Wo waren die alleinerziehenden Mütter?
Einen Einblick in die "schöne neue Scheidungswelt" versprach gestern die Talksendung von Anne Will. Es ging um das neue Unterhaltsrecht, das ab kommendem Jahr in Kraft treten soll. Unter anderem sollen nicht verheiratete und verheiratete Frauen gleichgestellt werden und die "nacheheliche Eigenverantwortung" gestärkt werden - sprich, geschiedene Mütter sollen wenn möglich wie ledige Mütter nach drei Jahren ihr Geld selbst verdienen.
Schade nur, dass ausgerechnet die am meisten Betroffenen - geschiedene Mütter und Kinder, die auf Unterhalt angewiesen sind - nicht vertreten waren.
Es wäre interessant gewesen zu hören, was dieses Gesetz für
sie bedeutet. Ihre Rolle übernahm lediglich Marie Theres Kroetz Relin, Tochter
von Maria Schell und Ex-Ehefrau des Regisseurs und Schauspielers Franz Xaver
Kroetz. Sie erklärte, dass sie als erfolgreiche Autorin selbst für ihren
Unterhalt aufkommen kann.
Schön für Frau Kroetz Relin - aber was ist mit den Frauen,
die das nicht können? Gerne hätte man erfahren, wie sich die geplante Änderung
des Unterhaltsrechts auf diese Frauen und ihre Kinder auswirkt. Statt dessen
erfuhren die Zuschauer, wie die "glückliche Scheidung" bei Familie
Kroetz ausgesehen hatte, und dass Tochter Josephine sich riesig über die zwei
Paar Jeans gefreut hatte, die sie sich kaufte, während ihre Eltern vor dem
Scheidungsrichter saßen. Josephine erzählte so enthusiastisch von der Trennung,
als gäbe es kein schöneres Erlebnis. Als Zuschauer fragt man sich zwangsläufig,
was das mit der Scheidungsrealität zu tun hat - aber zwei so hübsche Frauen wie
Mutter und Tochter Kroetz wollte sich Anne Will als Gäste offensichtlich nicht
entgehen lassen.
Auch sonst ging es in der Sendung eher am Rande um die
Schwierigkeiten der Betroffenen und um das geplante Unterhaltsrecht. Anne Will
schien viel mehr an quotensteigernden Ausrutschern ihrer Gäste interessiert.
Das erklärt auch, warum Prinz von Preußen, Ururenkel von Kaiser Wilhelm II, in
der Sendung auftauchte. Mit aufrechter Haltung und perfekt gebundener Krawatte
vertrat er die Seite der Konservativen - und musste sich Fragen gefallen lassen
wie "Sollte man Scheidungen Ihrer Ansicht nach ganz verbieten?" Ein
"Ja" hätte sicherlich lautstarke Empörung in der Runde ausgelöst -
doch den Gefallen tat er Anne Will nicht.
Zum Weiterlesen:
Liebe Frauen, Mütter, Ex-Ehefrauen etc.,
als geschiedene und alleinerziehende Frau und Mutter möchte ich mal auf einen ganz anderen Aspekt aufmerksam machen, der mir immer viel zu wenig bzw. fast gar nicht in den Diskussionen angesprochen wird: die faule und bequeme Frau, die sich zu gerne von ihrem Ex-Mann auf dessen Kosten bezahlen läßt. Ich habe einige solcher Frauen kennen gelernt, die es überhaupt nicht einsehen, arbeiten zu gehen, wenn sie doch ein Recht auf Unterhalt haben. Sie verbringen den Tag mit Shoppen, Freundinnen treffen etc. - klar, die kleinen Kinder dienen bis zum Schulalter oder pubertären Alter als gutes Alibi - aber kriegen trotzdem häufig nur Fastfood zu essen. Ich habe von Anfang an mein Geld selbst verdient - es war hart und ich habe natürlich auf Unterhaltsleistungen für mein Kind bestanden und diese auch regelmäßig erhalten. Klar gibt es auch Väter, die ihren Verpflichtungen nicht nachkommen, das will ich gar nicht schönreden, aber ich finde, dass o.a. Situattion einfach in der Diskussion fehlt. Ich bin auch nicht dafür, dass Mütter wieder früh vollzeit arbeiten gehen, ich habe eben auch Abstriche machen müssen, und erstmal nur TZ gearbeitet und ich würde jede/r Mutter raten, soviel Zeit wie nur irgend möglich mit dem Kind zu verbringen, denn die Zeit ist unwiederbringlich verloren. Mütter, deren Kinder in den Kindergarten gehen können (ab 21/2 oder 3 Jahren) sollten m.E. versuchen, wieder arbeiten zu gehen. Ich spreche nicht von Frauen mit mehr als drei Kindern - da sieht die Angelegenheit auch wieder anders aus. Die Familienbilder sind so individuell aber die Diskussion wird häufig viel zu einseitig geführt.
Kommentiert von:Carola | Dienstag, 6. November 2007, 9:39 Uhr