Asche auf Frauchens Haupt
Wenn man vermisst wird, ist das einerseits ein gutes Zeichen, andererseits manchmal auch ein Grund, um sich zu schämen. Weil man sich lange nicht gemeldet hat, zum Beispiel. So wie ich, von deren Haupt Aschefetzen rieseln.
Beagle Enno ist süß, klug, ziemlich eigensinnig und der Liebling der BRIGITTE-Redaktion: Kathrin Tsainis, 40, über ihren Partner mit der kalten Schnauze.
mehr zur Autorin / zum AutorWenn man vermisst wird, ist das einerseits ein gutes Zeichen, andererseits manchmal auch ein Grund, um sich zu schämen. Weil man sich lange nicht gemeldet hat, zum Beispiel. So wie ich, von deren Haupt Aschefetzen rieseln.
In meiner fränkischen Heimat gibt es den schönen Ausspruch: "Beschrei's bloß net!!!". Damit will man zum Ausdruck bringen, dass man die Wahrscheinlichkeit für ein negatives Ereignis erhöht, wenn man darüber spricht, weshalb man lieber den Mund halten sollte. Was nach Aberglaube klingt, kennt man auch in der Psychologie - dort spricht man dann allerdings fachmännisch von den Self Fulfilling Prophecies, den sich selbst erfüllenden Prophezeiungen.
Mütter und Frauchen haben viel gemeinsam. Zum Beispiel stellen wir uns dieselben Fragen: Was hat er/sie denn bloß? Wieso kann er/sie keine Ruhe geben? Mache ich alles richtig? Bin ich zu nachgiebig/zu streng? Oder, zur Zeit mein Favorit: Warum muss eigentlich immer irgendwas sein????
Sich mit anderen zu vergleichen, das weiß man ab einem gewissen Alter, ist so was wie der Freifahrtschein in dauerhafte Übellaunigkeit, weshalb ich seit ungefähr 20 Jahren daran arbeite, mich zumindest einigermaßen toll zu finden. Klappt natürlich nicht immer. Und seit ich Frauchen bin, habe ich noch eine weitere Baustelle aufgemacht, auf der ich mich abschuften muss...
Gestern hatten Enno und ich einen sehr angenehmen Termin - wir haben einen Gewinn eingelöst. Und das kam so: Zum Start des Enno-Buchs wurde unter den BRIGITTE-Abonentinnen ein Hamburg-Trip verlost, mit Übernachtung in einem schicken Hotel für zwei Personen plus Hund, und, jetzt kommen wir ins Spiel, einem Alster-Gassi in Begleitung von Enno und mir...
Wenn es eine Stunde der Wahrheit gibt, dann beginnt sie wahrscheinlich irgendwann zwischen 24 Uhr und dem Morgengrauen, weil die Nacht mit ihrer Stille und Dunkelheit einen Menschen nun einmal weich, manchmal sogar melancholisch macht - und offen. Nachts fallen die Masken, und wir zeigen uns so, wie wir sind - besonders unter Alkoholeinfluss...
Den Hamburgern wird häufig nachgesagt, sie seien etwas zurückhaltend, ja, distanziert sogar, würden nicht mit jedem sprechen und so. Ich kann das bestätigen, was eigentlich gar nichts heißt, weil meine Sicht der Dinge natürlich hochsubjektiv ist. Bei Hunden allerdings, auch das ganz subjektiv beobachtet, werden die Hamburger gesprächiger.
Könnte sich Enno für einen Beruf entscheiden, er würde wohl in die Abfallwirtschaft gehen. Müllsäcke und -eimer inspizieren, die organischen Inhalte - Makkaroni-Auflauf, Wurstsalat, Brot, Kuchen und ähnliches - herauswühlen und an Ort und Stelle in seinen überaus dehnbaren Magen entsorgen. Ich glaube, davon träumt jeder kleine Beagle. Als Alternative wäre es für ihn sicher auch vorstellbar, in meinem Lieblingshähnchengrill als Bodenreinigungskraft anzuheuern, aber eigentlich wollte ich heute etwas ganz anderes erzählen...
Heute nacht hatte ich einen seltsamen Traum: Enno und ich waren im Weißen Haus eingeladen. Michelle Obama umarmte mich herzlich (in meinem Traum waren wir dick befreundet), Barack (auch wir per Du) gab mir ein Küsschen auf die Wange, die Mädchen sprangen fröhlich um uns herum - und Enno inspizierte den Papierkorb, der unter dem Schreibtisch des Präsidenten stand.
In jeder Beziehung fragt man sich irgendwann einmal, wie es denn um die Gefühle des Gegenübers bestellt sein mag. Meistens am Anfang, wenn man sich noch nicht ganz sicher ist, ob man sein Herz denn wirklich an den richtigen Haken gehängt hat, und meistens ist es dann schon zu spät, weil das Herz ja nun schon hängt und man nur noch hoffen kann, dass die Angelegenheit nicht böse endet.
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