Das Thema Frauenrechte ist wieder aktuell: Viele Frauen fordern sie
ganz selbstverständlich ein. Das ist super. Was mir jedoch sauer
aufstößt, sind die neuen Bücher, die weibliche Lebensentwürfe zeichnen. Oder vielmehr:
die Titel ...
"Die neue F-Klasse. Wie die Zukunft von Frauen gemacht
wird" (Thea Dorn), "Die Schule der Frauen. Wie wir die Familie neu
erfinden" (Iris Radisch), "Mütter, euer Feind ist weiblich"
(Cornelie Kister) oder ganz aktuell: "Schwestern - Streitschrift für einen
neuen Feminismus" (Silvana Koch-Mehrin).
Hinter so manchem Buchdeckel mag sich
ja Geistreiches verstecken. Doch die Titel der Bücher trainieren eher die
Lachmuskeln als in den Köpfen der Menschen etwas zu bewegen.
Der Gipfel der verkrampften Titellandschaft ist dieser:
"Wir müssen unser Land für die Frauen verändern". Familienministerin
Ursula von der Leyen hat das Buch zusammen mit Maria von Welser geschrieben.
Hat sich die frühere Fernsehmoderatorin von "Mona Lisa" diese Überschrift
ausgedacht? Das klingt nun wirklich nach lila Latzhose.
Vielleicht dient der Satz aber auch nur dazu, dass man
reflexartig das Buch aufklappt. Weil man den Titel nicht länger ertragen kann.
Und siehe da: Der Text ist lesbar. Es ist sogar richtig spannend zu verfolgen, wie die
Familienministerin Politik macht. Erst versucht sie das Vertrauen der Leser zu
gewinnen, indem sie wie eine Freundin ihr Leben vor ihnen ausbreitet. Das als
"Röschen" begann - so nannte sie der Vater - und als
"Familientier" - so nennt sie sich selbst - noch lange nicht endet. Wie
nebenbei flicht sie in die Erzählungen ihre politische Vision: Das Elterngeld
war nur der erste Schritt. Wenn die Kommunen nicht mehr Kita-Plätze schaffen, wird
es einen Rechtsanspruch darauf geben, und so weiter und so fort.
Das ist guter Lesestoff.
Noch schlimmer als der Titel ist aber der Klappentext. Dort steht: "Modernes Frauenleben statt
Eva-Prinzip". Auch die Ministerin ist auf den gewinnbringenden
Anti-Eva-Zug gesprungen. "Das war eine Idee des Verlags", verteidigte
sich Maria von Welser während der Buchvorstellung in Berlin. Das macht es auch
nicht besser.
Diese
Anti-Eva-Bücher nerven ganz besonders. "Eva go home" von Désirée Nick zum Beispiel. Dieser Titel löst
nur einen Wunsch bei mir aus: Désirée go home! Und Eva selbst kann es auch
nicht lassen. "Liebe Eva" nennt Eva Herman ihr aktuelles Bändchen, in
dem sie ihre Leser schreiben lässt, wie sehr sie sich durch sie verstanden fühlen
- oder eben missverstanden. Da ist Frau Herman fair: Auch bei ihr kommt die
Anti-Eva-Seite zu Wort.
Ursula lässt sich wenigstens nicht direkt auf eine
Schlammschlacht mit Eva ein. Dafür stichelt Maria: "Fernsehansagerinnen
lassen ganze Bücher über die natürliche Bestimmung der Frau schreiben, im Hause
zu walten und die Blumen in der Vase zu richten." Da weiß doch jeder, wer
gemeint ist. Die Frauen mögen sich halt nicht. Dabei passt Mutter von der Leyen
eher in die Traumwelt von Eva Herman als die Ex-Tagesschausprecherin selbst.
Das "Familientier" sieht es nur nicht als ihre natürliche Bestimmung,
sich allein der Familie hinzugeben. Sie will mit dem Mann teilen. Die Last, und
wie sie selbst sagt, auch die Lust.
Und wenn das nicht funktionieren sollte, gibt es ja noch weitere
Titel: "Das weibliche Gehirn. Warum
Frauen anders sind als Männer" (Louann Brizendine), "Warum Männer
mauern" (Scott Wetzler) oder "Warum Männer gehen, und was Frauen
daraus lernen können" (Brenda Shoshanna und Karin Wirth) ...
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