Rascheln und Rauschen

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Liebe Eva Herman,

...auch als Mann finde ich es schön, dass Sie sich weiterhin so viele Gedanken um die deutsche Frau und ihre Lebensaufgabe machen. Leider ist Ihnen da aber letztens ein kleiner Fehler unterlaufen, als Sie das Modell "Nationalsozialismus" zum Vergleich heranzogen.

Nein, nicht, als Sie als Beispiel für die weniger schönen Aspekte des Faschismus Adolf Hitler nannten - das war schon okay. Ich persönlich hätte Völkermord und Genozid anschaulicher gefunden, aber jeder so, wie er mag.

Es war vielmehr Ihr Verweis auf die Ihrer Ansicht nach gelungene Familienpolitik der Nazis, der hinterfragungswürdig ist. Ich will Ihnen jetzt nicht die Freude an hübschen Mutterschaftsorden madig machen - an Ihnen würde das auch gewiss todschick aussehen. Aber um die von Ihnen als moderner Zwang gescholtene Berufstätigkeit kamen auch Nazi-Frauen nicht herum, auch wenn Sie sich das so vorstellen.

Dabei meine ich jetzt nicht einmal die vielen, vielen Frauen die zur Zwangsarbeit in der deutschen Rüstungsindustrie gezwungen wurden. Nein, auch die gute deutsche Hausfrau musste mehr als nur Kinder kriegen. Glauben sie nicht? Die mussten ran, und wie:

Himmler, Posener Rede 1943:

"Wenn mir einer kommt und sagt: „Ich kann mit den Kindern oder den Frauen den Panzergraben nicht bauen. Das ist unmenschlich, denn dann sterben sie daran“, – dann muss ich sagen: „Du bist ein Mörder an Deinem eigenen Blut, denn, wenn der Panzergraben nicht gebaut wird, dann sterben deutsche Soldaten, und das sind Söhne deutscher Mütter. Das ist unser Blut.“

 Ich will mich nicht als Frauenversteher aufspielen - meine Frau zumindest mag ihren Bürojob lieber als Panzergräben auszuschaufeln. Aber da sind Sie gewiss sportlicher.

 Auch die Zwangssterilisationen von Menschen mit potentiellen Erbkrankheiten würde ich als familienpolitische Maßnahme ungern wieder einführen (stellen Sie sich mal vor, was da für Kosten auf die Krankenkassen zukämen!). Und die umfangreichen Heiratsverbote für Deutsche mit diversen Nicht-Deutschen können familienpolitisch ja wohl auch nicht in Ihrem Sinne sein - Sie wollen ja schließlich mehr Familien, oder? Ich habe Ihr Buch zugegebenermaßen nicht komplett gelesen – vielleicht widersprechen derartige Ehen dem von Ihnen angeführten Schöpfungsauftrag?

Aber am allerwichtigsten: Wissen Sie überhaupt, was Joseph Goebbels im Sportpalast über deutsche Frauen gesagt hat?

 "Was sollen Frisiersalons, in denen ein Schönheitskult gepflegt wird, der ungeheuer viel Zeit und Arbeitskraft beansprucht, [:::]. Unsere Frauen und Mädchen werden einmal unseren siegreich heimkehrenden Soldaten auch ohne friedensmäßige Aufmachung gefallen. (Beifall.)"

 Frau Herman! Lassen Sie das erstmal sacken. KEINE FRISIERSALONS!

Jetzt ist Ihnen der Nazi-Vergleich schon ein bisschen peinlich, gell? Naja, Schwamm drüber - Sie haben ja nun nach Ihrer NDR-Kündigung ausreichend Zeit für Geschichts-Nachhilfe.

Und vielleicht stellen Sie bei der Gelegenheit fest, dass es auf Dauer doch gar nicht so erfüllend ist, sein Leben in den Dienst von Familie und Haushalt zu stellen. Ich würde es Ihnen wünschen!

Ihr

 Henning Hönicke

 

 

 

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Kommentare

Ich weiß, ich habe den Kommentar gerade schon mal so ähnlich geschrieben, aber bevor Frau H. Mutter wurde verkündete sie, sie wäre ihrer Arbeit so sehr verbunden, dass sie im Falle der Mutterschaft unbedingt weiterarbeiten wolle und sei es nur um das Kindermädchen bezahlen zu können.
Das fand ich damals auch "ziemlich beknackt", zeigt aber doch wenigstens, dass Frau H. sich geändert hat, aber wohin hat sie das gebracht?

Oh, kein Frisiersalon!
Dann muss ihre blonde Mähne verschwinden.
Und sie hat ihr Blondhaar zum Kranze zu winden.
Oder sich links und rechts zwei Schnecken
über ihre tauben Ohren zu stecken.
Würde ihr wohl auch nicht so gefallen.
So schätz' ich sie auf jeden Fall ein. Was Recht ist muss Recht bleiben. Ohne sie verteidigen zu wollen.
Man spricht oft ins Unreine. Wir alle. Oder man schreibt es gar ins Unreine. Wir alle. Manchmal hat man keine Chance, es nochmal zu verbessern. Dann steht's dann geschrieben. Wieso keinem Lektor die Entgleisungen aufgefallen sind. So, wie vielen damals auch nix aufgefallen ist (nur damals?) und viele der alten Mitläufer-, Zuschauer- und Täter-Generation noch in den Achtzigern "der Jude", "der Russe" oder die "Neger", die Zigeuner" ect. gesagt haben. Oder es gar noch heute tun. Das findet Frau Herman sicher auch nicht so normgerecht. Aber ihre fixe Hausfrauenidee macht sie blind und taub für die schlimmen Realitäten von gestern und heute. Von letzterer ist sie nun selbst ein Teil geworden. Eine andere Frau Herman, verheiratete Samuel - Vivette Samuel hat ein Buch über die Rettung der jüdischen Kinder aus den Transitlagern Frankreichs vor der drohenden Deportation geschrieben: "Sauver les enfants". Gibt's auch in deutscher und englischer Ausgabe. Wie gut, dass einige wenige Mutige den Kindern aus der Hölle von Hitlers "Familienpolitik" geholfen haben. Und es gibt x Beispiele, wie an anderer Stelle angedeutet, die zeigen, wie Eltern sich fühlen, die von ihren Kindern getrennt wurden, die der Trennung zustimmen mussten, weil es EVENTUELL für die Kinder besser sein könnte, und wie nicht immer alle gerettet werden konnten ... oder wie die Geretteten lebenslang mit dem Verlust ihrer Familie und/ oder mit den Alpträumen aus den Lagern konfrontiert sind.
Ich höre jetzt auf, denn an diesem Fall habe ich wirklich verstanden, was die den Holocaust überlebende Cellistin Anita Lasker-Wallfisch meinte, als sie in einem Interview forderte, dass wir den Holocaust nicht unter eine Glasglocke wie den Dreissigjhrigen Krieg verbannen sollten. Vielleichthaben wir am Beispiel von Eva Herman gelernt, wie schnell man ausrutscht, wenn man die Geschichte unter eine Glasglocke stellt. ("Es war wirklich eine grausame Zeit, aber ...")

Es hat mich einfach nur gefreut! Welch unfassbares Glück, dass es neben all dem Teror, dem Geschiebe auf dem politischen Parkett und dem Papst in Österreich auch noch gute Nachrichten auf dieser Welt gibt. Man schickt sich strohdumm gebende (die Strategie dahinter blieb mir leider bislang verborgen) oder strohdumm seiende (für den Fall, dass es keine Strategie gibt) Damen zurück zu Heim und Herd, Kirche, Kinder, Küche, allzeit bereit zurück zum lieben Ehemann damit sie weiter sinnieren können über Volkswohl und Mutterglück. Welch Glück! Nun kann man mit dem Eingesparten vielleicht einmal wieder etwas mehr Hirn im Fernsehn zeigen.

Heike

Mich verwundert immer wieder , dass diese Frau Wein trinkt und Wasser predigt.
Mehrmals verheiratet und geschieden, dazwischen Beziehungen ohne Trauschein, ein Sohn der 10 Jahre alt wurde mit einer berufstätigen Mutter.
Um nicht falsch verstanden zu werden. Es soll jeder die Beziehungen führern die er möchte, es soll jede Mutter berufstätig sein können wenn sie will oder muss. Aber zu behaupten, Kinder sind nur dann glücklich, wenn Muttern zuhause sitzt und Beziehungen funktionieren nur dann, wenn ein Mann ein Mann (häh?) sein darf, ist schon sehr einfach gestrickt.

@Heike: Ich glaube, hier möchte man mit solchen Bemerkungen über eine der dunklesten Zeiten in Europa nur Geld scheffeln. Strohdumm oder sich dummstellen ist ja an sich kein Verbrechen. Aber mit solchen Aussagen Geld zu verdienen (wollen) - ist schlicht und einfach ein Verbrechen, dass auch angeklagt werden sollte.

Trixi

Hallo Brigitte-Redaktion,

wo ist den der Blog von Annie geblieben? Das war mein Lieblingsblog! Und sie hatte doch erst kuerzlich angefangen zu schreiben! Jetzt wurde der Blog kommentarlos von der Seite geworfen.

Vielen Dank

Liebe Anne,

der Weblog wurde auf ausdrücklichen Wunsch von Annie beendet. Sie hat darum gebeten, dass wir den Blog löschen, damit er nicht mehr bei Google zu finden ist. Daher das sang- und klanglose Verschwinden.

Herzliche Grüße,

Brigitte.de

Hallo Brigitte-Redaktion,

gibt es zum Verschwinden des Blogs von Annie eine Aufklärung über die Hintergründe oder die Motive? So geht man doch nicht mit LeserInnen um - oder?

Ratlose Grüße
Manon

Ich kann mich Manon nur anschließen.
Warum, wieso, weshalb auf einmal??? Nur damit er bei goggle nicht mehr zu finden ist???
Das kann doch nicht alles sein.

Das verstehe ich nicht!

Genauso ratlose Grüße
Heike

Liebe Leserinnen,

wir kennen die Gründe für das Ende des LA-Blogs leider auch nicht. An uns wurde lediglich der Wunsch herangetragen, den Blog schnellstmöglich zu löschen. Wir hatten Annie noch vergeblich um einen Abschiedseintrag gebeten. Letztlich blieb uns nichts anderes übrig, als ihre Entscheidung zu respektieren - wir können unsere Bloggerinnen ja nicht zwingen, weiterzuschreiben, wenn sie das nicht mehr möchten.

Herzliche Grüße,

Susanne Arndt
Brigitte.de-Team

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