Ein bisschen 1001 Nacht
Es ist Wochenende, mein Mann ist fuer 1,5 Tage da, bevor er morgen nach Rumaenien fliegt und ich habe kurzfristig einen Termin fuer meine Nagelpflege bekommen. Was will Frau mehr?
Wie immer kommt man schnell ins Gespraech und heute habe ich fast maerchenhaftes gehoert.
Die Dame, die fuer meine Fuesse zustaendig war, nennen wir sie J, fing an zu erzaehlen, das sie erst sechs Monate in Dubai sei und vorher 21 Jahre in Saudi Arabien gearbeitet haette. Die letzten 15 Jahre davon fuer eine der beiden Prinzessinnen, die mit dem Innenminister des Landes, Prinz Naif bin Abdul Aziz verheiratet sind.
Alles, was ich jetzt schreibe, ist sozusagen nur ueberliefert, aber ich fand es spannend und moechte es teilen:
Scheinbar arbeiten im genannten Haus 100 Angestellte, maennlich und weiblich, die fuer ganz bestimmte Aufgaben vorgesehen sind. Aus diesen 100 Personen hat die Prinzessin 10 Damen ausgewaehlt, die in ihrem inneren Stab taetig sind.
Dort gibt es Aufgaben, wie abends um 22 Uhr ein Glas frische Milch auf das Zimmer zu bringen oder Parfuem zu verspruehen, wo auch immer die Prinzessin sich hinbegibt. Unzufriedenheit herrschte scheinbar, wenn der Flakon am Abend nicht leer war...
Die Angestellten leben in gestellten Unterkuenften am Haus und gehen pro Jahr scheinbar nur im Ramadan raus. Dies sei aber kein Problem, weil unter der Belegschaft ein sehr gutes Klima herrsche.
Den Lohn fand ich mit USD 200 pro Monat nicht beeindruckend, aber dieser wurde regelmaessig mit sehr grosszuegigen Geschenken aufgewertet, wenn alles zur Zufriedenheit laueft. So werden den Angestellten Boxen mit Geld ueberreicht (nicht selten SAR 500, ungefaehr EUR 100) oder teure Goldgeschenke gemacht.
Mittels der Goldgeschenke hat J ihr Haus in den Philipinnen finanzieren koennen, in dem heute ihre Eltern leben.
Kleider, die anlaesslich von Besuchern im Haus getragen werden, werden nicht gewaschen, sondern an das Personal verschenkt.
J meinte, das die Arbeit eine schoene Erfahrung war. Sie seien nie ungerecht behandelt worden und fuehrte ein gutes Leben dort. Sie gehoerte mit ihrer Schwester und ihrem Bruder, der ein Privatdiener zum saudischen Innenminister ist, zum engen Stab und scheinbar war die Prinzessin nicht erfreut darueber, das sie ihren Arbeitgeber verlassen wollte.
Trotzdem blieb sie bei ihrer Entscheidung nach Dubai zu kommen, weil hier ihre Kinder leben und die Sehnsucht nach der Tochter, die sie mit 6 Jahren bei ihren Eltern alleine lassen musste, um Geld zu verdienen, einfach zu gross wurde.
So hat jedes Maerchen genau wie die Realitaet zwei Seiten...