Rascheln und Rauschen

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Danke für den Strom, Herr Bernotat!

Gestern kündigte Marktführer E.on an, im Januar die Strom- und Gaspreise zu erhöhen. Verbraucherschützer und Bürger regen sich auf, aber warum eigentlich? Schließlich ist die Stromversorgung von Privathaushalten etwas Herrliches ...

Unser Problem sind nicht die steigenden Energiepreise, sondern unsere Undankbarkeit: Wir haben uns schon so sehr an eine reibungslose Stromversorgung gewöhnt, dass wir sie gar nicht mehr zu schätzen wissen. Wulf Bernotat, Vorstandsvorsitzender der E.on AG, hat das erkannt und rückte uns Bürgern den Kopf zurecht. Gestern sagte er im heute-journal über die Vorzüge der Strom- und Gasversorgung: "Jeder Bürger braucht das Produkt, er nimmt es nicht mal wahr, er kriegt es geliefert und muss dann am Monatsende oder Jahresende die Rechnung dafür bezahlen. Er kauft sich damit sehr viel Komfort und Bequemlichkeit, und insofern, denke ich, ist es das Geld allemal wert, was der Bürger dafür bezahlen muss."

Ich finde, Herr Bernotat hat recht. Wir sollten dankbar sein für das, was wir von seinem Konzern bekommen: Wir bekommen den Strom ins Haus geliefert. Einfach so. Wir müssen nicht eigenhändig in der Erde nach Uranerz wühlen, wir müssen keine Kraftwerkslatrinen schrubben oder Leitungsschächte buddeln. Am Ende eines jeden Monats zahlen wir lediglich eine Rechnung. Die kann ruhig hoch sein. Denn: "Für das, was Strom an Lebensqualität bietet, ist Strom eigentlich zu billig", so Bernotat in einem älteren BILD-Interview, und fügt hinzu: "Wenn wir ehrlich sind." Und ehrlich wollen wir selbstverständlich bleiben.

Ich hätte da auch noch eine Geschäftsidee für den E.on-Chef, falls ihm sein Jahreseinkommen von mehr als 5 Millionen Euro einmal nicht mehr reicht. Luft zum Beispiel. Luft erhöht die Lebensqualität ungemein. Mehr noch, ohne Luft könnten wir gar nicht leben! Ein schier unbezahlbarer Komfort, der uns da geboten wird. Aber, Herr Bernotat, Ihnen fällt sicher eine angemessene Preispolitik für die Luft ein. Ich bin da ganz zuversichtlich, es gibt schließlich auch Leute, die sind mit dem Verkauf von Wasser in Flaschen reich geworden. Und falls es mit der Luft doch nicht klappen sollte: Einer erneuten Erhöhung Ihrer Bezüge für Ihren unermüdlichen Einsatz bei der Stromversorgung steht sicher nichts im Wege. Bei dem Komfort, den Sie uns bieten!

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Kommentare

Sehr schön! Die endlosen Preiserhöhungen der Stromkonzerne zeigen wieder einmal, dass Allgemeingüter wie Wasser-, und Energieverorgung ebenso wie Bahn und Krankenhäuser nicht privatisiert werden dürfen. Wir sollten uns viel mehr dagegen wehren!

Gute Idee, Luft zu verkaufen! Da sollte man wirklich mal drüber nachdenken lassen. Von so geschäftstüchtigen Managern wie dem oben genannten.
Und was den Strom betrifft, so bin ich wirklich täglich dankbar. Aber nicht Eon gegenüber, sondern der Konkurrenz von denen. Sie geben mir den Strom ein bisschen billiger. Aber wirklich nur ein bisschen...

Jaja, das Leben ist teuer.
Ein Kollege von mir ist Iraner und erzählte mir, das Erste was ihn an Deutschland überrascht hat, als er zum Studieren herkam, war...nicht die Landschaft, nicht die Großstädte, nicht die Lebenseinstellung der Menschen, sondern...
dass Trinkwasser Geld kostet.

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