Rascheln und Rauschen

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Kuschelsender ARD: Schmidt & Pocher

Es würde eine Vereinigung schier unvereinbarer Gegensätze werden: Deutschlands Vorzeige-Intellektueller Harald Schmidt macht mit Deutschlands Vorzeige-Proll Oliver Pocher gemeinsame Sache, um seine quotenschwache Late Night Show aufzupäppeln. Eine Killer-Kombination, die mediales Aufsehen erregte: Klug und dumm, alt und jung, ARD und Pro7 würden schmerzhaft aufeinander prallen. So sah es nicht nur "Spiegel online", so sah es eigentlich jeder: "Als würde man Aldi-Brause ins Champagner-Regal stellen" ...

Schmidt_und_pocher_4Die ARD-Late-Night-Show "Harald Schmidt" heißt seit gestern "Schmidt & Pocher". Seinem Namen Ehre machend, hatte Pocher auf eine gleichberechtigte Stellung bei Titel und Inhalt gepocht - schließlich habe er keine Lust auf die "Manuel-Andrack-Situation," also auf die Rolle der Randfigur, ließ er vermelden.

Umso überraschender, als bei der Premiere von "Schmidt & Pocher" nur der Ältere auf die Bühne tritt und die erste viertel Stunde ganz allein bestreitet, in gewohnter Stand-up-Manier: Es geht um steigende Strompreise, Kurt Beck, die gescheiterten Promi-Beziehungen der Woche, Champions League. Alles dabei, alles schon gehabt, ein "satirischer Wochenrückblick", wie von der ARD versprochen.

>>Bilderstrecke: So war's bei Schmidt und Pocher

Danach kommt Pocher als Michael Jackson auf die Bühne gemoonwalked, seine ersten Worte "Beruhigen Sie sich!" zum freundlich applaudierenden Publikum. Am Schreibtisch mit Schmidt folgen einige mehr oder weniger gute Gags, ein Schlagabtausch am "Nazometer", der verdächtige Begriffe wie "Autobahn" detektiert, dazwischen Einspieler, unter anderem zur gescheiterten Beziehung Kurt Becks ("Beck und Müntefering trennen sich - denn aus Freundschaft wurde Liebe").

Schmidt mag seine Neuanschaffung Pocher, er lacht und nickt betont wohlwollend zu ihm hinüber, wie er da neben ihm sitzt und seine Witze spricht. In jeder Minute ist klar, wer Meister und wer Lehrling ist - ersehnte Gleichberechtigung hin oder her. Im Einspieler mit Kabarettist Eckart von Hirschhausen kriecht Pocher vor Schmidt förmlich auf dem Boden. Und als sich Premieren-Gaststar Günther Jauch die letzten fünf Minuten zum Duo Infernale dieses Fernsehabends gesellt, sitzt Pennäler Pocher in Schmidts Rücken und darf in den Dialog der Älteren einwerfen, "Ich darf auch noch was fragen ...".

Aber alle haben sich lieb, alles ist flauschig und erinnert irgendwie an die guten alten Zeiten beim Kuschelsender Sat.1, als die Late Night noch in Ordnung war: das Studio wirkt groß wie damals, die Sendezeit wurde auf eine Stunde gedehnt und Helmut Zerlett ist auch wieder dabei. Schmidt trägt Weiß mit Rosa, wiederholt ist vom Kuscheln und Knuddeln die Rede (Schmidt zu Pocher: "Ich würde dich ja jetzt gern knuddeln, aber ich habe Angst, dass du mir den Rotz an den Mantel schmierst"). Wie damals bei Sat.1 gibt es wieder jede Menge Einspieler und am Schluss einen Gast. Nur Manuel Andrack, Nathalie Licard und die anderen Helferchen fehlen, und Schmidt sitzt jetzt nicht mehr alleine, sondern zu zweit am Schreibtisch, glucksend und strahlend. Da sieht man wieder: Gegensätze ziehen sich an. Nach Trennung sieht das vorläufig nicht aus - es sei denn, aus Freundschaft würde Liebe.


>> Bilderstrecke: So war's bei Schmidt und Pocher

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