13 Mütter, Edith und ich
Hallo Susanne,
letzte Woche habe ich einen meiner guten Vorsätze für 2007 in die Tat umgesetzt. Ich war endlich beim Eltern-Kind-Turnen. Eigentlich wollte ich schon Ende Oktober dorthin. Seitdem habe ich Woche für Woche neue Ausreden gefunden, um nicht hingehen zu müssen. Ich hatte eine ziemliche Hemmschwelle wegen des zu erwartenden Mütterüberhangs ...
Anja hat mich irgendwann nur noch schief angeschaut und mir gedroht, dass notfalls eben sie mit Jolan nicht nur zur Musikgruppe, sondern auch zum Turnen gehen würde. Das wollte ich denn doch nicht. Und schließlich hatte unser Sportverein die Veranstaltung "Eltern-Kind-Turnen" und nicht wie sonst oft üblich "Mutter-Kind-Turnen" genannt.
Also habe ich mich zusammengerissen und bin endlich hingegangen. Wir waren insgesamt 15 Erwachsene: 13 Mütter, Edith (die Kursleiterin) und ich.
Obwohl kein einziger anderer Vater da war, hat es nicht nur Jolan, sondern auch mir Spaß gemacht. Mit zwei Müttern habe ich mich sehr nett unterhalten und Ediths Kursprogramm gefällt mir. Wir werden also weiter teilnehmen, vielleicht kommt ja auch noch ein anderer Vater mit Kind dazu. "Vater-Kind-Turnen" ist keine Alternative, denn es wird in unserem Stadtteil nur am Samstagsmorgen angeboten (In der Woche arbeitet Papi ja!) und da möchte ich mit Anja und Jolan in Ruhe frühstücken.
Leider bleibt das Gefühl, dass die eine oder andere Mutter meine Präsenz im Kurs merkwürdig oder unpassend findet. Es gibt halt (ich habe es schon einmal thematisiert) auch eine Menge Frauen mit antiquierten Rollenbildern. Lesen tut man immer nur, wie sehr Frauen Männer bewundern, die Elternzeit nehmen. Ich habe da einige gegenläufige Erfahrungen. Sicher schätze ich die eine oder andere Frau falsch ein. Und zugegebenermaßen distanziere ich mich selber oft schroff von den "Übermüttern" - in meiner voreingenommenen Männerwahrnehmung der Typ Frau, der sich ab der Geburt als Mutter Courage fühlt. So eine habe ich vorhin gerade an der Supermarktkasse getroffen. Als Sie der Kassiererin sagte, wie toll es doch wäre, dass jetzt bis 22 Uhr geöffnet sei, da würde sich sicher einiges "entzerren", konnte ich mir ein (nettgefragtes!) "Aber möchten Sie bis 23 Uhr arbeiten?" nicht verkneifen. Mutter Courage schaute daraufhin auf Ihr etwa ein halbes Jahr altes Baby und meinte schnippisch "Ich mache jeden Tag Überstunden. Unentgeltlich!".
Du kannst ja einmal überlegen, wie Du Dich mitten zwischen 13 Vätern und ihren Kindern fühlen würdest. Vielleicht entschuldigst Du dann, dass ich gelegentlich ein wenig paranoid bin. Wie zum Beispiel bei den Kommentaren zum Elterntagebuch. Ich zähle jede Woche und komme derzeit auf ein 47:12 für Dich. Vielleicht liegt es einfach daran, dass Du den Nerv der Leserinnen, wie beispielsweise beim Thema "Jedes Kind kann schlafen lernen" besser triffst. Oder es ist einfach Zufall. Aber könnte es nicht auch sein ...
Ich habe die Kommentare in der letzten Woche übrigens mit großem Interesse gelesen. Zum Glück haben wir mit dem Thema Einschlafen bisher nur wenig Probleme gehabt. Jolan geht zwischen 20:30 Uhr und 22:00 Uhr ins Bett, je nach Jahreszeit, Tagesablauf und Länge des (Nach-)Mittagsschlafes. Wir gehen da nach unserem Gefühl und meinen zu merken, wann es Zeit ist. Vor dem Einschlafen gibt es bei ein Ritual mit Singen, Vorlesen und Ankuscheln. Wenn wir das nicht einhalten, gibt es Ärger. Jolan kommt beim Ritual zur Ruhe und protestiert vorm ins Bett legen meist nur noch leicht mit "Anderes Buch!" oder "Trinken!". Wenn wir ihn ins Bett gelegt und "Drachi" (Jolans Spieluhr) angestellt haben, schläft er meist schnell ein. Manchmal erzählt oder singt er sich noch in den Schlaf und wir lauschen an der Tür :-)
Schwierig ist Jolan momentan eher am Tag Er fängt zunehmend an zu trotzen. Wie sieht es denn da aktuell bei Fred aus? Ich für meinen Teil habe in zwei Wochen dazu einiges zu erzählen.
Bis dahin wünschen wir Euch ruhige Nächte und schöne Träume,
Ingo und Jolan
Ich finde es wundervoll mal zu erfahren, wie sich ein Vater in dieser "Rolle" fühlt. Danke für die Einblicke, an beide Autoren! (Herr Entelmann, Sie dürfen diesen Kommentar trotzdem gerne für sich zählen;)
Kommentiert von:Astrid | Mittwoch, 17. Januar 2007, 3:22 Uhr
hallo ingo,
ich bin stille (nein, nicht stillende, höhö, habe keine kinder), stets interessierte leserin des blogs, und freue mich besonders über deine einträge, weil es seltenheitswert hat, reflexionen eines vaters über die zeit mit einem kind lesen zu können - und Du das wirklich klasse machst. schön geschrieben, durchaus kritisch beiden elterngeschlechtern gegenüber, und mit kleinen prisen selbstironie versehen. weiter so, in ein paar jahren (so lange schreibt susanne ja schon) hast Du einen ähnlich großen fanclub :)
Kommentiert von:wiebke | Mittwoch, 17. Januar 2007, 9:45 Uhr
Hallo Ingo,
mein Mann ist "Vollzeit" in Elternzeit und macht die gleichen Erfahrungen mit den Müttern Courage. Seine Lieblingssätze sind: "Oh, dein Papa hat heute Urlaub und kann sich um dich kümmern." und "Für sie als Mann ist es ja auch nicht so einfach mit einem Kind zurecht zu kommen".
Letzte Woche wurde er auf dem Mutter-Kind-Parkplatz bei Ikea von zwei Müttern attackiert und konnte erst nach Beendigung der Schimpftiraden unseren Sohn aus seinem Auto holen.
Mich hat übrigens ihre Einstelung zu Mutter-Kind-Veranstaltungen erhellt. Ich habe meinem Mann auch schon kritisch angeschaut, weil er sich nur widerwillig zur Krabbelgruppe angemeldt hat. Ich werde ihm jetzt nicht mehr so bedrängen und ihm Zeit, die richtige Gruppe zu finden.
Wir freuen uns immer auf Ihre Berichte - wir fühlen uns dann nicht mehr so exotisch. Vielen Dank!
Kommentiert von:sandra | Mittwoch, 17. Januar 2007, 11:25 Uhr
Hallo Ingo,
auch ich finde es toll mal zu hören, wie ein Vater den Alltag mit Kleinkind erlebt. Meine Tochter ist im gleichen Alter wie Ihr Sohn und ich kann mir hin und wieder beim Lesen ein Schmunzeln nicht verkneifen. Wir gehen auch zum "Mutter-Kind-Turnen", aber in unserer Gruppe trifft man jeden Wochen eine Papa oder Opa mit Kind und das schöne ist, dass es total normal ist. Ich freue mich jede Woche auf den Weblog und kann nur sagen: weiter so. Großes Lob auch an Susanne.
Kommentiert von:Claudia | Mittwoch, 17. Januar 2007, 14:46 Uhr
So, lieber Ingo,
dann kommentiere ich auch mal schnell und nur wegen der Zahl *grins* Ich hab nämlich auch kein Kind und will auch keins und ein Mann mit Kindern kommt mir hoffentlich auch nie mehr unter ...
Aber ich lese Euren Blog hier gern, denn ich habe Freunde mit Kindern und obwohl ich nicht so der Kinderfan bin, versuche ich, sie so zu behandeln, dass siesich wohlfühlen auf der Welt, in diesem Land und vielleicht gar in meiner Nähe ... Und mich im Zaum zu halten, wenn z.B. ein Kind in der Öffentlickeit mal brüllt oder so. Für mehr Verständnis hilft mir da einfach Euer Blog.
Grüße an Jolan, Fred, Anja, Susanne und an Susannes Mann, dessen Namen ich grad nicht parat habe
Schrubbel
Kommentiert von:schrubbelfuß | Mittwoch, 17. Januar 2007, 18:47 Uhr
Hallo Ingo,
ich denke, ein Teil des (noch) ungleichen Kommentarverhältnisses ist vielleicht wirklich der Tatsache zuzuschreiben, dass viele Leser Susanne und Fred einfach besser (zu) kennen (meinen), weil wir schon die Erlebnisse des ungeborenen Freds verfolgt haben. Aber das ist sicherlich nicht persönlich gemeint und wird sich auch im Lauf der Zeit geben.
Außerdem hat Susanne mit ihrem letzten Beitrag halt mal wieder in eines der unzähligen Wespennester gestochen, die unter Eltern fast so etwas wie einen Glaubenskrieg auslösen. Das war schon damals im Babytagebuch so: Es gab Artikel mit keinen oder wenigen Kommentaren, und wenn es viele Kommentare gab, waren das ähnlich kontroverse Diskussionen wie in der vergangenen Woche. Es gibt einfach so Themen ...
In allen Gruppen (PEKiP, Babyschwimmen und jetzt eine Krabbelgruppe) gab es leider keine Väter. Ich würde eher zum Elternzeit-Vater-Fanclub gehören. In meinem Bekanntenkreis (wo es aber auch nur wenige andere Eltern gibt) kenne ich auch keinen Vater, der das macht. Mein eigener Mann hatte überlegt, zwei Tage in der Woche zuhause zu bleiben, aber dann hat seine Mutter uns angeboten, die Kleine zu betreuen, na ja, und dann gab halt das Geld den Ausschlag. Einerseits freue ich mich natürlich, dass das Sparbuch nicht weiter schrumpft und jetzt auch mal ein Familienurlaub drin ist, andererseits frage ich mich manchmal, ob mein Mann das später nicht mal bereut ...
Liebe Grüße
Michaela
Kommentiert von:Michaela | Mittwoch, 17. Januar 2007, 19:40 Uhr
Lieber Ingo,
auch ich hatte mich schon über fehlende Kommentare deiner Beiträge gewundert. Eigentlich gehöre ich eher zu den stillen Lesern diverser Weblogs, doch aus gegebenem Anlass: Ich finde deine Beiträge spitze, vor allem der Stil, dein Aufbau der Geschichten! Bist du was Schreiben anbetrifft ein Naturtalent oder hat die Brigitte dir einen Crashkurs gegeben? :) Besonders schön fand ich 'Fröhliche Beinachten' und 'Husten statt Böllern'.
Weiter so! Und von den Frauen nicht ärgern lassen!
Kommentiert von:Katharina | Donnerstag, 18. Januar 2007, 13:07 Uhr
Lieber Ingo,
warum hier weniger Kommentare stehen?
Ganz einfach: Männern wird weniger widersprochen.
Mein Mann und ich versuchen wirklich "gemeinsam" die Kinder zu erziehen und groß zu bekommen.
Kritik gibt es aber nur bei mir. Mein Mann wird allerhöchstens ganz leise hintenrum kritisiert.
Das ärgste Erlebnis hatte ich aber beim Arzt.
Nachdem ich völlig entnervt meinem Mann berichtete, dass die Impfungen beim Arzt für drei Kinder ewig lange gedauert hatten (Natürlich waren die Kinder dann nicht mehr gut gelaunt nach langer warterei in einem völlig überfüllten und überhitzten Wartezimmer). Ging beim nächsten Mal mein Mann mit den drei Süßen. Als er total schnell wieder Zuhause war fragte ich ihn ob der Arzt keine Ordination gehabt hatte. Er grinste mich nur an und meinte: "Doch, aber die Damen waren alle so nett mich mit den Kindern vorzulassen. Außerdem haben sie mich sehr gelobt, dass ich gleich mit drei Kindern Impfen gehe!" Ich war fassungslos!
Alles Liebe - Trixi
Kommentiert von:Trixi | Donnerstag, 18. Januar 2007, 14:35 Uhr
Danke Tixi,
genau das geht mir seit Mittwoch im Kopf herum, auch ich habe das Gefühl, dass gleiche Meinungen von einem Mann ausgesprochen, von anderen Frauen akzeptiert werden, wohingegen Frauen dafür von anderen Frauen angegriffen werden. Ich kann es drehen und wenden, es liegt an uns Frauen, ABER ich finde es gut, dass auch hier immer mehr Frauenstimmen laut werden, die dem entgegenwirken. Es geht auch nicht darum, dass Kritik nicht erwünscht ist, sondern die Kritik ist immer mit Vorwürfen und Vorurteilen gespickt und genau das macht es dann so zickig. Was mich auch sehr verwundert, dass wirklich viele davon ausgehen, dass alle Kinder gleich wären. Wo bleibt bitteschön die Individualität? Es kann doch nicht sein, dass alle Kinder dasselbe Einschlafritual brauchen, es gibt doch unzählige Varianten. Genauso wie es Männer gibt, die es mit 13 Frauen/Müttern aufnehmen*großeRespekt*. Mein Mann würde sich seine Siebenmeilenstiefel anschnallen und losrennen.
Ich finde es sehr interessant die männlich Sichtweise zu lesen, gerade weil sie mir manchmal fremd ist. Wir können nur voneinander lernen und Toleranz und Mitgefühl sollten dabei vorherrschen.
Euch allen ein sturmfreies Wochenende, Karin.
Kommentiert von:Karin | Freitag, 19. Januar 2007, 9:53 Uhr
Hallo Ingo! Ich würde furchtbar gerne mit Ihnen tauschen, bzw. so rum: mal erfahren wie es ist, unter deutlich in der überzahl vertretenen erziehungsberechtigten personen anderen geschlechts bei veranstaltungen zu sein, die mit kindern besucht werden können! weil: die weiber nerven. und weil man nie so richtig ausführlich erfährt, wie sehen das die väter eigentlich? vielleicht haben sie ja eigene (revolutionäre?!?) methoden im umgang mit dem eigenen fleisch und blut, vielleicht eröffnen sich da neue horizonten? wie auch immer, ich kann sie gut verstehen, Ingo, warum sie mit ihrer lage etwas verunsichert sind und paranoja entwickeln. als einzige frau unter ausschließlich männlichen kollegen auf ner baustelle zu sein war für mich ein einmaliges erlebnis (schnief) und u.a. auch die beste (arbeits-)zeit meines lebens. unter frauen wiederum fühl ich mich genauso allein, aber leider zu oft im absolut negativen sinne, obwohls klar auch ausnahmen gibt, sonst hätt ich ja keine beste freundin, neben meinem besten freund... was ich sagen will: geben sie nicht auf und machen sie weiter, seien sie ein vorbild, ein vorreiter für die anderen männer, für die nächste generation! BITTE! die sollen endlich aufwachen, aufstehen, sich die zeit nehmen und seinen mann gegen die frau ja! auch in diesem bereich stehen - warum nicht?! vielleicht (bestimmt!) würde dann die verbissenheit unter den "supermüttern" nachlassen (und auch die ätzende strickkurs-atmosphäre teilweise) und man/frau würde zusammen lachen anstatt zu giften. die exotik "mann beim eltern-kind-turnen" - damit müßte schluss sein! traut euch kerle - eure kinder werden es euch (auch) danken!
Kommentiert von:Lisa | Freitag, 19. Januar 2007, 23:22 Uhr
Hallo Ingo, da muss ich doch mal von unserem "Kleinkindturnen" berichten: Letzte Woche waren es 8 Väter und nur 6 Mütter, wobei es meistens etwa ein 2:3 Verhältnis ist. Allerdings wohnen wir auch in Berlin, da ist wohl vieles "normaler" als im Restbundesgebiet.
Grüsse aus dem wilden Osten!
Rosalili
Kommentiert von:Rosalili | Mittwoch, 24. Januar 2007, 13:13 Uhr
Hallo Ingo,
in unserer Babyturngruppe für 0-3 jährige sind regelmäßig mehr Väter als Mütter. Warum? Wahrscheinlich, weil sie freitags von 17:00 -18:00 stattfindet - und weil es eine offene Gruppe ist, zu der man kommt oder auch nicht.
Ich frage mich, warum nicht viel mehr junge Väter zu ihren Sportvereinen gehen und fordern: macht Kleinkindgruppen, wenn wir auch mal Zeit haben - und zu ihren Chefs: Heute gehen wir früher, weil Kinderturnen ist?
Leider bleiben bisher ja noch nicht viele Väter zu Hause, aus verschiedensten Gründen. Aber die anderen könnten ruhig mal mehr auf den Putz hauen, und mehr Vereinbarkeit von Kindern mit Berufstätigkeit fordern - nicht für die Frauen, sondern für sich! Schliesslich macht es ja auch Spass, mit den Kleinen zu turnen, zu schwimmen, zu Pekippen...
Einen Gruss an alle Babysportväter
Kommentiert von:Monika | Freitag, 26. Januar 2007, 17:30 Uhr
Hallo Ingo,
mein Mann und ich versuchen unsere Kleine (genauso alt wie Jolan) weitgehendst gleichwertig großzusziehen (wobei ich nur halbtags arbeite) und muß sagen, daß er grundätzlich auf positive Resonanz stößt, wenn er mit dem Kind unterwegs ist (z.B. beim Babyschwimmen, das mal er, mal ich gemacht haben, oder beim Einkaufen, Spielplatz-, Essengehen etc.)und das in einer Kleinstadt !!!
Aber grundsätzlich möchte ich mal anmerken, daß es auch mich teilweise vor den diversen Babykrabbel-etc.-Kursen gegraut hat, und das vor allem wegen der dort zu vorzufindenden Mütter, die nur noch das Thema Windelnwechseln kannten. Ich finde für einen voll im Leben stehenden Menschen (Frau), der sein Kind über alles liebt und sich trotzdem sehr intensiv mit ihm beschäftigt, oft nur schwer zu ertragen -:)) Dachte wirklich sehr oft, ich bin im falschen Film.
Liebe Grüße
Martina
Kommentiert von:Martina | Mittwoch, 31. Januar 2007, 22:22 Uhr