• Schriftgröße

Neugierig in Dubai

Nicole Husak (34) wohnt in Dubai – und erzählt von ihren Erlebnissen in einer weltoffenen und doch so traditionell verankerten Stadt.

mehr zur Autorin / zum Autor

Wieder eine Stunde weiter weg

Seit in Deutschland die Uhren um eine Stunde zurueckgestellt wurden um die Winterzeit einzulaeuten, ist mein Leben wieder ein Stueck auslaendischer geworden.

Es ist eine rein emotionale Sache, denn bis auf beim deutschen TV Programm bin ich ja gar nicht tangiert... Aber es fuehlt sich weiter weg an, weil es umstaendlicher ist, Telefonate mit Freunden und Familie zu verabreden. Klar, wo ein Wille ist ist auch ein Weg, aber gefuehlt beeinflusst es mich.

Es reicht ja schon, das ich Sonntags immer noch (kaum zu glauben, ich weiss) morgens frueh wie selbstverstaendlich zum Telefon greife und zum Glueck meistens noch gerade rechtzeitig feststelle, das es in Deutschland der heiligste Tag der Woche ist, welcher zudem noch im Morgengrauen steckt... Dabei sprueht hier der Wochenbeginn vor lauter Energie.

Ich lebe also fuer die naechsten Monate wieder ein gefuehltes Stueck weiter im Ausland.

Gerade deshalb einen lieben Gruss an alle Daheimgebliebenen und bis ganz bald...

Mit dem Bus zum Eis essen

So ziemlich das Normalste, das man in grossen Staedten tun kann, oder? Fuer uns war es ein Erlebnis!

Seit einem guten Monat reicht das „Netz“ der oeffentlichen Busse bis zu uns in die Ranches. Die Linie F30 faehrt von der Mall of the Emirates ueber die Um Suqueim Strasse in die Arabian Ranches. Dort werden im Kreis alle Gates angefahren bevor der Bus wieder zur Mall faehrt. Von uns bis zur Endstation dauert es gute 35 Minuten und kostet AED 4 was ca. 80 Eurocent entspricht.

Laut Fahrplan kommt der Bus von Sonntag bis Donnerstag tagsueber alle 10 Minuten. Und bis dato scheint es gut zu klappen, bis auf den ein oder anderen Busausfall wegen technischer Probleme.

Luisa und ich sind am Donnerstag das erste Mal hier in Dubai Bus gefahren und es war wirklich unkompliziert. Wenn man die Nol Karte hat.

Dahinter verbirgt sich eine aufladbare Plastikkarte im klassischen Scheckkartenformat. Zum Glueck hat meine Freundin mir ihre geliehen denn ich bin immer noch keiner Verkaufsstelle begegnet.
Beim Einsteigen die Karte auf ein Lesegeraet halten und beim Aussteigen das Gleiche tun. Einfacher geht Bezahlen eigentlich nicht.

Wir hatten den grossen Jogger Buggy dabei, weil Luisa erkaeltungstechnisch  noch etwas angeschlagen war, und da bot sich gleich die erste Huerde. Die Busse sind supermoderne Neigebusse, die also, wenn sie denn nahe genug am Bordstein halten wuerden bequem mit Kinderwagen zu beisteigen sein muessten... Da der Bus aber weder geneigt noch nahe am Bordstein war... Nun denn.

Von innen war der Bus top. Wie ein neuer Stadtbus bei uns in Deutschland. Die Fahrer gehen zwar nicht wirklich gnaedig mit dem Gas um und so muss man sich ab und zu einfach festhalten.

Lustig wurde es dann in der Naehe von Haltestellen. Im Abfahren wird der Bus auf einmal von einem vor ihm einscherenden Wagen ausgebremst – mitten auf der Fahrbahn. Das erste Mal war ich schon ueberrascht, als dann einfach zwei Maenner ausstiegen und mit einem Strahlen in den Bus eingestiegen sind. Vorschriften, das ein Einsteigen ausserhalb der Haltestellen nicht gestattet ist, scheint es hier nicht zu geben. Das ganze ist an 5 verschiedenen Haltestellen passiert und ich glaube, es hat einfach mit dem Verstaendnis vom Busfahren an sich zu tun. Irgendwie muss wohl noch etwas an der oeffentlichen Aufklaerung gearbeitet werden, das Linienbusse, Fahrplaene und Haltestellen haben und nicht wie die Minibusse einfach her gewunken werden koennen.

Der vordere Teil der Busse ist klar durch Aufkleber an den Fenstern fuer Frauen und Familien (Maenner nur in Begleitung ihrer Frauen und Kinder) reserviert.

Spannend fand ich das viele westliche Jugendliche den Bus fuer die Fahrt in die Mall genutzt haben. Scheinbar werden durch die neue Verbindung viele Muetter und auch ein paar Vaeter vom Fahrdienst befreit. Ein recht neues Bild fuer Dubai.

Alles in allem fand ich es wirklich interessant und es hatte einen amuesanten Abenteuercharakter. Dubai hat es nun also auch geschafft, mit dem oeffentlichen Personennahverkehr, die Westler in den „gated communities“ zu erreichen. Mal schauen, was als Naechstes kommt.

Dubai und der grosse Schritt

Seit dem 9. September 2009 hat Dubai eine Metro. Die Eroeffnung fand feierlich und mit riesigem Medienspektakel statt. Auf der roten Strecke sind 10 Stationen in Betrieb und die kompletten 29 werden im Mai 2010 eroeffnet werden.
Die gruene Strecke, deren Inbetriebnahme fuer Juni naechsten Jahres angedacht war, wird wohl erst gegen Ende 2010 fertig werden.

Wie so oft in Dubai, hat sich ein Metrointeressierter dran gemacht eine unabhaengige Homepage zu starten, Dubai-Metro. Dort findet man alle relevanten Informationen ueber Strecke, Preise etc pp in benutzerfreundlcher Weise. (Falls die linke Taskleiste nicht funktioniert, einfach die obere benutzen...) Eigentlich wuerde ich davon ausgehen, das diese Seite von offizieller Stellen plaziert sein sollte, aber die Homepage der RTA (Road and Transport Authority) ist derart unuebersichtlich, das es ein rechter Genuss ist, auf Dubai-Metro zu surfen.

Es gibt beeindruckende Statistiken, das diesen Montag z.B. 40tausend Passagiere und am Dienstag sogar 44tausend befoerdert wurden. An dieser Stelle muss ich mich outen: Wir haben es noch nicht getestet. Ich habe einfach zu viel Respekt gehabt vor der Anfaelligkeit des Systems im Grundsaetzlichen. Die Vorstellung mit Luisa in einer riesigen Traube von Menschen, die zum Grossteil noch nie eine Metro benutzt haben, auf den Zug zu warten, war etwas abschreckend.
Es laufen richtige Kampagnen, um den Dubaianern das richtige Verhalten in den Zuegen beizubringen. Sie laufen im Radio und sind im Print zu bestaunen. Dort geht es darum, das man sich anstellen muss und sich den Einstieg nicht einfach mit Koerperkraft erarbeiten soll. Oder das Fuesse auf den Sitzen nichts zu suchen haben und Notbremsen wirklich nur im Notfall zu betaetigen sind.

Ich finde es beeindruckend, das Dubai diesen grossen Schritt in Richtung oeffentlicher Personennahverkehr so rasant gelungen ist, habe aber einen Heidenrespekt vor dem aktuellen Betrieb. Mit Kinderkrankheiten wie Verspaetungen und ausfallenden Fahrkartenautomaten ist zu rechnen, aber die Tatsache, das gleich alle Automaten auf den Bahnsteigen ausfallen oder ein Vielfaches des Fahrpreises von der Nolcard abgebucht wird, laesst mich noch ein wenig in Geduld ueben.

Mein Plan ist mir mit Luisa mal den Bus in den Ranches zu schnappen und bis zur Mall of the Emirates zu fahren. Das ist naemlich die zweite grosse Neuerung in meinem Leben. Seit wenigen Tagen, sind wir mit dem Bus angeschlossen. Es sind moderne Linienbusse, die ich aus Europa kenne und ich werde es auf jeden Fall testen. Aber auch hier eher aus Neugier und ohne Anspruch, das es mir das Leben leichter machen wird.

Zurueck in der Hitze

Luisa und ich waren ganze 4 Wochen in Deutschland und es war herrlich. Wir hatten wunderbares Wetter, frische Luft bis zum Abwinken, Regen, Sonne, Sturm, Gewitter und einfach eine schoene Zeit.

Am Anfang fand ich es eher amuesant, das in Dubai puenktlich zum Schuljahresende eine regelrechte Flucht einsetzt. Zahllose Familien und noch mehr Frauen mit ihren Kindern verlassen die heissgeliebte Staubglocke Dubai im Juli und kehren zum Schulanfang im September zurueck. Es ist wie eine fuenfte Jahreszeit in Dubai, wenn die 'armen' Familienvaeter auf einmal zu einsamen Woelfen werden.

Dieses mal haben wir uns eingereiht, weil Jan aus beruflichen Gruenden mit mitkommen konnte und wir, oder wohl besser ich, diese unbezwingbare Sehnsucht nach Sauerstoff gespuert haben.

Mitte Juli sind wir also aufgebrochen und letzte Woche Samstag wieder zurueckgekommen. Was soll ich sagen? Die Hitze ist noch nicht vorbei und auch die Luftfeuchtigkeit hat sich noch nicht wieder verkruemelt. Dazu kommen regelmaessige Sandstuerme, die zwar die Thermometer nur auf 41 Grad steigen lassen, was nicht so heiss ist wie in den Jahren zuvor, aber in Kombination mit der Luftfeuchtigkeit hat man das Gefuehl, das ein chronischer Sauerstoffmangel herrscht. Es macht sich eine unterschwellige Muedigkeit breit, die ein bisschen frustrierend ist, denn vom Kopf her, wuerde man gerne aktiv sein.

Es kann hoffentlich nicht mehr allzu lange dauern, spaetestens im Oktober sollte es wieder angenehm sein und dann beginnt die Zeit der Parks und des Strands.

Jetzt gerade plane ich Luisas Geburtstagsparty - wohlgemerkt drinnen, denn bei diesen Temperaturen wuerde es an Quaelerei grenzen, die Kleinen 2 Stunden im Garten spielen zu lassen...

ps: Ich weiss, das es in D auch gerade sehr heiss ist und fuehle mit Euch - wir haben zwar Klimaanlagen, aber ich kann nur sagen, das die auch mindestens genauso viel Fluch wie Segen mit sich bringen.

Ein Scheich ganz modern

Vor einigen Wochen gab es die Meldung, das der Herrscher von Dubai, Scheich Mohammed bin Raschid Al Maktoum auf Facebook aktiv sei. Ich habe mich nicht dem ploetzlichen Interesse an "Freundschaft" mit ihm angeschlossen und kann daher auch nicht sagen, was er in seinen Statusupdates geschrieben hat. Aber es hat auf jeden Fall fuer viel Interesse gesorgt.

Just heute kam aber die Meldung, das er nun auch auf Twitter aktiv waere. Unter dem Namen
HHShkMohd ist er dort zu finden. Ich habe grad mal schnell reingeschaut, was er fuer Updates gibt. Mir gefaellt die offene Art und Weise, in der er seine Buerger/Untertanen anspricht. Sein Tweet vom 10. Juli sagt, das er in 10 Tagen offiziell bekannt geben wird, wann die privaten und britischen Schulen den Unterricht nach den Sommerferien wieder aufnehmen.

Sehr spannend, denn seit Tagen brodelt es in der Meldungskueche, ob die privaten Schulen nun im oder nach Ramadan wieder beginnen. ... Dazu uebrigens von mir kein Kommentar an dieser Stelle...

Dubai ist keine Ausnahme

Klingt unlogisch? Koennte man meinen im groesser-schneller-hoeher-reicher Emirat, aber tatsaechlich plagen Dubai im Prinzip genau die gleichen Probleme, die die ganze Welt momentan auf eine harte Probe stellen.

Seit Ende Juni haben die Sommerferien der meisten Schulen begonnen und wie immer im Sommer, wenn viele ausgeflogen sind, um den heissesten Tagen zu entgehen, ist es ruhig auf Dubais Strassen. Die Frage, die nun alle Hiergebliebenen beschaeftigt ist, wieviele denn ueberhaupt wiederkommen.

Wir alle wissen, das die Medien sehr genau beobachtet werden, weshalb auch niemand die Berichterstattung vollumfaenglich fuer bare Muenze nimmt. Es scheint, das immer noch eine ganze Menge Visa bearbeitet werden. Wie genau aber die Relation von Stornierungen zu Neuantraegen ist, weiss niemand.

Ich lese sehr viel auf Expatwoman.com, welches ich als ganz spannendes (wenn auch nicht freies) Medium betrachte. Es spiegelt oft die Stimmung und breite Situation wieder und gibt ein ganz gutes Gefuehl fuer die tatsaechliche Lage.
Dort finden sich immer mehr Eintraege zum Thema

- Wir bekommen keine Kreditkarte, weil mein Mann in der Bauindustrie arbeitet
Das selbe passiert vielen in der Immobilienbranche oder Versicherung

- Kann ich belangt werden, wenn ich ohne bestehendes Visum die Registrierung meines Autos verlaengere
Zur Verlaengerung braucht man lediglich die Versicherungsunterlagen und die alte Registrierungskarte, man koennte also verschweigen, das man gerade kein Residenzvisum hat.

- Mein Mann hat seinen Job verloren, sucht jemand im Bereich xy?
Es werden massenweise Stellen gestrichen, gerade letzte Woche bei einem Arbeitgeber wieder 900.

- Ich habe Angst, was sollen wir denn machen?
Wie gesagt, es gibt keine soziale Sicherheit. Und wenn man kein gespartes Geld, am besten unter dem Kopfkissen hat, wird es schnell sehr eng hier und kann sich soweit zuspitzen, das man beim Ausreiseversuch festgenommen wird, wenn man z.B. die Raten fuer's Auto oder die Kreditkarte nicht mehr zahlen kann.

- Wer hat Erfahrung damit, seine Kinder zuhause zu unterrichten?
In Dubai einen Schulplatz fuer seine Kinder zu finden ist nicht ganz leicht und ist auf jeden Fall sehr kostspielig. Einige Familien, gerade mit mehreren Kindern, koennen es sich momentan nicht leisten und bekommen keinen Platz in den wenigen staatlichen und sehr arabischen Schulen. Nur als Anhaltspunkt: Ich muss fuer Luisas Kindergartenplatz fuer 3 Morgen in der Woche pro Term (grobes Vierteljahr) AED 6500 plus AED 1750 (entspricht ungefaehr EUR 1600) zahlen.

etc pp.

Die Lage ist leider fuer viele Familien sehr ungewiss, da es in Dubai keine sozialen Strukturen fuer derartige Faelle gibt. Ohne Arbeit, kein Visum, kein Aufenthaltsrecht, kein Geld, keine andere Option, als das Land zu verlassen oder aber zumindest die Famlie ausser Landes zu schicken.

Ich kenne einige, die schon gegangen sind und bin auch sehr gespannt, wie es denn wohl nach dem Sommer und Ramadan sein wird.

Manchmal bin ich mir nicht sicher

So auch heute: In der taeglichen Gratiszeitung '7 days' steht heute ein Leserbrief von Anonymous darueber, das er/sie nachts gegen 2.30 Uhr auf dem Fussweg zu seinem/ihrem Gebaeude verhaftet worden ist. Er/sie haette einen Freund zum Flughafen gebracht und ist danach wieder heimgefahren. Die Polizei haetten ihn/sie angesprochen und nach der Arbeitsgenehmigung (labourcard) verlangt. Daraufhin sei er/sie in den Polizeiwagen zitiert worden und zur Naif Polizeistation gebracht worden. Dort waeren bereits an die 200 andere Personen gewesen, alle wegen dem gleichen Grund aufgegriffen. Nach 3 langen Stunden (die sie auf dem Boden sitzend verbracht haetten) seien sie wieder frei gelassen worden. Die Frage, warum sie festgehalten worden seien, wurde ihnen damit beantwortet, das man sich nach Mitternacht nicht auf den Strassen herumtreiben sollte. Fuer den Fall sie wuerden ein weiteres Mal aufgegriffen, haette man ihnen mit einem Monat Gefaengnis gedroht...

Mein erster Gedanke war, absolute Entruestung! Der naechste dann: Kann das ueberhaupt wahr sein? Und so gingen die Gedanken ihren Gang.

Also, im Prinzip ist hier alles moeglich und genau das finde ich manchmal etwas frustrierend. Denn nicht alle Situationen kann man mit gesundem Menschenverstand erklaeren. Man wird hier mit den abstrusesten Dingen konfrontiert, die mich in meinem Verhalten ehrlch gesagt mittlerweile beeinflussen.
Mein Mut, mich fuer andere einzusetzen bzw. Stellung zu beziehen ist manchmal eher einer Beobachtung gewichen. Erstmal schauen, ob das ueberhaupt so war und wie sich die Situation entwickelt.

Es scheint, das dies nicht der erste Fall dieser Art ist, wie aus den Kommentaren der '7 days' zu lesen ist.

Jan brachte den Punkt ein, das es scheinbar oftmals 1-2 Monate vor Rammadan (der dieses Jahr um den 21. August beginnt und 30 Tage dauert) verschaerfte Aktionen gibt, Illegale aufzugreifen und auszuweisen bzw. Regeln grundsaetzlich haerter durchzusetzen. Finde ich einen gar nicht unspannenden Ansatz....

Ansonsten hoffe ich ganz egoistisch, das sich die positiven Ereignisse haeufen und in den Vordergrund draengen. Denn das Leben hier in Dubai ist immer noch nicht schlecht, einfach sehr anders, auch wenn das aus den Hochglanzreportagen im deutschen Fernsehen nicht wirklich abzuleiten ist.

3 Jahre sind um....

Und somit ist es an der Zeit mein Residenzvisum fuer Dubai zu erneuern. Irgendwie ein aufregendes Gefuehl, das damit einher geht.

Die Administration ist strikt geregelt. Da ich durch Jan (und er von seinem Arbeitgeber) gesponsort bin, musste zuerst sein neues Visum stehen. Zum Erneuerungsprozess gehoeren eine medizinische Untersuchung, relativ viel Geld und ein bisschen Geduld.

Seit einigen Wochen duerfen die privaten Kliniken und Krankenhaeuser die medizinischen Tests nicht mehr durchfuehren. In der Geruechtekueche kursieren die unterschiedlichsten Gruende, aber dazu will ich mich hier nicht auslassen.  Im ersten Moment hatte ich schon etwas Respekt vor dem unbekannten Ort, aber ehrlich gesagt entstand das Gefuehl aus reiner Unwissenheit. Auch wenn ich wirklich neugierig und mit offenen Augen hier lebe, war ich noch nie in einer staatlichen Klinik oder einem staatlichen Arztzentrum. Nach meinem Besuch am Mittwoch kann ich aber eigentlich nur ueber mich lachen.

Ich war in der Al Safa Clinik gegenueber dem Safa Park und wenn man dort hineingeht, empfaengt einen eine etwas nuechterne Atmosphaere. Die Moebel haben 70er Jahre Jugendzimmercharakter, laminiertes Design in schickem braunem Holzmuster.

Die Abteilung, die fuer die medizinischen Tests zustaendig ist, nennt sich "VIP Medical Testing". Zuerst muss man in die Schreibstube - erinnert mich immer sehr an die Besuche bei meinem Vater in seinen Kompanien gute 20 Jahre her. Dort werden die noetigen Formulare in arabisch ausgefuellt. Dazu legt man seinen Reisepass mit dem Visum vor und 2 Passbilder. Mir ist schon einiges lustiges passiert mit den arabischen Formularen, diesmal war es harmlos. Aus meinem dritten Namen Alexandra wurde lediglich Alexander. Fast langweilig.

In dem gleichen Raum waren ein Tisch der Bank of Dubai mit einer lokalen Mitarbeiterin dahinter, die gerade genuesslich und perfekt geschminkt ein suesses Broetchen und Saft vertilgt hat. Im L zu ihr war der Tisch einer Polizisten in Uniform. Er sah auch aus wie ein Einheimischer und ist sicherlich Teilnehmer des neuen Sportprogramms der Polizei.

Nachdem ich die 20 Dirham fuer das Ausfuellen der Formulare bezahlt habe, habe ich meine Papiere am Schalter im Hauptraum abgegeben und wurde noch um 690 Dirham aermer gemacht. Dort bekam ich die Nummer 92 und durfte warten. Erstaunlicherweise gar nicht lange bevor ich zur Blutabnahme aufgerufen wurde. Was soll ich sagen... Ich wurde mit meinem Zweitnamen gerufen, den ich geflissentlich ignoriert habe, da ich ihn nie nutze. Irgendwie hab ich dann aber doch von meiner Zeitung aufgeschaut und registriert, das keine andere Frau wartete, also musste ich gemeint sein.

Die Blutabnahme ging sehr schnell und wurde von zwei indischen Aerztinnen vorgenommen. Da ich am fruehen nachmittag da war, wurde ich fuer den kommenden Morgen zum Abholen der Ergebnisse bestellt.

Gesagt getan. Voellig unkompliziert habe ich am darauffolgenden Morgen meine Ergebnisse gereicht bekommen. Diese hat Jan dann beim Visaservice in seinem Buero eingereicht und nun warte ich auf meinen Pass.

Damit Ihr eine Idee bekommt, wie die Formulare hier aussehen koennen, habe ich Euch meinen Bescheid hochgeladen   Visa renewal 2009 herunterladen

Flohmarkt im Safa Park

IMG_0002 Ich persoenlich liebe Flohmaerkte! All die Menschen aus den verschiedensten Haeusern und dann erst all die Dinge, die sie mitbringen. Plunder, Raritaeten und Schaetzchen. Und manchmal eben auch etwas fuer mich.

Hier in Dubai ist das nicht anders.

Den Flohmarkt gibt es jetzt schon eine ganze Weile. Wenn ich richtig informiert bin, wurde er von Deutschen ins Leben gerufen. Das Konzept ist denkbar einfach: ein großer Park, AED 220 fuer einen Tisch mit zwei Stuehlen unter Palmen und viele interessierte Menschen. Das alles ist recht professionell aufgezogen und alle Infos sind auf der eigenen Flohmarkt Homepage abrufbar.IMG_0008

Aufbau ist von 6 Uhr an und offiziell werden Besucher ab 9 Uhr in den Bereich des Flohmarktes gelassen.

Heute waren wir gegen viertel vor neun da und es war schon die Hoelle los. Das letzte mal waren es wohl 200 Aussteller und auch dieses mal war eine Menge los.

Auffaellig ist, dass viele der fruehen Besucher von den Phillipinen stammen.

Verkauft wird ALLES. Heute hatte ich auch das Gefuehl, das einige Restbestaende aus ihren aufgeloesten Wohnungen verkaufen. Sogar eine Waschmaschine war Teil des Angebotes. Ansonsten gibt es Unmengen an Kleidung, Babysachen, Bilder, Geschirr etc pp. Viele bieten auch eigenes Handwerk an. Es ist definitiv eine gelungene Mischung.

IMG_1353Wir haben fuer Luisa Bilderbuecher, Cheerleader Puschel und ein paar neue Markenkleidungsstuecke fuer kein Geld erstanden.

Nach einer guten Stunde inklusive Spielplatzbesuch sind wir dann wieder zum Auto getigert und haben uns an der kuehlen Klimaanlage gelabt. Morgens um 9 schon gute 40 Grad sind einfach warm.

Deshalb findet der naechste Flohmarkt am 12. Juni auch drinnen statt.

Es wird strenger

Gerade habe ich in meinem Lieblingsforum - weil es so herrlich zickig zugehen kann und ich mich immer wieder frage, womit man doch so alles seine Zeit verbringen kann - Expatwoman.com gelesen, das wohl unser geliebtes "Loch in der Wand" schliesst.

Es geht um das den Alkoholshop im "Barracuda" das sogenannte "Hole in the wall" in Um Al Quain. Es ist das erklaerte Lieblingsziel des Alkohol konsumierenden Buergers von Dubai um steuerfrei Alkohol zu kaufen. Die Auswahl ist recht gut. Natuerlich jede Menge harte Alkoholika aber auch schoene Weine aus aller Herren Laender. Die Preise sind nicht zwingend extrem guenstig, aber man spart den Zuschlag von 30% Alkoholsteuer, der hier in Dubai auf den regulaeren Preis faellig ist.

Strenggenommen macht man sich strafbar, wenn man den Alkohol von dort nach Dubai faehrt, da man durch das Emirat Sharjah fahren muss und Sharjah ist trocken. Noch Fragen?

Scheinbar hat das Emirat Um Al Quain nun laut heutigem Artikel in der Khaleej Times erlassen, das Nachtclubs und Bars zum 1. Mai geschlossen werden. Das heisst, es wird kein Alkohol mehr ausgeschenkt. Nun faende ich es nur logisch, das auch der angrenzende Alkoholladen keinen Alkohol mehr verkaufen darf. Nach folgendem Artikel seien sie aber nicht gefragt worden zu schliessen.... Finde ich persoenlich nicht logisch, aber beschweren will ich mich natuerlich nicht.

Mir stellt sich gleich die Frage, seit wann die Diskussionen wohl schon laufen, denn ehrlich gesagt, hatte ich bis heute noch nichts davon gehoert. Die Frage ist auch, ob es damit zu tun hat, das der Einfluss von Abu Dhabi auf die Emirate wieder staerker wird. In der momentanen wirtschaftlich schwierigen Lage scheint Abu Dhabi die Ueberhand in der Region zu gewinnen und die Daumenschrauben etwas anzuziehen.

Der zweite Artikel bezieht diese Entwicklungen auf die Situation in Bahrain, wo schon 1 und 2 Sternhaeuser keinen Alkohol mehr ausschenken duerfen, da sie damit ein Magnet der Unsittlichkeit werden wurden.
Auf der anderen Seite wundert es mich sehr, das auf diese nicht unerhebliche Einnahmequelle verzichtet wird. Jedes Emirat verstaerkt seine Anstrengungen im Bereich des Tourismus und es ist nicht von der Hand zu weisen, das ein Glas Wein zum Abendessen schoen sein kann... Die Moral wird wohl gerade einmal wieder hochgehalten - wir werden sehen, wohin das fuehrt.

Ich werde Euch auf dem Laufenden halten. Wir haben uns vor 3 Wochen mit Nachschub vom Barracuda eingedeckt und warten jetzt einfach mal ab.

Weiterhin steht im Artikel, das Hotelzimmer nur noch Familien, sprich zumindest Eheleuten, vorbehalten sind. Tanzveranstaltungen, laute Musik und DJs sind ebenfalls verbannt worden. Mit vorheriger Erlaubnis duerfen aber lunch- und dinnerparties gefeiert werden, allerdings nur bis maximal Mitternacht...

Fuer alle die es interessiert noch eine Anmerkung: Solltet Ihr ueberlegen ob die Alkohollizenz Sinn macht oder nicht - BITTE, BITTE, BITTE stellt Euch diese Frage nicht, sondern besorgt sie Euch, wenn Ihr hier lebt, denn habt ihr sie nicht und werdet alkoholisiert erwischt, ist das der Beginn eines langen Alptraums.