Endstation: Paradies

Ute Kardinahl (58) ist mit ihrem Mann nach Australien gezogen - und hat ihr Glück gefunden.

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Ende gut, alles gut

Wenn’s am schönsten ist, soll man aufhören, so heißt ein Sprichwort, mit dem ich aufgewachsen bin. Soll heißen, mäßige dich, werde nicht übermütig und überziehe nicht dein Limit. Auf meine persönliche Situation übertragen, will ich damit sagen, dass dies mein letzter Blog in Brigitte ist.

Allen, die meine Einträge regelmäßig gelesen und sogar kommentiert haben, sage ich meinen aufrichtigen Dank und hoffe auf Verständnis für das Ende. Zwar ist es nicht so, dass ich nichts mehr zu sagen hätte über mein Leben an der „Endstation Paradies“. Gerade jetzt, nach dem Umzug in unser Traumhaus, fühle ich mich total glücklich und möchte die gewonnene Lebensqualität ausleben und auch mehr genießen. Mein ausgepowerter Körper verlangt momentan nach mehr Ruhe und so nehme ich den örtlichen Wechsel zum Anlass, auch meinen Tagesablauf zu verändern. Die schöne Aussicht von meinem Computerplatz aus verleitet mich zum Schauen und Träumen – ein Anfang.

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Gestatten, mein Name ist Morty...

Darf ich mich vorstellen:  Hauskatze, Farbe schwarz, Alter etwa acht Jahre, Lieblingsgericht Känguru.
Morty_atablett5 Sie finden es ungewöhnlich, dass sich an dieser Stelle eine Stimme mit Samtpfötchen meldet? Nun, da haben Sie sicher recht, aber ich vertrete sozusagen heute mein Frauchen, das völlig daneben ist, seitdem die Sache mit dem Umzug aktuell ist. Heute früh, als ich mir meine Streicheleinheiten abholte, senkte sie ihre Stimme ganz nah an mein Ohr, so dass niemand mithören konnte, und beichtete, dass ihr schlechtes Gewissen inzwischen so rabenschwarz geworden ist und sie Hilfe benötige. Was kann ich tun? fragte ich. Du schreibst heute meinen Blog, denn du kannst dir sicher vorstellen, wie es sich anfühlt, wenn man jemanden vier Wochen lang vernachlässigt, wie ich meine Leser, oder? Na ja, das stimmt zwar, aber zaubern kann ich auch nicht, denn wir haben doch gar kein Internet im Haus, traute ich mich, einzuwenden. Mein Frauchen lässt nicht locker: Das ist zwar sehr bedauerlich und wie du sicher mitgekriegt hast,  rührt mein ganzer Ärger und Frust größtenteils von der Unfähigkeit des Providers, eine simple Leitung wieder frei zu schalten, aber schreib du nur den Text, ich brenne davon nachher eine CD, gehe zu Harry, kopiere den Text und stelle ihn in Brigitte.
Ehrlich, manchmal denke ich wirklich, dass es nun langsam reicht mit diesen unruhigen Zeiten.

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Hektische Zeiten

Vor ewigen Zeiten sah ich einmal einen Film – den Titel hab ich vergessen -, der spielte in Paris und handelte vom Leben einer vielbeschäftigten Rechtsanwältin, ihrem Mann und den drei Kindern. Alles, was mir von diesem Film im Gedächtnis geblieben ist, ist die Art und Weise, wie diese quirlige, kompetente Mittvierzigerin den Spagat zwischen Beruf, Haushalt, Kindererziehung nebst Streicheleinheiten für den Mann auf die Reihe kriegte. Über die Jahre manifestierte sich in meinem Kopf eine Vision, die sich  möglicherweise total von der auf der Leinwand gezeigten Handlung entfernt hat, geblieben ist indes der  Eindruck, dass es möglich sein kann, all das zu schaffen - in Harmonie und Zufriedenheit, und stets unter der Prämisse, dass sich alle Familienmitglieder an den Aufgaben beteiligen. Ich selber habe es nie geschafft, so zu leben. Berufstätig auch mit nur einem Kind, gelang mir das nicht, immer hatte ich die ganze Alltagslast auf meinem Buckel zu schleppen. Nein, ich will mich nicht beklagen, ich hatte nur noch nicht gelernt, zu delegieren. Jetzt, in meinem neuen Leben, mit neuem Mann und ohne Beruf, habe ich für mich einen Rhythmus gefunden, der zu mir und meinem Partner passt. Immer aktiv, zumeist im Garten, mit der Ernte, mit dem Haltbarmachen der Ernte, mit dem Kochen der Ernte, mit dem Versorgen der Hühner und der Katze Morty. Es ist ein arbeitsames, aber auch idyllisches Landleben, das ich sehr genieße.  Bis jetzt.


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Petrus, dreh den Hahn zu!

Silvester  - inzwischen Schnee von gestern, nein eigentlich Regen von gestern. Denn seitdem schüttet es nass vom Himmel fast ununterbrochen. Nur am Neujahrstag besann sich Petrus auf die gute Sitte, das neue Jahr mit guten Taten zu beginnen und ließ die Sonne zumindest so lange scheinen, dass wir einen herrlichen Strandspaziergang machen konnten. 112008_beach   Die Prophezeiung der berufsmäßigen Experten weckt keine Hoffnung auf Besserung und die beharrliche Anwesenheit eines grünen Wetterfrosches in meinem Badezimmer mag dies nur bestätigen.

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Leise ins neue Jahr

Denk ich an mein erstes Silvester in der neuen Heimat Down Under zurück, assoziiere ich dies spontan mit Stille. Ich war allein in Bellingen und eingeladen. Margret bat mich, etwas Essbares mitzubringen. Das tat ich und machte mich bei Sonnenuntergang auf den Weg. Mein 20 Jahre alter Subaru war gerade in der Werkstatt und so marschierte ich zweimal den kurzen Weg vorbei an der Regenwaldinsel über die Brücke zu Bernsteins. Beladen mit einem norddeutschen Schokoladenkuchen, einer Schüssel mit kleinen Hackbällchen und einer Riesenplatte Sushi-Variationen kam ich dabei den gerade im Tiefflug    ausschwärmenden Fledermauskolonien ins Gehege - einer Szene aus Hitchcocks "Vögeln" nicht unähnlich. Und dann die erste Überraschung: Alle anderen Gäste hatten ebenfalls einen kulinarischen Beitrag geleistet. Lag wohl an meinem dürftigen Englisch, dass ich meinte, alle 20 Gäste versorgen zu müssen!

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Der kleine Unterschied

 

Als James Cook 1768 auf der Endeavour zu seiner legendären ersten Entdeckungsreise aufbrach, wusste er bereits mehr über die breitengradbedingten Unterschiede als manch moderner Zeitgenosse/in.Hollndisches_entdeckungsschiff_in_c Während Kapitän Cook sich nämlich kaum einmal in den Weiten des Ozeans verirrte, fielen Rolf und ich bei unserer ersten Stadtfahrt in Sydney prompt der umgekehrten Nord-Süd-Himmelsrichtung zum Opfer, weil wir uns beim Navigieren an den Stand der Sonne hielten. Die aber hat in Australien die Angewohnheit, von Osten aus nach Norden aufzusteigen. Nord ist hier die „schöne“ Seite. Und die Erkenntnis, dass Reisen bildet, hat sich mal wieder bestätigt. Ohne dies Wissen, wäre es Cook und seiner Mannschaft kaum gelungen, im April 1770 in der Botany Bay vor Anker zu gehen – dem späteren Sydney.

 

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Zuviel im Kopf?

Ja, ich gebe es zu: im Moment fühle ich mich gar nicht paradiesisch, obwohl mein Umfeld mehr denn je wie Paradies aussieht. Analog zur sich prächtig entfaltenden Blütenpracht draußen schrumpft mein Elan im Innern. Nein, es geht mir nicht schlecht im eigentlichen Sinne, nur was noch zu tun ist vor meiner Abreise schwebt belastend wie ein Damoklesschwert über mir. Klar, da bin ich selber Schuld, eine Gefangene meiner Hundertprozentigkeit. Und allmählich kann ich die bäuerliche Landfrau verstehen, die kaum mal ihrem Acker den Rücken kehrt. Bis das Chaos im Garten und die Wäschetürme drinnen sich normalisiert haben, ist die Erholung oft wieder futsch.

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Alle Jahre wieder...

…so etwa ab Ende Oktober, wenn die Heizungen aus dem Sommerschlaf erwacht sind, die Nächte länger und die Gemütlichkeit des Sofas häufiger gelobt wird, fängt draußen die Zeit der Berieselung an. Vom Konsumenten anfangs nur vereinzelt und kaum wahrgenommen, mit Fortschreiten des Kalenders sich dann steigernd, dringen bald schon visuelle und akustische Appelle häufiger und heftiger in das Bewusstsein eines jeden Normalbürgers ein. Zunächst nur als leise Glöckchen wahrgenommen, mutieren die Signale und Rufe dann kurz vor dem Vierundzwanzigsten zu Alarmglocken – in den Ohren der einen.  Die anderen, die es bis zu diesem Datum geschafft haben, sämtliche pre-weihnachtlichen Kaufaufforderungen zu ignorieren, sind entweder Einsiedler, Weihnachtsgegner oder wohnen in Australien auf dem Land wie ich.
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Bello in Blue

Kennt jemand Harald Martenstein und seine wöchentliche Kolumne im ZEIT-Magazin?  Erst kürzlich entdeckte ich die Seite und stürze mich seitdem als erstes darauf, sobald die nächste Abo-Ausgabe eingetroffen ist. Immer werde ich neidisch auf diesen genialen Schreiber, der virtuos und doch vortrefflich präzise mit Worten jongliert, der so scheinbar mühelos mit dem Thema spielt, der Inhalte biegt und modelliert und der seine Aufsätze mit der richtigen Prise Kritik und Witz vollendet abrundet. Locker, ohne Flapsigkeit und Besserwisserei – ach, wären meine Blogs doch auch von diesem Kaliber… Da kommt es tröstend, dass Harald Martenstein einem Verlag verpflichtet ist, womöglich in einem muffigen Redaktionsbüro sitzt, während ich hier ganz freiwillig in schönster Umgebung, zwar unbezahlt, ebenfalls journalistisch tätig bin und gestern bei Regenwetter blau gemacht habe, nein blau gesucht habe. Denn es blühen die Jacarandas in und um Bellingen herum, das will ich euch mal zeigen.

Illawarra_flame_tree Kontrast: Flame Trees in Rot

Jacaranda_in_hauptstasse_2                                                  und in Gelb: Mexikanischer FerntreeMex_ferntree Jacaranda_strassenbume

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Landleben-Alltag

Montag. Es ist 4.30 früh, ich wache auf, bin hellwach, denn noch immer tobt das Gewitter, es regnet,  donnert und blitzt. Überlege kurz, ob ich schon aufstehen soll. Aber ich habe keine 200 Kühe zu versorgen und so beschränke ich meine Aktivität  auf Wasserkochen für einen Becher Nescafé,  krieche zurück unter die Bettdecke, lese meine geliebte alternative Gartenzeitschrift „Grass Roots“. Die Katze kommt und fordert morgendliche Streicheleinheiten. Die kriegt sie und ich als Dank ein Schnurren nebst einen Teppich Katzenhaare auf der Bettdecke. Das mag ich gar nicht. Schlafe wieder ein bis 9. Dann der Blackout -  Stromausfall. Kein Aufschrei mehr, schon Routine, dass bei fast jedem Unwetter irgendwo ein Baum auf die Stromleitung fällt. Der Generator bleibt unangetastet in der Garage, da ich das Ding allein nicht anschließen kann. Mit dem letzten Wasser in der Leitung putze ich mir die Zähne, packe die Tiefkühltruhe in Decken und nehme den kürzeren Weg durch den bush nach Coffs Harbour in unsere Einkaufsstadt, um Pflastersteine auszusuchen - statt den Highway zu benutzen, der gerade vierspurig ausgebaut wird.

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