Downunder: Urlaub mit Folgen

Annette Dutton (43) wollte 2000 eigentlich nur nett Urlaub machen und am Great Barrier Reef tauchen gehen. Dann angelte sie sich den Mann fürs Leben.

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life is a beach

Letztens hat ein Kommentator im hiesigen Fernsehen die Gesamtheit der Australier für delusional erklärt, was ein schöner Ausdruck für den Zustand der Selbsttäuschung ist. Seine Mitbürger seien, meinte er, völlig auf dem Holzweg, was die internationale Wichtigkeit ihres Landes anbelange. Anlass war, dass unser Prime Mininster Kevin Rudd in der heimischen Presse gerne mal als worldleader bezeichnet wird, zuletzt in Sachen Klimaschutz. Komisch nur, dass sich in Kopenhagen keine Sau für seine Führungsqualitäten interessiert hat. Dabei hat der Mann doch wirklich die ein oder andere gute Idee. Kümmert nur eben keinen und ich kann’s sogar verstehen. Deswegen habe ich dem Fernsehmann aufmerksam gelauscht. Der sagte dann, dass wir Australier doch endlich zur Kenntnis nehmen sollten, dass wir ein Resort-Kontinent sind, eine Art überdimensionaler Club Med und sonst gar nichts.

Strand, Sonne, Urlaub – das ist Australien für den Rest der Welt. Vom Club Med-Chef erwartet man sich vielleicht einen Freundschafts-Rabatt oder einen freien Begrüßungs-Cocktail, aber sicherlich keine tiefschürfenden Analysen zur Gletscherschmelze. Da gucken die Touristen doch lieber dem Verschwinden der Eiswürfel in ihrem Mojito zu. Und das tut dem Australier weh. Dabei ist das doch gar kein schlechtes Image. Mit einem Land, das bei anderen warme Urlaubsgedanken auslöst, kann ich persönlich ganz gut leben. Ich könnte mir immerhin Schlimmeres vorstellen, z.B. wollte ich nicht im Kühlhaus der Welt wohnen. Ich finde es auch nach fast 10 Jahren in Australien noch immer schön, dort zu leben, wo andere Ferien machen. So jemand wie ich hat nämlich viele Freunde. Hier in den Tropen sogar manchmal mehr, als man kennt.

Glaubt mir, Facebook-Freunde sind ein Dreck gegen meine neuen Ich- bin- der- Großkusin- der Patentante- deiner- ehemaligen- Nachbarin-Freunde. Wie, ich kann mich nicht mehr an diese Nachbarin erinnern, die 1987 ein halbes Jahr in der WG im 2. Stock gewohnt hat? Ist ja schade, na, schöne Grüße jedenfalls und diese Flasche Wein ist auch von ihr. Bei meinen ersten deutschen Backpackern war ich noch sehr naiv und fragte, wofür der Wein denn sei. Ich fühlte mich ein wenig beschämt, als ich folgende Antwort erhielt: „Das war doch das Zeugs, dass ihr beim Tante Emma Laden um die Ecke gekauft habt, wenn Euch der gute Rote ausgegangen ist.“ Ich guckte mir das Etikett an und tatsächlich, der Groß-Kusin hatte recht! 3,80 D-Mark, nicht Euro. Der herrlich süffige Kröver Nacktarsch. All die Nächte am WG-Tisch … Wie hätte ich dem Boten sentimentaler Erinnerungen kein Bett und Mahl anbieten können? Und so öffnete ich dem ersten Ruckreisenden meine Tür.

Und der blieb, und blieb. Tagsüber buchte er aufregende Tauch-Touren zum Riff oder Wildwater-Rafting oder Hiking im Regenwald. Zur Fütterungszeit fand er sich aber immer pünktlich an meinem Trog ein, bevor er sich abends gestärkt in den Backpacker-Partyrummel stürzte. Er hat sich nach 10 Tagen dann sehr nett verabschiedet. Ich hab nie wieder was von ihm gehört und auch nicht von meiner ehemaligen WG-Nachbarin. Nicht, dass ich traurig gewesen wäre. Ich war ja froh, als der Knabe endlich sein Ränzlein schürzte (nachdem er noch fix seine Wäsche gewaschen und in meinen Trockner geworfen hatte). Aber so ist das eben mit meinen neuen Freunden. Ein paar deutsche Backpacker später bin auch ich ein wenig schlauer geworden. Nicht, dass ich nicht gerne aushelfen würde. Nur weiß ich jetzt, wie sie ticken, die jungen Leute, und kann deshalb durchaus auch mal „nein“ sagen, wenn sie sich aufgrund dünner (oder auch nur nationaler) Bande kostenlose Kost und Logis versprechen. Ich verstehe schon, dass man als Backbacker sparen muss und das australische Bier ist auch ein Teueres, aber wieso eigentlich auf meine Kosten?

Ach, was soll’s! Ich könnte es den jungen Menschen doch nun wirklich nachsehen. Zumal ich jetzt diesen erweiterten Horizont habe und weiß, wie die Welt uns sieht. Resort-Country, Club-Med-Kontinent, all- inclusive-five star! Man soll auch nicht gleich jede Illusion bzw. delusion zerstören, das macht die Menschen nur negativ und dann bleiben sie vielleicht deprimiert zuhause sitzen anstatt zu reisen. Das täte Australien ja auch nicht gut. So ein Resort lebt nun mal vom Tourismus. Nur ich leider nicht. Schade, aber dafür hab ich wie gesagt jede Menge Freunde.
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