Neugierig in Dubai

Nicole Husak (34) wohnt in Dubai – und erzählt von ihren Erlebnissen in einer weltoffenen und doch so traditionell verankerten Stadt.

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« April 2010 .:Start:. Juni 2010 »

Ein bisschen 1001 Nacht

Es ist Wochenende, mein Mann ist fuer 1,5 Tage da, bevor er morgen nach Rumaenien fliegt und ich habe kurzfristig einen Termin fuer meine Nagelpflege bekommen. Was will Frau mehr?

Wie immer kommt man schnell ins Gespraech und heute habe ich fast maerchenhaftes gehoert.

Die Dame, die fuer meine Fuesse zustaendig war, nennen wir sie J, fing an zu erzaehlen, das sie erst sechs Monate in Dubai sei und vorher 21 Jahre in Saudi Arabien gearbeitet haette. Die letzten 15 Jahre davon fuer eine der beiden Prinzessinnen, die mit dem Innenminister des Landes, Prinz Naif bin Abdul Aziz verheiratet sind.

Alles, was ich jetzt schreibe, ist sozusagen nur ueberliefert, aber ich fand es spannend und moechte es teilen:

Scheinbar arbeiten im genannten Haus 100 Angestellte, maennlich und weiblich, die fuer ganz bestimmte Aufgaben vorgesehen sind. Aus diesen 100 Personen hat die Prinzessin 10 Damen ausgewaehlt, die in ihrem inneren Stab taetig sind.

Dort gibt es Aufgaben, wie abends um 22 Uhr ein Glas frische Milch auf das Zimmer zu bringen oder Parfuem zu verspruehen, wo auch immer die Prinzessin sich hinbegibt. Unzufriedenheit herrschte scheinbar, wenn der Flakon am Abend nicht leer war...

Die Angestellten leben in gestellten Unterkuenften am Haus und gehen pro Jahr scheinbar nur im Ramadan raus. Dies sei aber kein Problem, weil unter der Belegschaft ein sehr gutes Klima herrsche.

Den Lohn fand ich mit USD 200 pro Monat nicht beeindruckend, aber dieser wurde regelmaessig mit sehr grosszuegigen Geschenken aufgewertet, wenn alles zur Zufriedenheit laueft. So werden den Angestellten Boxen mit Geld ueberreicht (nicht selten SAR 500, ungefaehr EUR 100) oder teure Goldgeschenke gemacht.

Mittels der Goldgeschenke hat J ihr Haus in den Philipinnen finanzieren koennen, in dem heute ihre Eltern leben.

Kleider, die anlaesslich von Besuchern im Haus getragen werden, werden nicht gewaschen, sondern an das Personal verschenkt.

J meinte, das die Arbeit eine schoene Erfahrung war. Sie seien nie ungerecht behandelt worden und fuehrte ein gutes Leben dort. Sie gehoerte mit ihrer Schwester und ihrem Bruder, der ein Privatdiener zum saudischen Innenminister ist, zum engen Stab und scheinbar war die Prinzessin nicht erfreut darueber, das sie ihren Arbeitgeber verlassen wollte.
Trotzdem blieb sie bei ihrer Entscheidung nach Dubai zu kommen, weil hier ihre Kinder leben und die Sehnsucht nach der Tochter, die sie mit 6 Jahren bei ihren Eltern alleine lassen musste, um Geld zu verdienen, einfach zu gross wurde.

So hat jedes Maerchen genau wie die Realitaet zwei Seiten...


Ein grosser Schritt in Richtung Organspende

Bis dato war es in den Vereinigten Arabischen Emiraten nicht moeglich eine Organtransplantation vorzunehmen. Der islamische Glaube untersagt die Verstuemmelung toter Koerper, als welche eine Organentnahme bis dato galt. Daher war es bisher nur moeglich in sogenannten Lebendspenden Organe (Leber, Niere) fuer Familenmitglieder zur Verfuegung zu stellen.

Nun hat das Gesundheitsministerium einen grossen Schritt in Richtung eines neuen Gesetzes unternommen, welches es den Buergern der VAE erlaubt, sich im Falle ihres Todes zu einer Spende ihrer Nieren, Leber, Lunge oder des Herzen zur Verfuegung zu stellen. Interessenten koennen Organspendeformulare ausfuellen und hinterlegen.

Allerdings muss man wissen, das derartige Gesetzesvorlagen hier immer eine lange Zeit brauchen, bis sie letztendlich aktiv sind. Trotzdem ist die Tatsache, das es heute in den nationalen Medien verbreitet wurde ein gutes Zeichen und laesst hoffen.

Fuer viele Patienten blieb bisher nur die Reise in andere Laender, der sogenannte Organtourismus. So ist der Verkauf der eigenen Organe zum Beispiel in Indien eine wichtige Einnahmequelle fuer viele Menschen, die sich einfach nicht mehr zu helfen wissen und fuer einen laecherlich kleinen Betrag ihr Leben auf's Spiel setzen, weil die Spenden nicht zwingend nach aktuellem Standard vorgenommen werden.

Hier in den Vereinigten Arabischen Emiraten geht es nun darum, parallel das medizinische Personal zu schulen. Ehrlich gesagt, finde ich es fuer hiesige Verhaeltnisse fast schon proaktiv, diesen Schritt 'schon' jetzt anzugehen. Es scheint wirklich, das das Thema ernsthaft angegangen wird und Organspende bald auch hier moeglich ist.

Es wird sicherlich viele Leben retten, vor allem derer, die aus finanziellen Gruenden mehr oder weniger totgeweiht waren, weil sie sich die kostspielige medizinische Versorgung im Ausland nicht leisten konnten. Es laesst hoffen...

Morgens um halb zehn im IKEA

Ich bin irgendwie mit dem grossen Schweden aufgewachsen. Umso spannender war es, als der auch hier in Dubai Quartier bezogen hat. Das ist nun schon einige Zeit her, aber heute war ich das erste mal vor Ladenoeffnung, sprich um 9.30 Uhr da.

Der Verkauf oeffnet um 10 Uhr und so hatte ich ein bisschen Zeit zu ueberbruecken und habe mich ins Restaurant gesetzt. Da war was los!!!
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Es war voller arabischer Frauen in Abaya, Frauen aus den Philippinen und Inder. Die Ersteren haben sich  vor der Shoppingtour gestaerkt. Die zweite Gruppe die letzte halbe Stunde vor Arbeitsbeginn genossen, da es sich meistens um Verkaeuferinnen oder Buerokraefte handelt. Die dritte Gruppe stellte Bauarbeiter im mittleren Dienst dar, die sich eine Pause gegoennt haben.

Und was haben sie ALLE gegessen? Das unglaublich guenstige Fruehstueck fuer AED 4 (grob umgerechnet EUR 0,80). Es besteht aus einem Kartoffelpuffer, Pilzen, Bohnen, Ruehrei und Toast - ein typisch englisches Fruehstueck. (Ich nicht, hatte ein Shrimpsandwich nach reiflichem hin und her, ob ich es tatsaechlich riskieren soll. Es ist fast unglaublich, wie zweifelnd und abwaegend man wird, wenn man staendig von irgendwelchen Horrormeldungen ueber Lebensmittelvergiftungen etc pp verfolgt wird wie hier in Dubai. Grundgedanke mittlerweile: heiss, Kuehlkette bestimmt nicht stabil, also keine Shrimps. Aber es hat geschmeckt und ich fuehl mich (noch) wohl.)

Wir Deutschen kennen das Konzept von IKEA glaub ich alle. Hier in den Vereinigten Arabischen Emiraten muss es aber erst eingefuehrt werden. So ist das Marketing ein sehr erklaerendes, fast schon an der Hand nehmendes.

Betritt man den IKEA steht in riesigen Waenden erklaert, das der Preis deshalb so guenstig ist, weil man es daheim selber zusammenbaut - gegensaetzlicher koennen zwei Erwartungshaltungen eigentlich gar nicht sein.

 

Kommt man an den Einkaufswagen vorbei, steht dort ein Angestellter und haendigt sie aus. An den Waenden Schilder, das der Preis deshalb so niedrig ist, weil die Angestellten vielen auf einmal helfen koennen, wenn man seine Waren selber durch den Laden schiebt.

IMG_0390Und im Restaurant dann die Bitte, den Tisch selber aufzuraeumen...

Spannend war, das sich fast alle dran gehalten haben. Normalerweise bin ich, wenn, nachmittags oder gen Abend dort und dann raeumt niemand der dann hauptsaechlich anwesenden Familien auch nur etwas zurueck.

In diesem Sinne liebe Gruesse an alle Billys weltweit.


Eine heisse Woche

Erst wusste ich nicht, was ich schreiben soll und nun brennen mir 3 Themen unter den Naegeln. Fangen wir mal mit dem ersten an - es ist heiss!

Seit zwei Tagen sind wir deutlich ueber der 40 Grad Marke und das wird wohl auch erstmal so bleiben. Aber das ist ja nicht wirklich etwas neues, gell?

Ein Arbeitskollege von Jan verbringt seine Ferien mit Familie hier in Dubai im Atlantis. Da es immer wieder eine Herausforderung ist, die Kinder bei diesen Temperaturen moeglichst nicht zu sehr zu strapazieren, haben wir uns daher fuer Samstag morgen am Hotelpool verabredet.

Eines der Dinge, die das Leben hier immer so glaenzend aussehen lassen, ist sicherlich die Tatsache, das wir ganz selbstverstaendlich in 5 und 7 Stern Hotels ein- und ausgehen und die Einrichtungen nutzen koennen. Natuerlich immer gegen Entgelt, aber grundsaetzlich ist es moeglich einen Tagesausweis fuer die Pool- und Privatstrandnutzung zu bekommen.

Tja, im Atlantis aber scheinbar nicht. Spontan kommentiert, nervt das. Weil es mal wieder eines dieser 'Wir sind so exklusiv'-Gehabe ist. Und was ich noch viel schlimmer finde, ist das man telefonisch einfach keine verbindliche Auskunft bekommt, ob es nicht doch geht. Denn Ausnahmen sind sowieso die Regel.

Streng genommen, muesste ich jetzt dorthin fahren (40 minuten), parken (nicht vor dem Hotel, da kein Hotelgast), Shuttlebus nehmen (25 min inkl. Wartezeit), Rezeption anpeilen und Thema ansprechen (60 Min). Will ich das? Nein.

Stattdessen fahre ich lieber mit Luisa Bus und gehe in der Mall of the Emirates Buecher lesen im Borders und danach... ein Eis essen. Es ist naemlich wirklich heiss.