Eigentlich wollte ich nur Tiefschneefahren lernen, als ich
mich für den Kurs in der Schweiz anmeldete. Ich ahnte nicht, dass ich von
unserem Skilehrer auch noch eine Gratis-Nachhilfestunde in Sachen Emanzipation
bekommen würde.
Unsere Gruppe saß nach einem anstrengenden Skitag gerade
beim Abendessen. Da erklärte unser Skilehrer vollmundig, er sei im Grunde
genommen ein Feminist. Außerdem sei er ein großer Fan von Alice Schwarzer: „Eine
ganz tolle Frau!“ ….
Warum er sich für einen Feministen hält, erfahre ich nicht.
Er ist zu beschäftigt, mit den zwei Frauen vom Nachbartisch zu schäkern. Vorher
hat er mir noch erzählt, dass er unsere Gesellschaft für egoistisch hält. Die
Menschen interessierten sich nur noch für die Rendite, sagte er, sie seien
nicht mehr bereit, Kinder in die Welt zu setzen oder ihre Eltern zu pflegen.
Argumente, die man von Schirrmacher & Co. (Der Untergang, Teil 348) inzwischen zur Genüge kennt. Der Unterschied: Schirrmacher würde sich nie als Feminist bezeichnen.
Während der selbst erklärte Alice-Schwarzer-Fan also über
die soziale Kälte wettert und nebenbei flirtet, sitzt seine Frau zu Hause und
kümmert sich um die Kinder. Daran kann er nichts ändern, schließlich muss er
dafür sorgen, dass das Brot auf den Tisch kommt. Alles nur der Familie zuliebe,
versteht sich.
Bequem ist das. Und beneidenswert. Das findet auch Annette
Anton, die sich in der aktuellen EMMA (März/ April 2007) ihr "Leben als
Mann" vorstellt. Die Zeitschrift fällt mir ausgerechnet nach der Rückkehr
aus besagtem Skiurlaub in die Hände. Die Autorin erklärt in dem Artikel, sie würde sich sofort an die Zeugung von ein,
zwei Kindern machen, hätte sie zu Hause eine nette Frau, die sich um den
Nachwuchs kümmert. Sie selbst könnte dann - leider, leider - keine berufliche
Auszeit nehmen. Die Karriere, Sie verstehen.
Die Karriere macht sie natürlich nur der Familie zuliebe. Für
die Kleinen, denen sie abends, vor dem Einschlafen, zehn Minuten etwas
vorliest, und mit denen sie am Wochenende schwimmen geht. Die ihr den
Lebenssinn geben, von dem sie dann den „karrieregeilen, egoistischen Frauen“
ohne Kind erzählen könnte, mit denen sie abends einen Wein trinken geht - während
ihre Frau zu Hause Tränen trocknet und Windeln wechselt. Was für ein
entbehrungsreiches Leben! Karrieregeil? Egoistisch? Als Vater würde ihr das
niemand nachsagen.
Danke Annette Anton, danke EMMA. Ich werde den Artikel gleich
an den Alice-Schwarzer-Fan schicken. Mal sehen, ob er sich dann immer noch als
Feminist bezeichnet.
Köstlich! :)
Kommentiert von:Karen | Montag, 2. April 2007, 12:17 Uhr
Ja, wirklich köstlich.
Gab es schon eine Antwort vom Alice-Schwarzer-Fan?
:-)
Kommentiert von:Manon | Samstag, 7. April 2007, 10:18 Uhr
Der Alice-Schwarzer-Fan hat Glück - er sitzt gerade auf einer einsamen Hütte in den Bergen - ohne Internetanschluss. Vielleicht erfahren wir nach seiner Rückkehr mehr...
Kommentiert von:Monika_Herbst | Dienstag, 10. April 2007, 14:15 Uhr
Typisch Mann, meint er könne damit Eindruck bei den Frauen schinden, wenn er sich als Feminist erklärt, oder was?
Wahrscheinlich hat der mehr Angst vor Frauen, als ihm lieb ist.
Wohl auch kein Wunder...
Kommentiert von:Petit amusé | Freitag, 11. April 2008, 14:31 Uhr