Mein Leben mit MS

Vor einigen Jahren bekam Birgit Bauer die Diagnose Multiple Sklerose. Im Blog berichtet sie, wie die Krankheit ihren Alltag verändert.

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Von Maulwurfshügeln und Bergen ..

Seit einiger Zeit bin ich Fernstudentin. Das heißt, dass ich von Zeit zu Zeit vor einem Lehrheft sitze und still vor mich hinbrüte. Es ist ein Traum, den ich mir erfülle und den ich genieße. Ich kriege Input und ich mag es, Input zu kriegen. Dieses Studium ist ein Berg. Man kann ihn planen, hat Steighilfen und kleine Transportmöglichkeiten, um ihn zu erklimmen.

Man kann sich auch in Seilschaften begeben, denn so ein Berg hat eine gewisse Größe. Er ist weithin sichtbar und meistens sind mehrere Personen dabei, den Gipfel zu erreichen. Man ist nicht allein, bemerkt Stolperfallen schneller und hat von Zeit zu Zeit Helfer.

Auf so einen Berg kann man jemanden mitnehmen, muss sich nicht einsam oder alleine fühlen. Eigentlich sind Berge gut bezwingbar. Sie vermitteln trotz ihrer Steilwände, schwierigen Steige oder steinigen Wege immer irgendwie das Gefühl, dass man sie schaffen kann. Zumindest geht es mir so. Es ist die Größe, die beeindruckt, die zuerst Angst macht, aber die auch von vorneherein zeigt, dass man sich auf eine Aktion einlässt, die einen gewissen Aufwand und Vorbereitung, ja, Bedachtsamkeit erfordert. Gutes Schuhwerk, Kleidung, die den Verhältnissen anpassbar ist und Proviant. Man kann eine Bergtour planen.

Überträgt man diese Metapher aufs Leben, kann man wohl behaupten, dass alle großen Ereignisse im Leben meistens gut vorzubereiten sind. Man kann sich darauf einstellen. Plant, sorgt vor, bespricht sich, liest nach und richtet sich ein.

Doch dann stolpert man. Über einen Maulwurfshügel, der da, klein von einem kleinen schwarzen Kerlchen mit Schaufeln aufgeworfen, aus der Erde ragt und von uns übersehen wurde. Es ist eine Kleinigkeit, die man übersah, etwas, dass das ganz Leben inklusive der Bergtour aus den Angeln hebt. Auf einmal ist alles anders. Nur weil wir einmal nicht aufgepasst und uns so auf den Berg konzentrierten, dass wir vergessen haben, dass es oft die kleinen Dinge im Leben sind, die alles in ein neues Licht tauchen. Das bemerken wir dann, wenn wir mit der Nase auf dem Boden liegen und umplanen müssen, unsere Bergtour absagen und uns auf dem Boden der Tatsachen und die Kleinigkeiten kümmern, die wir vor lauter "Großdenken" einfach nicht gesehen haben. Oder nicht sehen wollten.

So ging es mir in letzter Zeit ein wenig mit MS und darauf kam ich heute, als ich für das Studium ein Kapitel durcharbeitete, indem es um Kleinigkeiten ging. Kleine Dinge, die unauffällig genug sind, um übersehen zu werden, aber eine oft starke Wirkung haben. Ich habe nicht so ganz auf sie geachtet. Wohl auch ein Grund dafür, dass einige Dinge, trotz gutem Plan, nicht so liefen, wie ich es wollte. Anlass für einen Moment des Rückblicks auf die Kleinigkeiten. Und dafür ist heute irgendwie ein richtig guter Tag. Das Herbstgrau und die letzten bunten Blätter haben mich zur Nachdenklichkeit verleitet und ehrlich gesagt, ich genieße das gerade ein wenig, habe mich ein wenig geerdet, schaue auf meine Maulwurfshügel und plane diesmal, einfach mehr nach unten, als nach oben zu schauen und nochmal anzufangen.

"Es sind die Maulwurfshügel, über die wir stolpern und nicht die hohen Berge!" chinesisches Sprichwort.

Und es passt perfekt heute!

Sonntagsgrüße

Birgit

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Kommentare

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Folgender Kommentar erreichte mich heute und ich möchte ihn anonym veröffentlichen:

"Ich hab mich durch dein Blog gelesen und ich hab mir vorgenommen, auch mal - Deinem Vorbild gemäß - mein Leben als das zu akzeptieren, was es ist. Denn das ist wirklich eine tolle Einstellung, nicht immer mit einem Auge auf was Besseres zu schielen. Das lerne/übe ich jetzt. Und dafür bin ich Dir dankbar."

Ich freu mich ehrlich und bin erstaunt, wie Leben bewegt. Find ich klasse! Danke!


Birgit

Hallo,
ja, dem kann ich nur zustimmen, denn die Kleinigkeiten sind meist so winzig, daß sie eigentlich nicht da zu sein scheinen... und plötzlich landet man heftig auf der Nase. Manchmal heißen sie zusätzlich noch Fettnäpfchen, dann wird es auch noch peinlich.

Aber, so ist das Leben, ein ständiges Bergauf- Bergab. Glücklich schätzen sollte sich der, der so flexibel ist, um daraus zu lernen, und ggf. etwas zu ändern, um zwar vielleicht um diesen einen Hügel herumzulaufen, und dann über den nächsten zu fallen, statt die Fehler bei anderen zu suchen.

Liebe Grüße
T.

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