Downunder: Urlaub mit Folgen

Annette Dutton (43) wollte 2000 eigentlich nur nett Urlaub machen und am Great Barrier Reef tauchen gehen. Dann angelte sie sich den Mann fürs Leben.

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The Silly Season

Ich höre nun schon seit September "Jingle bells" und "White Christmas" in den shopping malls, obwohl hier jeder, der nicht vollkommen auf den Kopf gefallen ist, natürlich weiß, dass es auch in diesem Jahr nichts wird mit der weißen Pracht. Das kann selbst ich als tropischer Neuzugang und von meteorolgischen Kenntnissen vollkommen unangekratzt, unterschreiben. Dennoch macht sich einer der lokalen Sender wohl jedes Jahr aufs Neue den Spaß und befragt den Fachmann, ob sich da nicht doch was an der Großwetterfront im Dezember tut. So ganz doof ist das ja nun auch wieder nicht.  Was wissen wir schon, wie genau sich die Klimakatastrophe so global auswirkt?

Stur bereite ich mich dennoch auf heiße Weihnachten vor. Sehr heiße. Wenn ich der Wetterfrau im Radio glauben schenken darf, hatten wir vorletzte Nacht noch um Mitternacht herzerwärmende 31 Grad. Ich habe nicht schlecht gestaunt, doch seit einiger Zeit surrt im Schlafgemach die Klimaanlage. Ja, ja, stimmt schon: Carbon footprints noch und nöcher? Aber Sie daheim im fernen Deutschland schalten doch sicherlich auch die Heizung an, wenn's friert? Und ich verurteile Sie nicht dafür. Wer bin ich denn?

Wie geht's Ihnen denn so zwei Wochen vor Doomsday, äh ich meine Weihnachen? Besinnlich, vorfreudig oder vielleicht doch eher gestresst? Ich wette, entspannt ist zurzeit höchstens noch der Hund in der Familie und selbst der spürt die blanken Nerven seiner humanen Mitbewohner. Ich wollte wenigstens eine Runde Vanillekipferl backen. Das Rezept ist von Lafer, die Kipferl von einem anderen Planeten...Ich werde wohl weiter träumen. Die Zutaten sind gekauft, aber irgendwie, ach nee. Oder doch? Backen mit dem Sohnemann ist auch nicht schön - zumindest nicht für ihn. Ich bin zu gereizt um diese Jahreszeit und ich bin bescheuert. Ich will die Plätzchen nämlich PERFEKT. Je nach Tagesform heult beim Backen entweder mein Sohn oder ich, manchmal wir beide.

Dabei kann ich mich glücklich schätzen, denn eigentlich habe ich den Weihnachtsdriss schon hinter mir: Letzter Tag im Kindergarten (bitte bringen Sie was zum Teilen mit): abgehakt. Weihnachtsfeier im Tauchclub: schon vorbei. Firmen-Weihnachtsfeier: ohne peinliche Momente (meinerseits) verlaufen. Und bis Weihnachten kommt nun nichts mehr. Ahhh, wie entspannend!

Aber noch kurz zur letzten Weihnachtsfeier. Wie wohl überall auf der Welt, lassen Angestellte und oft auch die Chefs ihre Haare runter, wie's hier in Australien so schön selbsterklärend heißt, wenn man sich locker macht und ein wenig die Sau rauslässt. Lustigerweise war die Feier in einer coolen Backpacker-Bar mit schwitziger Liveband, rotierenden Ventilatoren, Pool-Billard-Wettbewerb, null Klimaanlage und: Freibier! Die Kombination hätte tödlicher nicht sein können.

Nach all dem Alkohol und Gloria Gaynor-Songs fiel es so mancher weiblichen Arbeitskraft schwer, die ohnehin schon luftige Bekleidung am rechten Fleck zu halten. Besondere Schwierigkeiten hatten zwei Damen, die um die Gunst eines Männchens im Wettstreit lagen. Ich will Sie jetzt nicht mit Cairns-Weihnachtsfeier-Klatsch belatschern, aber ich dachte mir: Das ist doch eine super Gelegenheit, mal ein wenig über den hiesigen fashion speak zu schreiben. Eigentlich geht es weniger um Mode als um modisches Fehlverhalten. So sehr ich es hasse, über meine neue Heimat Schlechtes zu schreiben: Es wundert mich nicht, dass downunder so viele herrliche Begriffe geprägt wurden. Es gibt viel Träger-Mut zu bestaunen und ich liebe die australische Vorstellungskraft, die so treffende Bilder für das Erscheinungsbild ihrer Mitmenschen findet. Hier nun also meine Lieblinge der fashion faux pas:

trout pout: Forellenschnute. Meint die vom Botox eher komisch aufgeblasenen Lippen

Whale tail: der Walschwanz. Bezeichnet den Anblick eines tangatragenden weiblichen Hinterteils beim Bücken. Gut, oder?

tramp stamp: das ist der deutsche Schlampenstempel, also ein Tattoo - meist oberhalb des Hinterteils

cameltoe: wörtlich "Kamelzehe" und meint die sich Abzeichnende Vulva durch zu enge Hosen

muffin top: überquellendes Hüftgold, geboren durch zu viele Kalorien der Besitzerin aber auch schlicht erzielbar durch die Auswahl zu enger Jeans. I love it!

1661: feministisch gesehen nicht politisch korrekt, aber ich will's nicht vorenthalten. Es geht um Frauen, die von hinten wie 16 aussehen und von vorne...ja, Sie haben's erraten!

bingo-wings: "Bingo-Flügel". Aus der gleichen feindlichen Ecke wie eben. Bezeichnet Frauen mit unvorteilhaften Oberarmen. Zum Verständnis: Es handelt sich um ältere Damen, die sich zum wöchentlichen Bingospiel treffen.

Hoffentlich habe ich mit dieser kleinen Liste nicht zur allgemeinen Figur-Paranoia beigetragen, sondern nur zur Erheiterung. Ich persönlich trage alljährlich zum Fest (oft auch davor und danach) stolz mein Muffin Top spazieren. OK, nicht so ganz stolz. Schon gut. Ich verdeck's lieber. Ich gebe zu: Das ist eher aus meiner Leidenschaft für Schoko-Küchlein als der für Heidelbeeren erwachsen.  Jetzt, da ich mal wieder vom essen schreibe: Ich krieg doch glatt schon wieder Lust aufs Backen. Besser, ich fang sofort an, bevor ich's mir wieder anders überlege. Merry Christmas all meinen Leserinnen und auch all den über den Globus verstreuten Mit-Bloggerinnen! Enjoy the season whereever you are!

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Kommentare

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Hallo Annette,

vielen dank fuer Deine Eintraege - da ich selbst suedlich von Sydney wohne, freue ich mich immer darueber. Meinen kleinen Sohn (16 monate) erziehen wir auch zweisprachig (ich: deutsch/ Dad: english). Erzaehl doch mal, wie Oscar damit klar kommt? Hat er sich schon mal gesperrt dagegen, mit Dir deutsch zu reden? Und wie baust du sein "Halbes Deutsch-sein" in Euren Altag ein? Ich gebe zu, auch ich habe mit Plaetzchenbacken geliebaeugelt, aber im Moment hab ich weder alle Weihnachtsgeschenke beisammen noch nen Baum aufgestellt und das Fuellen des Weihnachtskalendars faellt mir auch schwer... Anyway, Merry Christmas nach Cairns!
Billy

Haha, ich lach nicht tot! "Australian Fashion" war mir auch schon immer ein Raetsel. Minirock und Ugg-Boots? Leggins? Oje, vor allem die Maedels hier haben schon manchmal nen merkwuerdigen Geschmack.

Ich flieg ueber Weihnachten uebrigens heim nach Deutschland, Mal wieder weisse Weihnachten ist auch nicht schlecht. Auch wenn ich jetzt schon weiss, dass mir furchtbar kalt sein wird!

Liebe Gruesse aus Perth!

Ich sach nur butt crack. Bin schon halb blind - auch vom Anblick fremder Busen. Cowboystiefel zum Kleid sind auch ganz schick.
Oben hui und an den Füßen die ausgelatschtesten Billigschuhe die man finden konnte.
Auch ganz scharf sind die Hotpants mit Spaghettiträgertops und Badelatschen bei 18 Grad. Was ziehen die an, wenn es warm ist?

Happy holidays

Hallo Billy!

Oscar und Deutsch - das ist so ne Sache. Eigentlich sieht er's nämlich überhaupt nicht ein, Deutsch zu sprechen. Und er ist ein echter Dickkopf. Gut war da, dass ich im September für 6 Wochen mit ihm nach Deutschland gefahren bin. Es hat geholfen - ein ganz klein wenig. Immerhin weiß er nun, dass nicht nur die bekloppte Mama diese bekloppte Sprache spricht und fragt nun regelmäßig nach dem Kinderkanal. Eine recht magere Ausbeite, ich weiß...Ich finde es sehr schwer, konsequent zu bleiben. Man muss sich ja jedesmal daran erinnern, beim Deutschen zu bleiben. Die Familiensprache ist bei uns natürlich englisch, denn der Gatte ist Australier. Ich lasse mich aber nicht vom Wicht entmutigen (äh, der Wicht ist mein Sohn und nicht der Gatte!) und trete mich, sooft ich daran denke, in den Hintern: Speak deutsch! Dir auch viel Durchhaltevermögen und einen lieben Gruß!

Hi Sandra, hi RC,
ja, die Damen Downunder legen schon ein gutes Körperbewusstsein an den Tag. Aber es geht ja immer noch einen Ticken schärfer: Einmal war ich zu Weihnachten in Manchester. Es fror und schneite, was nur ging. Und die Mädels? In Spaghetti-Tops, Minis und Sandälchen?! Haben die denn alle keine Mütter mehr? "Kindchen, Du verfrierst Dir noch die Brust?" oder so? Sandra, ich hoffe, Du hast die Ugg-Boots eingepackt. In den Deutschen Winter passen sie ja allemal...
Gruß,
Annette

Liebe Annette,
Ugg Boots gehoeren bei mir (genauso wie Cricket und Vegemite) zu den wenigen australischen Errungenschaften, die mir bestimmt nicht in's Haus kommen. Ein halbes totes Schaf an den Fuessen muss nicht sein...
Andererseits koennte ich sie bei den momentanen Temperaturen schon gebrauchen.
Englaenderinnen, tja, was soll man dazu sagen. Nix am besten ;-)

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