Ein geschenkter Gedanke ...
Liebe Leserinnen und Leser,
wenn mir jemand mit der Behauptung kommt, mich heilen zu können, gehe ich gerne an die Decke oder hege perfide Mordtheorien. Das Wort "heilen" hat so eine tiefe Bedeutung, so eine krass gute Aussage und es sagt eben auch, dass man, im Zusammenhang mit Trullabewirtern, die MS quasi ausrotten, wegkurieren und nachweislich eben verschwinden lassen kann. Heilen eben.
Leider ist MS immer noch nicht heilbar. Würde man das können, wären wir alle, die wir MS haben in wenigen Wochen komplett gesund. Und wer sich erinnern kann, die Gutmeiner, Ratschläger und Haderer können einen ja auch immer heilen. Mit Gesundheitstees und anderen übel riechenden Tinkturen und Säftchen. Unter anderem waren sie es, die mir diese Allergie angehängt haben, was das Wort "heilen" betrifft.
Vor einigen Tagen hatte ich Kontakt mit einer sehr netten Frau, die ich ins neue Netzwerk einlud. In meinem Profil auf einer Netzwerkplattform stand bis vor einigen Tagen auch, dass ich eine Auszeit nehme und meine Reha anfange. Reha heißt für mich, dass ich als Selbstzahler in die nahe Therme gehe und meine Behandlungen selbst bezahle, mir aber auch so selbst helfe, weil ich das Programm kriege, das mir gut tut. Verordnungen kriege ich nur selten und die, die ich gerne hätte, die kriege ich ja sowieso nicht.
Die Dame, die mich nur von dieser Plattform her kennt, fragte nach und ich erwiderte offen, was Sache war. Schub und jetzt das Wohlfühlprogramm. Kurz darauf bekam ich erneut Post. Sie könne mich heilen, wenn mein Geist flexibel ist und ich für neue und alternative Methoden aufgeschlossen wäre. Es war ein gut gemeintes und sehr motiviertes Angebot, das ich auch zu schätzen weiß, aber in Verbindung mit "heilen" reagiere ich eher verhalten.
Würde man mich heilen wollen, wie ich schon sagte, würde man mir die MS quasi abnehmen. Ich hätte Trulla nicht mehr. Und bei aller Aufgeschlossenheit, kommen wir doch an den klassischen Diagnosemöglichkeiten nicht vorbei und an der Tatsache, dass man eben immer noch zu wenig über die Krankeheit weiß, auch nicht wirklich.
Ich schrieb eine Antwort, in der ich das sagte und hinzufügte, dass ich trotz MS gut lebe. So als schwarzes Schaf war ich in der Lage vpr Jahren damit anzufangen, das Leben anzunehmen, wie es eben ist und das beste aus der Sache zu machen. Mein Leben macht mir trotzdem Spaß. Warum auch nicht? Und ich schickte die Frau hierher. Aufs Blog. Meine unterschwellige Botschaft war: Lern mich kennen. Schau mich an, ich lebe, mit MS und ich lebe gut. Weil ich das nehme, was mir geschenkt wurde und es so zurechtschneide, dass es mir passt. Und mein Leben passt mir richtig gut. Nicht so wie die Stiefel, von denen ich träumte und für die meine Waden zu füllig sind. Aber das nur nebenbei. ;-)
Was dann kam war mehr als spitze. Es war genial. Ich bekam einen geschenkten Gedanken. Wie?
Die Frau las, nahm mich war. Verschaffte sich einen Eindruck. Ich glaube, ich konnte sie bewegen, vielleicht sogar ein oder zwei Perspektiven verändern. Ich freute mich und als sie mir schrieb, dass sie einfach gut drauf war und sich wie ein Elefant im Porzellanladen fühlte, nachdem sie hier war. Ihre Motivation war Begeisterung und die lässt uns alle dann und wann über das Ziel hinausschießen. Als sie sich für ihr vorschnelles Schreiben sogar noch entschuldigte, war das etwas, was mich anrührte. Denn endlich hatte jemand verstanden. Mir zugehört. Mich wahrgenommen und sich Gedanken gemacht. Mir eben den Gedanken geschenkt.
Und ich hoffe, dass das keine Ausnahme bleibt. Denn es ist schön, auch mal nicht mit "heilsamen" Ratschlägen eingedeckt zu werden, sondern einen Gedanken mehr wert zu sein. Denn genau das ist es, ein geschenkter Gedanke, der zu soviel mehr führt.
Denn am Freitag treffe ich die Frau, wir kamen wieder ins Gespräch und freuen uns auf unser erstes Date! Ich bin sehr gespannt und neugierig und habe ein wirklich gutes Gefüh!
Also, wann immer man einen Gedanken mehr verschenken kann, kann man damit Freude machen. Sehr sogar. Sie sind die Kleinigkeiten, die einem anderen doch so oft mehr wert sind, als jedes große Geschenk!
Liebe Grüße
Birgit
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