Im Land der Schneekönigin

Freya Lindner (48) überlebt in Finnland zwischen Mücken, Schnee und schwierigen Vokabeln.

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Vanhojentanssi

Eigentlich müsste ich jetzt ja über die Wahl schreiben, mache ich vielleicht auch noch weiter unten. Große Lust dazu habe ich keine und man kann es ja auch überall nachlesen. Aber erstmal sollte ich den Beitrag nachholen, den ich schon im Februar schreiben wollte. Dann findet nämlich hier in Joensuu und auch in anderen Städten eine Veranstaltung statt, die mich irgendwie immer in Erstaunen verstetzt. Einmal schon allein dadurch, dass es sie überhaupt gibt.

_G205426_small Vanhojentanssi heisst so etwas wie "der Tanz der Alten". Hier schieben sich jetzt keine Rentner über das Parkett, sondern die zweite Klasse der Gymnasialen Oberstufe am Tag nach der letzten Abiturprüfung der "Ältesten". Also die, die im nächsten Jahr die "Ältesten" der Schule sein werden, tanzen jetzt in diese Rolle hinein, so verstehe ich das jetzt mal. Und zwar in _G205432small Ballkleidern und Smoking oder Frack, so wie man sie in den Filmen aus dem 19. Jahrhundert vielleicht findet. Bei den Tänzen finden sich Polonaisen, Menuette, Walzer und was eben so früher üblich war und natürlich auch Tango.

_G205418small  Ich vermute, es ist vielleicht eine Erinnerung an die Zeit, als Finnland russisches Großfürstentum war? Auf jeden Fall ist es ein Besuchermagnet, denn es tanzt nicht jede Schule für sich, sondern alle Schulen aus einem Gebiet oder einer Stadt zusammen. Und das sieht natürlich beeindruckend aus und ist mal wieder eine organisatorische Glanzleistung. Es gibt eine _G205448small ausgefeilte Schreitchoreographie und die Reihen verwickeln sich auch mal, aber irgendwie finden wohl immer wieder die Richtigen zusammen. In Joensuu findet dieser Tanz der Ältesten seit 2005 in der großen Areena statt, eine riesige Sporthalle, deren Dachkonstruktion aus Holz zu den größten Holzbauten Finnlands gehört. Die Hälfte (!) der Halle ist auf dem Foto zu bewundern, für die ganze reicht mein Weitwinkel nicht.

_G205439small Das einzige, was mich wirklich stört (irgendwas muss mich ja stören...) ist der Fussboden. Es passt einfach für mich überhaupt nicht zusammen, wenn die Reihen festlich gekleideter Gestalten über die breiten Farbbänder mit Reklame oder durch Basketballmarkierungen schreiten. Aber eine stilechte Kulisse von solchen Ausmaßen wie ein Ballsaal in einem Schloss gibt es in _G205450small Finnland halt garnicht. Und in Finnland ist die Funktion wichtig, so verstehe ich das zumindest jetzt mal. Atmosphäre ist Nebensache. In der gleichen Halle findet auch immer der Weinachtsmarkt statt und die Atmosphäre ist entsprechend. Aber darum geht es ja eben in Finnland. Funktionalismus ist Trumpf und Hauptsache ist, dass alle vorschriftsmässig so schreiten, wie vorgesehen. Das Ganze dauert eine Stunde, aber ziemlich genau, und das ist schon auch beeindruckend, bei so vielen youngstern, oder nicht? Deswegen bleiben wir jetzt wahrscheinlich noch ein paar Jahre, damit meine Tochter da mit tanzen kann. Ich fange schon mal an, Geld zu sparen, denn diese Kleider sind sogar geliehen noch teuer. Viele der Mädels lassen es tatsächlich nähen oder nähen es selbst, Handarbeit wird ja hier noch in der Schule gelehrt, das ist dann sozusagen das Meisterstück. Ach ja, die Musik wird life gespielt vom Städtischen Orchester, nix Retorte.

  _G205452small Zur Wahl sage ich jetzt nichts mehr. Kann sein, dass das Raumschiff Finnland jetzt bald von der EU abkoppelt, wer weiss, wo es dann hingeht. Ich schmeisse schon mal Rettungsanker Richtung Süden. Und vielleicht nur soviel: fallen sie nicht auf die Beteuerungen der Finnen rein, dass ihr Nationalismus, Populismus oder Patriotismus  irgendwie besser, harmloser oder unschuldiger wäre als der normale deutsche, amerikanische oder sonstige. Ich habe mehrere Gespräche mit Vertretern der "Wahren Finnen" geführt, vor der Wahl, immerhin mache ich Radioprogramme zum Thema Einwanderung, was blieb mir übrig. Die Vorurteile gegenüber Immigranten und überhaupt die Erklärungen über die Ursachen der Probleme sind so unschön wie überall sonst auch. Immerhin sind es ja nur 19%, die die Wahren Finnen gewählt haben. Hoffen wir das Beste. Ich trage jetzt Tarnkleidung und ändere meinen Namen... soviel für heute aus dem Immigranten-Untergrund

 

 

 

 

Eiskunst

Wochenlang passiert nichts und dann gleich an einem Wochenende drei Dinge gleichzeitig, über die es sich lohnt, einen Beitrag zu schreiben. Mein F-Koller hat sich gelegt. Wir sind zwar eingefroren, so fühlt es sich jedenfalls an nach fast zwei Wochen mit Temperaturen um die -20 °. Aber die Sonne scheint jetzt fast jeden Tag, und das hebt die Laune ungemein.

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Der F-Koller

Seit dem 5. Januar sind wir zurück von unserer Reise in die Zivilisation, aber an Schreiben war nicht zu denken, denn einen Tag nach der Ankunft hat es mich zerlegt. Wenn ich versuche, das Gefühl bildhaft zu beschreiben, dann ist eine passende Analogie vielleicht ein Auto, das aus dem 3. Gang in den Rückwärtsgang geschaltet wird.

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С РОЖДЕСТВОМ!

So! Kurz bevor wir einschneien und der Weihnachtsmann, der ja bekanntlich in Lappland wohnt, seine Runde beendet hat, möchte ich allen, die ab und zu auf dem  blog vorbeigeschaut haben, ein Frohes Weihnachtsfest wünschen. "Frohe Weihnachten" heisst auch der Text in der Überschrift, auf russisch, denn immerhin wohnen wir in einem Teil Finnlands, wo es sehr viele russische Einwanderer gibt. Ich wollte in meiner Radiosendung zu Weihnachten auch auf russisch den Hörern Frohe Weihnachten wünschen, musste es allerdings aufgrund erheblicher Ausspracheschwierigkeiten dann leider lassen. Von wegen finnisch wäre eine schwere Sprache, das ist ein Gerücht, oder zumindest, es gibt schwierigere.

Das mit dem Einschneien bezieht sich ausnahmsweise auch nicht auf Finnland, denn wir verbringen das Fest in Süddeutschland und sind ganz glücklich, dass es hier so richtig schneit und es nicht so kalt ist.Wir sind gestern bei minus 28 Grad in Joensuu gestartet, will heissen, wir haben die ersten zwei Stunden in voller Montur im Auto gesessen, um nicht zu schnattern. Minus 28 ist einfach super kalt! Heute morgen sollen es -30 gewesen sein in Joensuu. Wir sind extra zwei Stunden eher losgefahren, damit wir mit dem Hund noch eine schöne Runde drehen können, bevor er in der Box und im Gepäckraum des Flugzeuges verschwinden musste. Aber dazu war es dann viel zu kalt und wir mussten stattdessen mehrere kurze Pausen machen, vor allem um selbst nicht einzufrieren, dem Hund schien es nicht viel auszumachen.

Wir hatten zum Glück auch nicht nach Frankfurt gebucht und waren nur eine Stunde zu spät und es war alles furchtbar aufregend für die Kinder, weil man nicht so richtig weiss, wie es dem Hund dort unten zwischen all den Koffern geht. Aber der Hund war quietschvergnügt, nur die Kinder mit den Nerven runter vor Sorge als dann noch die Verspätung dazu kam. Ich war natürlich als Mutter in der Pflicht, immer positiv zu denken, dass es dem Hund gut geht usw., habe aber trotzdem beim Essen mein Plastikmesser abgebrochen (bei dem Versuch, dieses Minibutterpäckchen aufzukriegen, bei dem die vorgefertigte Bruchstelle nicht funktionierte), so ganz entspannt war ich wohl doch nicht.

Dafür können wir jetzt ein bisschen schmunzeln, wenn wir das Geseufze der Deutschen hören über die paar weissen Krümel. Ich vermute, die Schneepflugindustrie macht Rekordumsätze und natürlich die Schneeschaufelverkäufer.

Im nächsten Jahr habe ich hoffentlich wieder mehr Zeit, um regelmässig zu schreiben. Für dieses Jahr schicke ich noch ein paar links zu einigen der beliebtesten Weihnachtslieder aus Finnland, noch mehr Finnlandstimmung ist kaum noch möglich.

Herz ist gefragt an Weihnachten: Näin sydämeeni joulun teen

Varpunen jouluaamuna

Rajaton singt  En etsi valtaa loistoa

Arkihuolesi kaikki heitä

Sylvian joululaulu

Maa on niin kaunis

und auf youtube gibt es noch viele mehr.

HYVÄÄ JOULUA KAIKILLE!

 

The best of the best of the best of.....

Wenn der Rhythmus des Blogschreibens erstmal futsch ist, dann ist es garnicht so leicht, ihn wiederzufinden. Der goldene Oktober ist auch schon wieder vorbei und er hätte wirklich einen Beitrag verdient gehabt. Mittlerweile gab es Schnee, obwohl die Blätter noch an den Bäumen hängen. Ausserdem hätte ich schon vor Wochen darüber berichten müssen, dass Finnland zum "besten Land der Welt" gekürt wurde...

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Nachlese

Eigentlich ist das jetzt der mindestens sechste Beitrag in diesem Sommer. Dass daraus nichts wurde, ist nur ein weiterer Beweis für die Kürze des finnischen Sommers. Vor allem schöne Sommer, wie dieses Jahr, sind extrem kurz, so fühlt es sich jedenfalls an.

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Zahlungsmodalitäten

Zahlen mit Bankkarte, Kreditkarte, Kundenkarte ist in Finnland sehr verbreitet. Als wir hierhin zogen, fand ich das sehr ungewohnt. mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt. Selbst im Zug und manchmal auf Märkten kann man heutzutage mit Karte bezahlen. Doch es gibt einen Hort der kartenfreien Bezahlung und dieser nennt sich Deutsche Botschaft in Helsinki.

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Was, schon wieder Sommer?

Jetzt muss ich aber wieder etwas schreiben, ich weiss garnicht, wo die Zeit geblieben ist. Das letzte Mal wollte ich  schreiben, als der Vulkan  Asche in die Luft gespuckt hat.  Wenn soetwas passiert, dann merken wir ganz schnell, wie weit wir tatsächlich von der Zivilisation entfernt sind. Ungefähr 2200 km sind es, um im Fall einer Aschewolke auf dem Landweg doch noch zurück nach Ostfinnland zu kommen, aus Deutschland.

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Minkä rotuinen se on?

Seit gut vier  Wochen sind wir nun zu fünft. Vier Zweibeiner und ein Vierbeiner macht genau 12 Pfoten, die ab jetzt Krümel ins Haus tragen. Zum Glück sind die vier neuen Pfoten noch recht klein und viel Dreck gibt es auch nicht, denn wir haben den schneereichsten Winter, den ich zumindest hier erlebt habe.

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Bärenhöhlen-Winterschlaf...beendet

Zum Glück...

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