Mein Leben mit MS

Vor einigen Jahren bekam Birgit Bauer die Diagnose Multiple Sklerose. Im Blog berichtet sie, wie die Krankheit ihren Alltag verändert.

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Fräulein Trullas Kommentar der Woche!

Liebe Leserinnen und Leser,

wissen Sie eigentlich, wie es ist, wenn man einfach vergessen wird? Fand ich mich diese Woche doch glatt auf der wackeligen Bank vor dem Haus wieder. Noch nicht einmal der Kater war da. Gut, die Bauer gab mir noch die dicke Jacke mit, aber sonst? Wie kann man mich vergessen? Das ist nicht das passende Verhalten für mich als Fräulein Trulla von Welt.

Und es ist gemein. Schließlich huste ich noch. Genau wie die Bauer, die mich zu einem Termin schleifte, dann in einen Klamottenladen, in dem es überhaupt nichts für mich gab, nur das neumoderne Zeug, und dann nach Hause fuhr und mich auf die Bank hockte und meinte: "Trullas müssen draußen bleiben!" und die Tür zuknallte.

Sie ließ sich auch von Drohungen beeindrucken. Zuckte nur mit den Schultern, völlig unbeeindruckt. Dann hustete sie und vergrub sich hinter ihrem Computer, um an einem Text zu arbeiten. Arbeiten! Die Bauer soll nicht arbeiten. Noch nicht mal das kann sie beherzigen. Kaum lasse ich ihr ein wenig Freiraum, schießt sie los und trifft andere  Frauen, die genauso sind wie sie, tauscht sich aus und macht und tut und lässt sich von einem Kribbeln nicht beeindrucken. Und ich muss immer mit! Immer! Sie zwingt mich ja geradezu. Wenn ich dann mahnend in ihrem rechten Daumen wüte, gönnt sich meine Gastgeberin zwar etwas Ruhe und liest, aber abhalten vom Leben? Nein! Kann ich nicht.

Die Bauer ist zäh. Und so oft ich ihr eins drüberziehe, so oft steht sie wieder auf. Die dreht den Spieß immer wieder um. Hätte ich gewußt, dass der Job hier so hart wird, hätte ich mir das noch einmal überlegt. Denn so war das nicht ausgemacht mit der Zentrale. Jetzt steh ich da. Äh, ich sitze. Zu oft auf der Hausbank. Manchmal mit dem Kater, der aber ganz oft ins Haus darf. Und weil das Vieh verfressen ist, wird er blitzschnell, wenn die Haustüre einen Spalt aufgeht. Dem komme ich nicht hinterher. Manchmal sitzt er auch auf dem Küchenfensterbrett und maunzt laut. Selbst das funktioniert. Als ich laut maunzend vor der Haustüre saß und mich als Kater tarnte, kam per Gegensprechanlage der Befehl, ich solle aufhören, wie ein Rudel Wölfe auf Droge zu heulen.

 Selbst Herzblatt schubst mich immer weg. Und ich bleibe weiter, draußen vor der Tür. Dabei hätte ich mir doch nur ein wenig Ansprache und Familienanschluß gewünscht. Heute muss ich wieder mit. Zum Netzwerktreffen mit vielen anderen Frauen. Vielleicht sind ja da andere Fräulein Trullas unterwegs und ich finde eine Freundin? Man kann ja nie wissen, aber dieser Tag wird lang und ich muss mir ernsthaft überlegen, ob ich der Bauer morgen einen freien Erholungstag gönne, oder ob ich sie ein wenig zwicke. Denn nett war sie diese Woche nicht zu mir.

Mit meinen besten Grüßen

Fräulein Trulla

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Kommentare

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Hallo Fräulein Trulla,
ehrlich, nein, Leid haben Sie mir noch nie getan... ich mag sie ja am liebsten, wenn Sie so hadern und mit der Welt und der Bauer unzufrieden sind. Und im Vertrauen: Kater, also Katzen allgemein können Trullas auch nicht ab, ist einfach so, und Herzblatt kommt gleich hinterher... so ist es im Leben... wie heißt es so schön: Das Leben ist kein Wunschkonzert... auch nicht für Trullas.

Also, ich verrate Ihnen mal was: psssst: die Bauer, die schaffen Sie nicht... zumindest wird es auf jeden Fall eine Lebensaufgabe... sind Sie sich dessen überhaupt bewusst? Und wenn Ihr Tempo zu schnell ist, halten Sie das eh nicht durch...

Viele Grüße (aber nur ausnahmsweise!!)
T.

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