The Big Smoke
Wir sind zurück aus Melbourne. 10 Tage waren wir in der Hauptstadt Victorias und im ländlichen Warrnambool, um Familie und Freunde zu besuchen, die wir seit unserem Umzug in die Tropen dort zurückgelassen haben. Dreieinhalbtausend Kilometer liegen seither zwischen uns und Johns erwachsenen Kindern Rachel und Jonathan.
Wir sehen sie ein-, zweimal im Jahr. Kein Wunder, dass Johns Augen sehr feucht werden, wenn er von Tochter und Sohn mal wieder Abschied nehmen muss. Fast geht es ihm so wie mir mit meiner Familie in Deutschland. Mein Deutsche-Familie-Nicht-Seh-Rekord liegt allerdings bei fast drei Jahren. Dabei bin ich mit meinen Lieben weder verfeindet, noch durch Stacheldraht, Mauern oder kriegerische Auseinandersetzungen an einer Vereinigung verhindert.
In Melbourne hat mich meine Freundin Kim nämlich in die
Berlin-Bar (www.berlinbar.com.au)
verschleppt. Die Berlin-Bar, das sind zwei Räume: Berlin-West und Berlin-Ost,
samt Mauer und Stacheldraht. Nachdem ein adrett gekleidetes Frollein uns
eingelassen hat, entschieden wir uns für den Osten. Sah irgendwie entspannter
aus, obwohl die Cocktails genauso teuer wie im Westen waren. Will mal wieder
nicht meckern – immerhin GAB es im Ostteil Cocktails. Es war herrlich, ich
werde an diesen Abend noch lange zurückdenken. Ich und Ostalgie in der neuen
Welt, wer hätte das gedacht?
Es war aber auch zu schön, endlich mal wieder nur mit
Freundin durch eine richtige Stadt zu ziehen. Wir haben uns selbstverständlich
nicht ausschließlich an der Mauer rumgedrückt, sondern sind danach gleich noch
ins nahegelegene Croft Institute, eine Bar, die sich den Anstrich einer alten
Psychiatrie gibt. Der hausdestillierte Wodka wird vom Doktor in Spritzen
serviert. Themen-Bars scheinen also angesagt zu sein. Vielleicht ist das schon
seit Jahren so, ich bin zugebenermaßen nicht mehr auf dem Laufenden und daher
so leicht zu beeindrucken wie ein Backfisch aus der Eifel beim ersten
Köln-Besuch.
Nur, dass ich 45 bin, was mir bei meiner Melbourne-Sause mal wieder schmerzhaft bewusst wurde. Seit wann gibt es ein Gesetz, dem zufolge sich Frauen über 25 nach zehn Uhr abends höchstens in Privaträumen zu amüsieren haben? Ich hab davon noch nie gehört, aber warum sonst waren wir die einzigen Frauen (ähem) mittleren Alters, die sich nachts noch durch Melbournes enge Gässchen wagten? Um Mitternacht stellte sich dann der Cinderella-Effekt ein. Wir waren schweinemüde und fielen im übertragenen Sinne auseinander. Komplett aus der Übung. Erst Berlin, dann das Institut. Und das wiederum lag in Chinatown. Zuvor waren wir noch bei DEM Italiener überhaupt essen.
P.S.: Glückwunsch an Lena, dankeschönst! Die Australier finden übrigens, dass unsere Europop-Prinzessin einen höchst seltsamen Akzent hat, nämlich nicht deutsch, sondern eher isländisch. Björgisch sozusagen. Ich schaue sonst immer mit meinen deutschen Freundinnen den Grand Prix zeitversetzt auf SBS, dem Multi-Kulti-Sender. In dieser Zeit verhängen wir uns eine freiwillige Nachrichtensperre, denn der Gewinner steht schon fest, wenn wir schauen. Dieses Mal hab ich das Ereignis wegen des Melbourne-Trips verpasst. Schade, aber ich freu mich natürlich trotzdem. Und im nächsten Jahr gibt’s natürlich kein Halten! Geile Axt!
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