großen Unmut über andere Leute hineinsteigern. Aber wenn ich mit Bus oder Bahn unterwegs bin, habe ich immer was zum Lesen dabei. Dann weiß ich ja, dass ich Zeit habe und die fülle ich gerne mit einem guten Buch oder einer schönen Zeitschrift.
Kommentiert von:Christiane | Dienstag, 17. November 2009, 10:32 Uhr
Ehrlich? Ich kann warten auch nicht leiden. Aber selber bin ich ein bißchen wie Herzblatt. Erst letzten Freitag, wir waren zum Essen verabredet, ich sollte erst nach Hause kommen, rief auch 1 Stunde vorher zuhause an, es wird klappen, bin zur Uhrzeit da, und Potz + Blitz: Piffedeckel. Es gab eine Terminarbeit, die "fertig" aussah, es nicht war, der Kollege stellte fest, es ist ein dicker Rechenfehler drin, und bis er es behoben hatte, war schon die Zeit gekommen, zu der ich weg wollte... und das End vom Lied: ich bin von meinem Platz zum Kopierer geflogen, nach dem ich alles ausgerechnet hatte, Umschlag beschriftet, Aufkleber drauf, Kopie nur hingelegt und weg.
Ergebnis: ich rief auf dem Weg an, um direkt zum Treffpunkt zu kommen, anstatt erst heim... ich konnte das hämische Grinsen durchs Handy hören, und der Spruch: das war mir eh klar, wäre das erste mal gewesen... (was nicht stimmt, ich kann auch pünktlich sein, aber meine Devise: Pünktlichkeit ist eine Zier, manchmal geht´s auch ohne Ihr... ;-) Und: Nein, diesmal konnte ich nix dafür und ein Nein hätte mich nicht wirklich weitergebracht. Das Ende: ich war bloß wenige Minuten zu spät, und alles war trotzdem gut.
Wenn ich weiß, daß ich warten muß, habe ich meinen I-Pod oder ein Buch einstecken. An der Fleischtheke hänge ich irgendwelchen Gedanken nach, oder studiere das Sortiment und die Preise, bis ich total verblüfft bin, wenn ich dann wirklich dran bin, und nachdenke, was ich eigentlich wollte..., mein Herzbube regt sich auf, ich bin der Meinung, es bringt nix, und macht höchstens irgendwann einen Herzinfarkt. An der Kasse, ach, ich beobachte die Leute, und kann mir das ein oder andere Grinsen nicht verkneifen, flirte mit kleinen Kindern, oder amüsiere mich über die Omi, die das Kleingeld zusammensucht. An der Ampel geht es auch nicht schneller, wenn man flucht, und je schneller man anfährt, desto länger wartet man an der nächsten Ampel. In Kanada z.B. scheint es so eine Art Pflicht zu sein, anzuhalten um Fußgänger an Übergängen rüberzulassen, durch einen Ort zu fahren ist also ein Stop + Go vom feinsten, darüber regt sich niemand auf... es ist halt so.
Das letzte: Wenn ich zuhause auf jemanden oder etwas warte, habe ich vorher die Spülmaschine laufen lassen, die räume ich dann aus, weil: die Küche geht zur Straße. So bin ich nützlich, und zufriedener, und ein Teil der toten Zeit gekillt.
In diesem Sinne, eine stressfreie Wartezeit.
LG
Kommentiert von:pony05 | Dienstag, 17. November 2009, 20:15 Uhr