In the dutch mountains

Ulrike Nagel (31) lebt mit ihrer Urlaubsliebe in den Niederlanden. Von dort berichtet die Journalistin von den trendbewussten, aber manchmal auch ganz schön anstrengenden Holländern.

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Geburtstage unterm Meeresspiegel

Peinlichestille Nee, ich hab' ja noch nich' Geburtstag...das dauert noch ein kleines Weilchen. Aber da andere Menschen, Freunde zumeist, manchmal aber auch nur lästige Bekannte, am laufenden Band Geburtstag haben, geht man da eben hin. Als Gast. Ganz selten sagt man "Ich komme nicht, ich bleibe lieber zu Hause" (es sei denn, man hat einen wirklich triftigen Grund; endlich das eine Buch zu Ende lesen, zum Beispiel).
Aber meistens geht man eben doch. Und dann landet man hier in Holland ganz häufig in einer Art Sitzrunde, im Kreis, mit gefalteten Händen.

Ullimetmeatballs Zu Studienzeiten erlebte ich meinen ersten holländischen Geburtstag. So richtig in Studentenrunde. Von zu Hause war ich es gewohnt, dass mindestens 15 Leute kommen, die alle was zu essen mitnehmen. Fruchtsalate, Kartoffelsalate, Würstchen oder Fleischbällchen, harten Alkohol wie Rum oder Wodka (plus Limetten und gecrushtes Eis) und genügend Saft und Cola.

Hier läuft das ein kleines bisschen anders. Mitnehmen tut schon mal gar keiner was, es sei denn, man kündigt die Fete als 'American Party' an. Scheinbar feierte ich früher also immer amerikanische Geburtstage, ohne das zu wissen. Der Gastgeber (so heisst das holländische Geburtstagskind) kauft alles selbst ein. Und wenn ich sage, alles, dann meine ich: ALLES! Jegliches Trinken und Essen. Obwohl, da gibt es einen ganz grossen Vorteil: die holländischen Geburtstagsgäste erwarten keine grossartigen Sachen. Zumindest keine Kartoffelsalate, keine Würstchen, keine Fruchtsalate oder Pastasalate. Überhaupt, sie haben's nicht so mit Salaten, fällt mir auf.

Ullisupermarkt_1 Stattdessen gibt es Häppchen. Haufenweise. Nach meinem ersten Fiasko an meinem eigenen Geburtstag, bei dem ich alles richtig machen wollte (keine Chance: es gab Kartoffelsalat, Pastasalat und Würstchen und KEINER hat was gegessen!), hab' ich langsam gelernt, wie man die Sache hier angehen muss. Man nehme: mit Frischkäse gefüllte kleine runde Paprikas, eine ganze Menge Nüsse und Rosinen, viel Schinken und saure Gurken, die man darin einrollt, Käsespiesse, Oliven, Tomaten, Mozarella und tütenweise Chips. Zum Trinken reiche man: Wein und Bier. Reicht völlig. Keiner will was anderes, also braucht man sich auch die Mühe nicht zu machen (okay: Kaffee! Ab neun Uhr abends sollte man den aber gar nicht mehr anbieten).

Jetzt zum Sitzen mit gefalteten Händen. Nee, erst noch schnell was anderes wichtiges. Sobald ein Geburtstag ansteht, wird das Geburtstagskind zum Gastgeber und Freunde und Familie werden zu Gästen. Und in diesen Rollen sollte man sich auch den Rest des Abends üben. Das heisst für den Gastgeber: volle Konzentration, absolute Kontrolle und Grosszügigkeit. Und nie die Gläser leer werden lassen!!! (Es ist mir schon oft vorgekommen, dass ich mindestens dreimal wiederholt habe, dass jeder sich einfach selbst bedienen darf und die Leute das trotzdem nicht gemacht haben...wie gesagt, jeder hält sich an das Rollenspiel).

WerhatnochmalgeburtstagDas fängt schon im Kindergarten an. Auch ohne Fete. Nicht das Geburtstagskind bekommt Geschenke von den anderen Kindern, sondern muss selbst austeilen. Eine 'tractatie' mitnehmen heisst das, und fängt bei Lollis an und hört bei Törtchen auf. Geburtstag haben heisst Verantwortung tragen. (Und leider Gottes gilt das im Erwachsenenalter immer noch; wenn ich an meinem Geburtstag keine Kleinigkeit (Torten oder was anderes Sahniges...) mit in die Redaktion nehme, verweigern mir meine Kollegen ihre Glückwünsche. Und das will ich natürlich nicht. Also geh' ich morgens immer schnell zu Hema. Da gibt's zum Glück auch Torten.).

Ja, so ein holländischer Geburtstag ist eine ernst zu nehmende Angelegenheit. Nur so kann ich mir erklären, dass sogar gute Freunde ihren Geburtstag hassen oder zumindest überhaupt nicht gerne feiern. Die Verantwortung ist ihnen zu gross..."Oh Gott, was soll ich denn alles einkaufen? Schmeckt den Leuten das denn? Was kann ich alles anstellen, um es ihnen Recht zu machen? Feiern die auch alle schön? Haben sie's gemütlich? Was kann ich als Geburtstagsgastgeber noch so alles aus dem hohen Hut zaubern, damit es den andern gefällt?". Und da die meisten Leute nicht unbedingt besondere Unterhaltungskünstler sind (das beherrscht nun einmal nicht jeder), feiern sie eben überhaupt nicht.

Peinlichestille_1 Und wenn sie es doch tun, hat jeder Angst vor dem Einen (jetzt kommen wir wirklich zum Sitzaspekt): eines der schlimmsten Dinge, die einem auf einem holländischen Geburtstag passieren können, sind die peinlichen Schweigeminuten. Gastgeber und Gäste haben ihre Rollen eingenommen. Es sind immer (IMMER!) genügend Stühle für alle da, und das führt leicht dazu, dass alle sich fast ungewollt im Kreis anordnen. Keine gute Idee. Ich wiederhole: Keine gute Idee! Wenn einem nämlich aus verschiedenen Gründen (man kennt sich kaum, will sich nicht kennen oder der andere will einfach nicht reden, an einem selbst liegt es ja nie...) der Gesprächsstoff ausgeht, sitzt man auf einmal da in diesem Kreis, starrt sich oder seine Schuhspitzen an und überlegt krampfhaft, wie man aus diesem Rollengeburtstag wieder rauskommt. Das gelingt nie und das peinliche Gefühl hält noch lange an.

Schweissperlen Den Angstschweiss meiner früheren Mitbewohnerinnen, jedesmal wenn wieder ihr eigener Geburtstag anstand, habe ich irgendwann mit deutschen Mitteln versucht zu bekämpfen.

1. "Das Geburtstagskind sollte keine Verantwortung haben müssen. Die einzige, die es wirklich hat, ist das Entgegennehmen von Geschenken!"

2. "Keine Stühle!" Okay, ein paar, aber nicht für alle! Die, die stehen, neigen dann auch eher dazu, sich selbst zu bedienen, wenn es um Wein, Bier oder gefüllte Paprikas geht. 

3. "Dein Geburtstag gehört dir! Und alle andern sollten an dem Tag das tun, was DIR gefällt. Nicht andersrum."

Vor allem den dritten Punkt hab' ich oft versucht, durchzusetzen, aber so ganz ist mir das nie gelungen... Trotzdem: in letzter Zeit werden die Geburtstage, auf denen ich als Gast verweile, immer besser. Es ist, als hätten die Leute mein Beten für eine geburtstagsfreundlichere Umgebung erhört. Immer weniger Stühle, immer mehr selbstbewusste Leute, die einander übertönen und immer mehr Wein und Bier (ähnlich anderen Nordeuropäern brauchen auch die Holländer einiges davon, um weich und anhänglich zu werden, ausser die Limburger wahrscheinlich, laut Dr. Klaus Schlupp).

Bis zu meinem eigenen Geburtstag gebe ich aber auch den restlichen Holländern noch die Chance, sich von ihrer deutschen Geburtstagsseite zu zeigen. Ich brauch' nämlich keine Gäste zu Hause. Sondern nur Freunde. Und Familie.

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Folgende Weblogs beziehen sich auf Geburtstage unterm Meeresspiegel:

Kommentare

Aber mein geburtstag war ja sehr schön!! Man stellt einfach ein Zapfhahn und genug Gläser hin. Und Grillt!! Dafür hatte ich mir dann ja auch ein Professional geregelt... :-)

Na dann: Hartlijk gefiliciteerd met je vriend!
Ich muss gestehen, ich war noch nie zum Geburtstag jenseits der Grenze, hoffe bzw. befürchte, dass ich nicht mehr allzu lange darauf zu warten habe.
Allerdings gehe ich tatsächlich davon aus, dass es beim gezelligen "Berg"-Völklein 10 Kilometer westlich von hier sicher viel weniger steif zugeht als bei den Kalvinern im Norden.
Zumindest lies der letzte offizielle Termin drauf schließen: Eine Ausstellungseröffnung in Heerlen. Kurze Rede vom wethouder (=Magistrat, Senator, Beigeordneter) und vom Organisator. Dann eine Treppe runter zu den Unmengen von Kaffeekannen. Sich selbst een kopje eingießen und lekker kletsen (quatschen) - und das mit jedem der Anwesenden. Und dann natürlich Bilder gucken.

Sehr gut beschrieben, ich kenne auch die Geburstage. Ich kann eigentlich immer noch nicht verstehen, warum die Niederlaender meistens sowohl die Familie als auch die Freunde einladen, was oft zu diesen Schweigeminuten fuehrt. Ich habe es leichter, meiner Familie ist weit weg, insofern kann ich nur Freunde einladen, so wird es oft schon lustiger. Aber das beste, was ich bisher erlebt habe: ein geburtstagsfest von einem Deutschen Freund hier, es waren Niederlaender aber auch Deutsche hier, eingeflogene und ausgewanderte..Irgendwann fingen wir Deutsche an sogar Musik aufzulegen und zu tanzen. Nur die Niederlaender sassen braf auf dem sofa im Kreis. Ich habe einen gefragt, ob die Musik vielleicht nicht nach seinem geschmack ist, aber dann kam die Antwort: es ist ein Geburtstag!!! Man tanzt nicht an einem Geburtstag!! Man sitzt nur im Kreis, isst Haeppchen und Torte. Wir haben alles, aber auch wirklich alles falschgemacht...Mittlerweile warne ich meine Niederlaendischen Freunden vor meinen Geburstagsfeier, dass ich mir, als nicht einheimische, andere Gewohnheiten erlaube, das sehe ich als meinen Versuch zur Integration. Und sitze brav im Kreis wenn ich bei ihnen eingeladen bin. Und bei meinen Feiern sorge ich auch immer, dass nicht genuegend Stuehle da sind!

Oh Gott, tanzen! Das geht ja wirklich gar nicht...hatte ich ganz vergessen...Musik meist nur auf 'kaum hörbar'...eigenartig, wie verschieden das sein kann...

Ich wollte aber nicht behaupten, dass Niederlaender nicht gerne tanzen - das tun sie, aber halt nicht bei Geburtstagen. Zum tanzen geht man in Clubs und Discotheken, oder man mietet einen Partyraum und feiert und tanzt dort. Aber nicht bei Geburtstagen zuhause.

Ist eigentlich der seltsame Brauch noch aktuell, dass man JEDEM Anwesenden zum Geburtstag gratulieren muss?

Na klar! Nach wie vor! Wenn zuviele Leute da sind, ruft man es in den Raum hinein, aber trotdem: allen Anwesenden wird zum Geburtstag des Einen gratuliert. Meine Eltern finden das immer ganz toll, wenn sie Gratulationen für mich erhalten, sie können ja auch in der Tat was dafür, dass es mich gibt...aber der Rest?

Prima geschrieben. Und dann noch die erhellenden Illustrationen .... :-) Ich hab mich köstlich amüsiert - und wieder was über die Holländer gelernt!
Renate

Wer redet denn hier von "einladen". Zum Geburtstag geht man halt - ohne Einladung und das gilt für Verwandte und Freunde.

Wunderbarer Beitrag, und auch die schönen Illustrationen sind wieder dabei. :-)
Ich würde sagen, wir feiern deinen nächsten Geburtstag wieder in Berlin! Ich bringe Meatballs mit. Und den Rum! Einen Stuhl brauche ich nicht, denn der beste Teil der Party spielt sich bekanntlich in der Küche ab (den Teil verpassen die Niederländer dann wahrscheinlich ...).
Liebe Grüße.
J.

Was man bei holllaendischen Geburtstagen auch immer machen muss: wenn man ankommt, jedem der Gaeste die Hand geben (einfach einmal im Kreis rumlaufen), natuerlich allen dabei auch Gratulieren fuers Geburtstagskind, und sich vorstellen.

...wie bei den Ossis. Ich habe wiederholt im Osten gearbeitet. Wenn man da nicht jedem im Betrieb morgens die Hand schüttelt, werden die richtig giftig. Nun gut, man muss sich eben anpassen.

Vielleicht ist mir das deshalb nicht gleich aufgefallen hier in Holland, das Händeschütteln. Ich bin nämlich auch ein Ossi, Dr. Schlupp! :-)
(Kann mich nicht erinnern, dass wir Kinder im Osten das gleiche getan hätten...)

Übrigens: Im Limburgischen umarmen sich die Leute und verpassen sich gegenseitig drei Küsse auf die Wange bei Begrüßungen. Auch das ist ein Brauch, der für mich, der die entscheidenden Pubertätsjahre in Norddeutschland verbracht hat, recht gewöhnungsbedürftig. Aber wie gesagt, man muss sich eben den Leuten anpassen, dann kommt man auch an.

@ Dr. Schlupp: Die Beobachtung der händeschüttelnden Ossis kann ich überhaupt nicht bestätigen. Wann waren Sie denn das letzte mal "im Osten"? :-)

Das letzte Mal im Osten war ich vor einer Woche. Gearbeitet habe ich da zuletzt 2004.
Es wurde allergrößter Wert darauf gelegt, jeden Morgen bei Betreten des Betriebs jedem vom Chef bis zur Sekretärin die Hand zu schütteln. Jeder machte die Runde, ging in jeden Raum und machte Shakehands.

Allerdings war ich in der Provinz.

Möglicherweise ist Berlin inzwischen verwestlicht. Schließlich gibbet da ja sogar schon Kölsch, und beim letzten Berlinaufenthalt konnte ich sogar Kölsch Kaviar (Blutwurst mit Essig und Öl angemacht) und einen Teller Äätzezupp met Hämschen genießen ;-)

Geniaaaaler Beitrag!

Meinen ersten holländischen Geburtstag habe ich als Zwerg im holländischen Kindergarten erlebt - leider sprach ich zu dem Zeitpunkt noch kein Holländisch (außer ja und nee) und wunderte mich doch etwas, dass eines Morgens alle mit Papphüten auf im Kreis saßen und hiep hiep hoera sangen. Dazu wurde Käse gereicht, in mundgerechte Häppchen geschnitten und mit Zahnstochern versehen - wo es doch zum Haussport meiner Schwester und mir gehörte, den heimischen Frühstückstisch am Sonntag so abzuräumen, dass der andere den Käse in die Küche tragen musste! Ein Alptraum!

Mit der Zeit gewöhnt man sich wohl dran, vor allem das gegenseitige Beglückwünschen zum Geburtstag eines Dritten finde ich sehr nett, aber ansonsten zeigen die im allgemeinen recht entspannten Holländer sich bei Geburtstagen von ihrer urspießigsten Seite...

Ullikind,
du wirst sie doch nicht ändern können! Aber sie können auch über sich hinaus wachsen - siehe jj's Geburtstag, da war doch mächtig was los!
Mich freut ja, dass man nicht in diesem Koch- und Backzwang, der in Deutschland überstrapaziert wird, ausbrechen muß. Finde ich sehr sympathisch. Interessieren würde mich, woher diese Gewohnheit des Gartulationszwangs an alle Anwesenden Familienmitglieder historisch kommt. Bei den Eltern sehe ich das noch ein, finde es auch sehr passend. Aber die übrigen Angehörigen haben doch nix damit zu tun...
Herr Schlupp, ein Satz noch zum Händeschütteln: ich bin im Nordosten aufgewachsen, da war es überhaupt nicht üblich! In meiner ersten Berliner Zeit hatte ich damit ziemliche Probleme, es schien eine regionale Marotte gewesen zu sein. Man konnte sich dem auch aber entziehen und nur dann Hand schütteln, wenn man vorgestellt oder dienstlich persönlich verabredet war. Heutzutage sehe ich es kaum oder sehr selten. In meinem Freundeskreis kommt es kaum vor.
Das Gebussele kann ja ähnlich kuriose Züge annehmen.
Gruß suse

...ich habe die Händeschüttelei in Sachsen 2004 und Sachsen-Anhalt 1991 erlebt. Vielleicht ist man in Mäck-Pomm anders drauf. Werde gleich mal nach Rostock mailen und mich schlaumachen...Wollte ich sowieso mal wieder tun.
Aber: Ging es hier nicht um holländische Geburtstage. Wie dem auch sei: Super Artikel.
Und Spätzünder: Auch nach meinen Erfahrungen gibt es in Holland vielerlei, was ziemlich spießig ist. Der Ort, wo ich die meisten Verbotsschilder meines Lebens gesehen habe, war jene Berufsschule in Maastricht, an der ich mein NT2-Examen (Holländisch für Ausländer) abgelegt haben. Übrigens ist auch die Urkunde, die ich für das Examen aus Groningen bekommen habe viel verschnörkelter und "spießiger" gestaltet als meine sehr schlicht gehaltene deutsche Promotionsurkunde.

Seehr erkennbar, Ulli! Auch ich (seit 10 Jahren in Holland, wohne auch in Utrecht!) habe bei meiner ersten hollaendischen Geburtstagsfeier die Situation voellig falsch eingeschaetzt und x Sachen fuer ein Buffet gekocht ("koch doch mal was Nettes, das kommt immer gut an!") und das einzige was gegessen wurde waren die Chips. Meiner Erfahrung nach gibt es auch ein ganz klares Ritual: erst der Kaffee und der Kuchen (fuer jeden nur einziges Stueck..!), danach die variierten Haeppchen und Wein/Bier. Gerne auch rundgereicht. Und wenn sich dann nach einigen Stunden Kreissitzen die STimmung so langsam aufgelockert hat und es gerade anfaengt lustig zu werden, ist der Abend vorbei...Vielleicht auch als anderes deutsches Mittel viel Sekt gleich am Anfang des Abends?

Was die Gratulation an jeden betrifft, ist zunächst einmal festzustellen, dass es ein typisch niederländischer Brauch ist, der in Flandern unbekannt ist. Die Flamen finden das genauso seltsam wie wir (vgl. belgen.nl).
Es liegt daher nahe, diesen Brauch in einen Zusammenhang mit der ehemaligen kalvinistischen Staatsreligion der Niederländer zu bringen, die Flamen sind katholisch.
Hinzu kommt, dass das Geburtstagsfest noch vor zwei bis drei Generationen auch im katholischen Deutschland völlig unbekannt war. Noch meine Großtanten feierten ausschließlich den Namenstag. Nur mein Opa, der mit einer Lutheranerin aus Thüringen verheiratet war, hatte schon früh angefangen, Geburtstag zu feiern.

Liebe Ulrike,
prima Artikel, ich habe mich königlich amüsiert. Ich lebe seit 7 Jahren in Belgien, ziemlich genau im Dreiländereck Deutschland-Holland-Belgien und wir haben Freunde in allen 3 Ländern, die wir regelmäßig besuchen. Jedesmal ein Kulturschock - unglaublich, was die paar kilometer ausmachen ;-) Bei unseren Freunden in Eindhoven läuft der Geburtstag jedesmal ganz genauso ab, wie beschrieben - Family UND Freunde sind geladen, alles hockt im Kreis und wartet auf seine Zuteilung an Getränk und Speis (häppchenweis). In Belgien kommen auch Familie und Freunde gemeinsam, es gibts aber meist eine Stehparty (receptie) mit wenigen Stühlen für die Alten, Schwangeren oder sonstwie Steh-Gehandicapten, Essen steht am Buffet, man darf sich selbst bedienen wird aber außerdem ständig von den Gastgebern genötigt - meist ist es recht turbulent und lustig und da auf der Einladung oft steht, wie lange der Spaß dauern soll, kommt bei der begrenzten Zeitspanne von 2-4 Stunden erst gar keine Langeweile auf.
Und in Deutschland kommen entweder Familie oder die Freunde - auch irgendwie komisch.
Also tanzen wir auf allen Hochzeiten und lassen es uns gutgehen ;-))
LG
Smake

Aha, du kommst also aus Gemmenich. Ein französischsprachiges Dorf im Drei-Länder- und Vierkultureneck. Vaals ist niederländisch, Vaalserquartier deutsch, Kelmis deutschbelgisch und die Voerstreek flämisch.
Noch vor 200 Jahren war das hier eine Gegend mit der gleichen südlimburgischen Sprache und der gleichen Kultur. Produziert wurde in Aachen (Tuch), transportiert wurde das Tuch von Maastricht aus, der Bischof saß in Lüttich und hob seine segnende Hand über diese Gegend. Die Maas war näher als der Rhein. Die Grenzen des 19. Jahrhunderts haben uns ausinandergebracht. Jetzt sind wir Deutsche, Deutschbelgier, Niederländer, Flamen und Wallonen. Europa war früher weiter als heute.

Hhhmm, wohne erst seit 2 Wochen in Holland. War aber schon auf einigen hollaendischen Geburtstag. Irgendwie hast Du recht, vor allem das im Kreis sitzen. Das einizge was bei "uns" nicht aufgekommen ist, waren die peinlichen Pausen... Puh nochmal Glueck gehabt...
Freu mich schon auf den naechsten Eintrag...

Man kan ja alles von Holland schlecht machen, ich habe solche Geburtatagsfeiern nie mitgemacht leben hier auch schon 6 jahre. Vielleicht solltest Du bei Deiner nächsten Feierm auch nicht typische Holländer einladen, dann wirds spannend oder nur eine kleine gruppe die sich kennt.
Ich weiss aus Deutschland das die Feiern so öde wie Du sie beschriben hast bestehen. Ich finds schade das das Holland was Du immer erzähslt scheinbar nur in Deiner stadt vorkommt, das ist für mich und andere nicht so. Schade! Doch lese ich Deine Beiträge ganz gerne.

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