Undankbar ...
Heute wurde ich wirklich ärgerlich und ich konnte mich gerade so zurückhalten, um nicht ausfällig zu werden. Wer mich kennt, der weiß, dass ich ganz schön deutlich werden kann und vor allem, meine deutliche Sprache dann gerne mit ein wenig Deftigkeit würze.
Es geht um Undankbarkeit, um respektloses Verhalten dem Leben gegenüber.
Mir begegnete ein Mensch, der wirklich alles hat. Auto, genug Geld, um sich jederzeit einen Urlaub zu gönnen, finanzielle Sicherheit, ein schönes Zuhause und viel mehr. Keine Schulden, keine Probleme. Und doch so belastet.
Das, was diesen Menschen belastet, ist das Leben selbst. Hausgemachte Probleme. Es wäre zu stressig, sagt mir dieser Mensch im Gespräch. Weil der Kollege nervt und die Kollegin nur an sich denkt. Der Chef verlangt, dass man ihn unterstützt und die Familie will auch noch "bedient" werden. Dann kommt noch das Haus oben drauf. Ich habe gelächelt und wunderte mich. "Wo ist dein Problem?" fragte ich verständnislos.
"Ja siehst du das nicht? Ich habe jede Menge Stress, ich muss einkaufen, im Haushalt helfen, jeden Tag arbeite ich acht Stunden und täglich bin ich damit beschäftigt, mir Gedanken darüber zu machen, wie ich meinem Kollegen endlich beibringe, den Job richtig zu tun. Und dann kommt noch dazu, dass ich Hobbies habe!" Nö, klar, ich kann den Stress förmlich fühlen und ich begann mich zu ärgern.
Da ist einer, der ist gesund, hat keine Probleme und sonst keine Schwierigkeiten. Und doch hat er sie. Dieser Mensch regt sich über den Kollegen auf, anstatt einfach ein klärendes Gespräch zu führen, was, wie ich herausfand, auch nicht funktioniert, denn angeblich ist ein Gespräch unmöglich. Dazu kommt, dass der Arbeitsbereich des Kollegen gar nicht in den Arbeitsbereich meines Gegenübers fällt. Aber man regt sich auf. Wieso eigentlich? Da setzt sich einer wegen nichts und wieder nichts unter Stress, läßt sich von Dingen vom Leben ablenken, die so klein sind, dass man sie mit einem Handstreich aus der Welt schaffen könnte. Den Kollegen, dessen Job einen nichts angeht, könnte man freundlich grüßen und sonst übersehen, das Hobby, das so nervt, könnte man vielleicht reduzieren oder ablegen? Der Haushalt muss nicht immer 100% haben. Na ja und den Arbeitsplatz, den könnte man neu einrichten, etwas verbessern oder verändern.
Nichts, was auf der Liste dieses Menschen stand, war wirklich so schwer. Es war leicht, einfach und lösbar. Und doch war mein Gegenüber ein Nervenbündel. "Mein Leben ist eine Katastrophe!", sagte er mit gerunzelter Stirn und ging mit gebeugter Haltung.
Traurig, finde ich. Und undankbar. Wenn man so blind und taub gegenüber dem eigenen Leben handelt und noch tauber und noch blinder ist, um zu bemerken, dass da wesentlich mehr ist, als man denkt, dann frage ich mich, was das wohl für Beweggründe sind, die einen Mensch so unsensibel machen, dass er sich über ein Leben beklagt, das in keiner Weise zu beklagen wäre.
Ist es der Überfluss, der solche Menschen so respektlos gegenüber dem eigenen Leben werden lässt? Ist es der Wohlstand, der unsensibel macht, sodass man überhaupt nicht mehr bemerkt, wie lächerlich man sich gerade macht?
Ich fragte mich für einen Moment, ob ich deftig heftig sagen sollte, was ich dachte, entschloss mich aber dann für ein Kopfschütteln und einen stillen Abgang, denn was könnte ich sagen, das die Basis dieser Person erreicht? Nichts.
Aber es macht mich traurig, wenn man das, was das eigene Leben lebenswert macht, so einfach gegen hausgemachte Probleme tauscht, anstatt einfach froh zu sein, dass man gesund ist und in Wohlstand lebt und eben keine wirklichen Hindernisse zu überwinden hat.
Vor allem, was macht so ein Mensch, wenn ihn das Leben irgendwann wirklich einholt und ihn mit seiner Härte, die es manchmal so im Gepäck hat, überrascht?
Nachdenkliche Grüße
Birgit
Hallo
einmal Luftholen und dann.... ommmmm
Weißt Du - ich kann dazu nur sagen: man wächst an der Aufgabe.
Mich nerven an manchen Tagen auch Kleinigkeiten - und die türmen sich tatsächlich zu Bergen - und wenn man ehrlich ist, ist es lauter Kleinscheiß völlig bedeutungslos.
Ich glaube, diese Menschen würden Dich in einer echten Krisensituation vielleicht überraschen - daß sie das ganze kleinliche Gejammere auf einmal zurückstellen und ganz toll agieren.
Ich kanns nur vielleicht an einem banalen Beispiel festmachen (das nichts mit Krankheit oder Katastrophen zu tun hat): Gibt es nicht in Deinem Leben Menschen, die immer larifari waren und denen Du jede praktische Lebenstauglichkeit abgesprochen hättest? Und dann kriegen diese Leute ein Kind (und man denkt sich: von allen Menschen traut man es denen am wenigsten zu, damit fertig zu werden).
Und dann muß man sehen: Die machen das gut!
Ich glaube einfach, viele trauen sich gar nicht zuzugeben, daß es ihnen gut geht, wenns doch so vielen schlecht geht (gar nicht bewußt). Also erklärt man jemanden, von dem man weiß, daß er echte Probleme hat, warum man selbst auch viele Probleme hat.
Vielleicht sogar ein hilfloser Versuch, zu zeigen: Kopf hoch, auch bei anderen wird nur mit Wasser gekocht.
Das alles findet sicher gar nicht auf ner bewußten Ebene statt, ist vielleicht gedankenlos usw...
Ich weiß z.B. echt, daß es mir gut geht - aber trotzdem maul ich manchmal rum, über Kollegen, über Arbeit, über Alltag, über Wetter, was weiß ich
Schönes Wochenende!
W**
Kommentiert von:W** | Samstag, 14. November 2009, 13:00 Uhr
Hallo liebe W**,
ich hab jetzt ernsthaft drüber nachgedacht. Und nein, ich hab mich nicht drüber aufgeregt, weil ich der Meinung bin, ich hätte krassere Probleme weil ich krank bin. Nö, ich bin mit meinem Leben total zufrieden und finde es toll. Mir gefällt es so wie es ist, ich nehme es an und sehe das, was wirklich ein Problem ist, eher als Aufgabe an, die es zu lösen gilt. Und ja, ich jammer auch mal über einen Kunden oder einen Kollegen und ja, das Wetter nervt auch hie und da und auch mir brennt mal was an und ich ärgere mich. Das kann man auch mal hören.
Aber ich mache es nicht im Dauerrepeat. Ich erzähle nicht immer sofort und überall, wie mies ich mich fühle und dränge nicht jedem meine "Horrorstories" auf. Ich vermehre den vermeintlichen Stress nicht dadurch, dass ich mich dauerhaft und nur noch mit diesem einem Thema beschäftige.
Genau das wars gestern auch, was mich wirklich nervte: Ich sah diese Person zum wiederholten Male und konnte detailgetreu vorhersagen, was denn nun kommen würde. Das Leben ist sch.... und die Menschen sind böse ... und mein Kollege ist ein Ekel. Vielleicht will sich die Person auch in den Vordergrund spielen und Aufmerksamkeit erregen. Was sie auch in gewisser Hinsicht geschafft hat. Nur mit dem Nachteil, dass ich (und auch zwei oder drei andere im Kreise) ziemlich genervt war.
Dir auch ein schönes Wochenende und ja, ich hab mich wieder eingekriegt! Schmunzel...
Liebe Grüße
Birgit
Kommentiert von:Birgit | Samstag, 14. November 2009, 19:15 Uhr
Zitat W**: "Ich glaube einfach, viele trauen sich gar nicht zuzugeben, daß es ihnen gut geht, wenns doch so vielen schlecht geht (gar nicht bewußt). Also erklärt man jemanden, von dem man weiß, daß er echte Probleme hat, warum man selbst auch viele Probleme hat."
DA ist was dran! Das ist mir auch schon oft, oft aufgefallen. Oder... um einen etwas zynischeren Aspekt einzubringen... Leute haben oft Angst, dass man etwas von ihnen wollen koennte, falls sie durchblicken liessen, dass sie theoretisch dazu (worum es auch immer geht) schon in der Lage waeren. Wenn mir jemand vorjammert, wie hart das Leben ist, und dass wir doch alle "im gleichen Boot" sind bla bla blaaaaaaaaaaa, und ich weiss genau, dass es der Person soooo uebel wirklich nicht geht, fange ich immer an, mich selber zu hinterfragen: Ist an mir irgendetwas, was die/derjenige fuer mitleidsbeduerftig haelt und nun versucht, sich selbst klein zu machen, damit ICH mich nicht schlecht fuehle? Ich finde, da sollte man ansetzen, wenn einem jemand auf diese Tour kommt. Es gibt natuerlich Leute, die wirklich einfach nur grosskotzite Angeber sind, aber viel zu oft ist es doch so, dass sie sich nicht trauen, laut zu sagen, wie gut es ihnen geht. Aus welchen Gruenden auch immer.
PS. Mir sind simpel gestrickte "grosskotzigen Angeber" ohne Hintergedanken lieber, als hinterlistige Salber. Die sind wenigstens ehrlich.
Kommentiert von:hsm | Sonntag, 15. November 2009, 13:49 Uhr
Liebe Birgit,
ich finde auch, Sie sehen das Leben sehr schwarz/weiß. Manchmal ist es aber unumgänglich, auch hinter die Fassaden zu schauen.
Natürlich kann ich verstehen, dass Sie in ihrer Situation den Gedanken haben: Der ist gesund, der hat doch alles... aber ist es denn wirklich so?
Gerade der Freitod von Robert Enke hat uns doch gezeigt, dass sich nicht alles so darstellt, wie es erscheint. Nach außen hin hatte er auch, was man sich denken kann zum Glück, Geld, glückliche Beziehung, Erfolg im Beruf, aber seine quälenden Gedanken hat niemand gekannt.
Ich denke, das sollte uns lehren, mit Urteilen ein bisschen vorsichtiger zu sein.
Kommentiert von:Claudia | Montag, 16. November 2009, 8:58 Uhr
Liebe Birgit, was mich nervt, sind Menschen, die ständig darüber jammern, dass sie so viel Arbeit haben. Menschen, die selbständig sind, meine ich. Anstatt sich zu freuen, dass sie Arbeit haben und dass ganz nebenbei auch noch der Rubel rollt, stöhnen sie permanent und sagen "Schrecklich, ich hab so viel zu tun..." Ganz abgesehen davon, dass man durchaus nicht jeden Auftrag und jeden Neukunden annehmen muss...
Schöne Woche!
Lieber Gruß von Renate
Kommentiert von:Renate | Montag, 16. November 2009, 10:26 Uhr
Liebe Claudia,
nein, ich denke nicht, dass ich das Leben schwarz - weiß sehe. Wer mich kennt, der weiß das auch.
Da wäre es wieder, das Ding mit der Farbe und den Kulissen ... ;-)
Dass ich mich manchmal selbst anschauen muss, damit muss ich hsm recht geben und ich danke ihr sehr für die Anregung.
Zur Verdeutlichung: Diese Person, die mich verärgert hat, kenne ich sehr gut. Ich kenne auch das, was da hinter den Kulissen abläuft.
Ich rede nicht von Menschen, deren Hintergrund ich nicht wirklich kenne, das wäre mir zu einfach. Behauptungen solcher Art mag ich nämlich auch nicht wirklich, wenn es um meine Person geht. Sie sind oft vorschnell. Ich will Bescheid wissen und das tue ich dann auch. Frage beim ersten Mal nach und verschaffe mir einen Gesamteindruck, der mir auch in diesem Fall gewährt wurde. Übrigens mehr als mir eigentlich lieb war.
Wenn mich solche Menschen verärgern, dann sind ihre Probleme selbst gemacht, denn sie nehmen sich wirklich kleinster und unnötiger Dinge an und machen sich selbst das Leben komplizierter und werden darüber zu Haderern und Jammerern.
Übrigens, diese Eigenschaft mochte ich noch nie, egal ob mit MS oder ohne.
Ich halte es jetzt mal mit Renate, die eindeutig formulierte, dass man auch mal "nein" sagen kann.
In diesem Sinne, herzliche Grüße
Birgit
Kommentiert von:Birgit | Montag, 16. November 2009, 15:51 Uhr
Hallo @all,
was ist aber, wenn der Ärger mit dem Kollegen, der ihm eigentlich absolut wurscht sein könnte, nur das Fass zum überlaufen gebracht hat, und eigentlich ganz andere Sorgen und Wehwehchen dahinter stecken.
Ja, ein Urteil wird oft zu einfach gefällt. Nein, ich höre weg, oder kriege echt Krämpfe, wenn jemand Sorgen hat ein Haus zu kaufen, welches 9 Garagenstellplätze hat, oder sonstso was bescheuertes...
Leider ist es so, daß wir (anscheinend) nicht dazu erzogen werden zufrieden zu sein. Die Ansprüche, denen man heutzutage nachkommen muß, was früher extra war, ist heute selbstverständlich inklusive.
Von klein auf heißt es: mach hin, trödel nicht, träume nicht, beeil dich, sonst wird das nix... die Sprüche der Mütter übernehmen dann im Prinzip die Chef´s. Nur heißt es dann: ...brauche ich zeitnah (wie ich dieses Wort hasse... wo bleibt da die kreativität... das kann doch nix werden, zumindest höchstens ein schnellschuß, aber nix richtig gutes...) oder: "wir" kriegen das hin, hauptsache es ist bald, mach mal... Gib dich nicht zufrieden, strebe nach mehr...
Abends kommt man nach Hause, ist mit verschiedenen Ergebnissen des Tages unzufrieden, die lieben Haustiere auch, und haben sich überall verewigt, nur nicht dort wo sie sollen, eines davon ist irgendwas zwischen 16 + 18 Jahre alt, und ich hadere mit mir sie dem Tierarzt vorzustellen, da der nix machen wird, weil die Holde ja sonst soweit (dem alter entsprechend (taub und halbblind)) fit ist... und bekanntlich kommt nach alt: schläd..., oder sie haben sich geprügelt, und man macht erstmal Blutflecken weg... danach hat man keine große Lust, etwas zu Essen zu machen, verkriecht sich mit Schoki... (schon wieder...), die Glotze bietet auch nur Wiederholungen, der Gatte weilt geschäftlich im Ausland, telefonieren ist immer noch teuer, also fällt nur das nötigste Wort, damit er sich nicht auch sorgt, frau will ja, daß er wieder heimkommt... (nee, nee, das macht er schon, wir kennen uns lange genug ;-)).
Wenn dann noch eine chronische Schilddrüsenerkrankung dazu kommt, die ständig wechselnde Hormonzufuhr, trotz Medikamente ständig Stimmungsschwankungen (macht nicht gerade glücklich, eher das gegenteil), gelegentlich Gereiztheit, Müdigkeit, und fehlender Antrieb und schlechte Konzentration... nein, es ist nicht so schlimm, wie Trulla, aber auch nicht immer leicht im Umgang.
Schuldenfrei... wer ist das schon, in der heutigen Zeit... und selbst die, die es sind, schaffen sich neue Sorgen... so ist das halt... und wenn es darum geht, daß irgendeine Anschaffung nicht termingerecht kommt, ein Umbau nicht pünktlich losgeht, oder die Bestellung 3 Tage zu spät eintrudelt. Stimmt. Das sind keine Sorgen, und macht mir sicher keine schlaflosen Nächte.
Der Unterschied zwischen Sein + Schein ist selten gut zu erkennen.
Sein oder Schein?
Nachdenkliche Grüße zurück
T.
Kommentiert von:T. | Dienstag, 17. November 2009, 19:45 Uhr
Zitat T.: "was ist aber, wenn der Ärger mit dem Kollegen, der ihm eigentlich absolut wurscht sein könnte, nur das Fass zum überlaufen gebracht hat, und eigentlich ganz andere Sorgen und Wehwehchen dahinter stecken."
Ich finde es ziemlich gewagt, solche Unterstellungen zu machen. So nach dem Schema "der ist tief ungluecklich im Grunde, und das, worueber er jammert, ist nur ein Symbol fuer was anderes." Fuer mich ist das ein Totschlagargument, damit man sich mit dem, worueber der andere gerade "jammert", nicht befassen muss. Sorry, aber diese Denke macht mich gerade ziemlich aergerlich. Gerade, weil ich mich von dem - vielleicht ungluecklich gewaehlten - Beispiel angesprochen fuehle. Ich jammere naemlich auch gerne ueber Kollegen. Und dabei geht es mir um...... *trommelwirbel*... die Kollegen. Und noch mal die Kollegen. Und nichts als.... die Kollegen. Wenn jetzt einer daherkaeme, und zu mir sagte "du bist ueber ganz andere Sachen zutieftst ungluecklich im Leben, denn ansonsten waeren dir die dummen Kollegen wurscht" - dann kaeme ich mir abgefertigt vor. Um es milde auszudruecken.
Kommentiert von:hsm | Freitag, 20. November 2009, 17:40 Uhr